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"Deutschland neu bestellen"Pisa-Pizza und Länderschnitzel

03.11.2005, 13:30 Uhr

Junioren beim Club of Rome Deutschland haben der künftigen Regierung ein "Wunschmenü" angerichtet. Jeder Gang repräsentiert einen zentralen Vorschlag aus dem Arbeitspapier "Deutschland neu bestellen". Das Hauptgericht "Filet Deutschland - im Ganzen gebraten, in sechs großzügigen Stücken serviert" steht etwa für den Vorschlag, aus den 16 Bundesländern sechs zu machen.

Junioren beim Club of Rome Deutschland haben der künftigen Regierung ein "Wunschmenü" angerichtet. Jeder Gang repräsentiert einen zentralen Vorschlag aus dem Arbeitspapier "Deutschland neu bestellen". Nach der Pizza Pisa ("Familiengericht für Eltern mit wissenshungrigen Kindern") gibt es die "Schlachtplatte Humboldt vom Sparschwein". Das Hauptgericht "Filet Deutschland - im Ganzen gebraten, in sechs großzügigen Stücken serviert" steht für den Vorschlag, aus den 16 Bundesländern ganze sechs zu machen.

Diskussion präzisieren

Was sich vielleicht humorig und unrealistisch anhört, ist im Kern durchaus ernst gemeint. Der "think tank 30 Deutschland" ist ein unabhängiges Netzwerk ganz verschiedener Menschen um die 30 unter dem Dach der Deutschen Gesellschaft des Club of Rome. Sie wollen "die Diskussion um Zukunftsverantwortung und Nachhaltigkeit präzisieren" - aus der Perspektive der jüngeren Generation in Deutschland.

Selbstbild entzerren

Das Wahlergebnis vom 18. September sieht die Gruppe nicht als generelles Misstrauensvotum der Bürger gegen die Politik sondern vielmehr als "Chance für einen grundlegenden Wandel". Voraussetzung dafür sei aber, dass die Deutschen ihr Selbstbild "entzerren". Denn: "Es geht uns viel besser, als häufig dargestellt wird." Und: Im Vergleich mit dem der Eltern und Großeltern sei das Leben freier und abwechslungsreicher geworden - allerdings auch ungeordneter und ungewisser.

Abkehr von "Vollkasko-Mentalität"

Viele junge Deutsche seien nicht von der Politik verdrossen, sondern von Politikern und Parteien. Sie seien auch zu grundlegenden Einschnitten in ihrem Leben bereit, wenn sachlich plausibel gemacht würde, dass diese sich langfristig auszahlen. So wünschen sich die Mitglieder der Arbeitsgruppe "Deutschland Reloaded", dass die Deutschen ihre "Vollkasko-Mentalität" ablegen und sich das Leitbild vom "aktivierenden Staat" zu eigen machen. Arbeit im Niedriglohnsektor soll durch Lohn-Ergänzungs-Leistungen ermöglicht, nicht durch Lohn-Ersatz-Leistungen verhindert werden.

Bei dem siebenseitigen Aufruf handelt es sich aber gerade nicht um ein weiteres Plädoyer für ungezügelten Neo-Liberalismus. Das Wort "Globalisierung" etwa kommt darin kein einziges Mal vor. Und auch die weiteren Vorschläge - für eine Neuordnung der Bundesländer, eine Umgestaltung des Bildungswesens (hin zu Ganztagesschulen und positivem Wettbewerb unter den staatlichen Hochschulen) und eine zu schaffende "Stiftung Gesetzestext" - sucht das Heil nicht in schlichter Deregulierung. Alle Gruppen der Gesellschaft sollen gleichermaßen mit einbezogen werden.

Grundsatzdiskussion über Demokratie

Die Vorschläge sollen eine Grundsatzdiskussion über Demokratie auslösen - auch darüber, wie ein modernes Wahlrecht ausgestaltet sein könnte. Die Unterzeichner des Aufrufs "erwarten von der neuen Bundesregierung, dass sie sich für diese Diskussion offen zeigt" und wollen Politiker einladen, das Wunschmenü Wirklichkeit werden zu lassen – und sei es vorläufig nur im Rahmen einer Koch-Show im Fernsehen.

Koch und Co. haben derzeit zwar ganz offenbar andere Probleme. "Selbst 6 Wochen nach der Wahl herrscht immer noch Chaos in der Küche und das Personal streitet um die Aufgaben", so tt30-Mitglied Philipp Hübl. Trotzdem ist er optimistisch: " Wenn unser Land tatsächlich so reformbedürftig ist, wie immer gesagt wird, dann verpflichtet das auch die Entscheidungsträger darauf, von alten Ideologien abzurücken – zum Wohle aller."

Thomas Leidel