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Chinesische InteressenPeking steckt im Dilemma

29.08.2006, 11:50 Uhr

Einerseits will auch China verhindern, dass Teheran eines Tages über Atomwaffen verfügt. Andererseits will es seine Interessen im Iran nicht gefährden.

In der Krise um Irans Atomprogramm steht für China viel auf dem Spiel. Es muss sein Bemühen, neue Quellen für seinen steigenden Energiebedarf zu erschließen, mit seiner neuen Rolle als "verantwortlicher Teilhaber" in der Weltpolitik in Einklang bringen. Das Dilemma ist offensichtlich.

Einerseits will auch China verhindern, dass Teheran eines Tages über Atomwaffen verfügt. Andererseits will es seine Interessen im Iran nicht gefährden. Teheran sollte sich aber nicht zu sehr auf seinen traditionellen Freund China verlassen, da für Peking ein stabiles politisches und wirtschaftliches Verhältnis zu den USA immer noch Priorität hat.

Chinas Führung lehnt gleichwohl Sanktionen als Mittel internationaler Politik grundsätzlich ab, würde solche Strafmaßnahmen aber vielleicht durch eine Enthaltung im Weltsicherheitsrat auch nicht verhindern - je nachdem, wie weit solche Sanktionen gehen. Die Entscheidung wird Peking auf jeden Fall schwer fallen. Das Wirtschaftswunderland bezieht 14 Prozent seines Öls aus dem Iran. Die Islamische Republik ist damit Chinas zweitwichtigster Lieferant. Vor zwei Jahren wurde die Lieferung von 110 Millionen Tonnen Flüssiggas nach China über 25 Jahre vereinbart - ein Geschäftsvolumen von 20 Milliarden US-Dollar.

Beide Länder kooperieren in der Entwicklung von Ölfeldern, der Verarbeitung von Rohöl und beim Bau von Pipelines. Durch die Öllieferungen ist der Handel zwischen China und dem Iran seit 1990 von 200 Millionen auf voraussichtlich 10 Milliarden US-Dollar in diesem Jahr gestiegen. Etwa 100 chinesische Unternehmen sind im Iran in Infrastrukturvorhaben wie dem Bau der Untergrundbahn in Teheran, von Kraftwerken oder Dammprojekten oder in der Metallindustrie tätig. Iran vergibt lukrative Aufträge an chinesische Schiffsbauer. China lieferte Iran in geringem Maße auch Waffen. Die USA waren aber vor allem besorgt über den Verkauf von Anti-Schiffs-Raketen seit 1987 und Schnellbooten, die eine Gefahr für die US-Flotte im Persischen Golf darstellen.

Auf Druck der USA hat China in den 90er Jahren seine Unterstützung für Irans Raketenprogramm zurückgezogen und befolgt heute die international üblichen Kontrollregime. Doch wurden Unternehmen, die zu großen chinesischen Konglomeraten mit staatlichem Hintergrund wie dem Rüstungskonzern Norinco oder Great Wall Industries gehören, noch in jüngster Zeit immer wieder einmal beschuldigt, heikle Technologien an den Iran gegeben zu haben.

(Andreas Landwehr, dpa)