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JugendhilfeeinrichtungPlötzlich in den Schlagzeilen

07.01.2008, 20:11 Uhr

Im Haus "Ausblick" in Bedburg-Hau sollen ab Ende des MonatsKinder und Jugendliche wieder auf den rechten Weg zurückgebracht werden, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. Der einsam gelegene frühere Bauernhof wird nach Angaben der Landesregierung aus CDU und FDP das erste "Erziehungscamp" in Nordrhein-Westfalen sein - und plötzlich ist der "Ausblick" in den Schlagzeilen.

Im Haus "Ausblick" in Bedburg-Hau wurden am Montag noch Schränke und Regale zusammengeschraubt. Hier, am westlichen Rand von Nordrhein-Westfalen, sollen Kinder und Jugendliche wieder auf den rechten Weg zurückgebracht werden, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. Mit acht jungen Straftätern wird Ende des Monats der Anfang gemacht. Der einsam gelegene frühere Bauernhof wird nach Angaben der Landesregierung aus CDU und FDP das erste "Erziehungscamp" in Nordrhein-Westfalen sein - und plötzlich ist der "Ausblick" in den Schlagzeilen.

Die Erzieher und Sozialpädagogen finden das irritierend. "Wir benutzen den Begriff "Erziehungscamp" nicht", stellt Ulrich Schäfer klar, Sprecher der Kaiserswerther Diakonie. Die Diakonie betreibt das neue Heim, in dem die Jugendlichen unterrichtet werden und in Werkstätten arbeiten sollen, gemeinsam mit der EJF-Lazarus Gesellschaft aus Berlin. Auf jeden Jugendlichen soll ein Betreuer kommen.

Mit heißer Nadel gestrickt

Seit vielen Monaten laufen die Vorbereitungen - ohne große Aufregung. "Die ersten Planungen haben vor zwei Jahren begonnen", berichtet Schäfer. Im November stellte die Diakonie das Vorhaben dann der Öffentlichkeit vor, ohne dass dies außerhalb von Bedburg-Hau jemand groß zur Kenntnis nahm. Doch jetzt ist es mit der Ruhe erst einmal vorbei. Durch die neue Debatte über Jugendgewalt ist das Haus "Ausblick" drei Wochen vor den Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen in den Wahlkampf geraten.

Tagelang hatte die nordrhein-westfälische Landesregierung widersprüchliche Angaben zu Plänen für ein "Erziehungscamp" gemacht. Am Freitagabend stellte dann Jugendminister Armin Laschet (CDU) klar, es gebe konkrete Pläne. Im Frühjahr werde in Neukirchen-Vluyn am unteren Niederrhein ein Heim für 20 bis 25 jugendliche Intensivtäter im Alter zwischen 14 und 18 Jahren eröffnet. Die Erklärung war offensichtlich mit heißer Nadel gestrickt.

"Menschen statt Mauern"

Jetzt musste sich der Minister korrigieren. Nicht Neukirchen- Vluyn, sondern Bedburg-Hau werde der Standort. Statt 20 bis 25 Plätzen werde es zunächst nur acht geben, und zwar nur für Jugendliche zwischen zwölf und 15 Jahren. In Zeiten, wo überall über Jugendkriminalität diskutiert wird, seien Konzepte "manchmal etwas schneller auf dem Tisch, als wir es normalerweise vorgehabt hätten", begründete Laschet seine anfangs fehlerhafte Darstellung.

Was in Bedburg-Hau geplant sei, entspreche genau dem, was die CDU unter einem "Erziehungscamp" verstehe, sagte der Minister nun. "Die Jugendlichen werden rund um die Uhr kontrolliert. Es gibt klare Verhaltensregeln und bei Verstößen gibt es Sanktionen." Mit Bootcamps wie in den USA, wo der Wille der Jugendlichen gebrochen werde, habe das nichts zu tun. Weil der alte Bauernhof weit ab von der nächsten Bebauung liege, könne aber von einer geschlossenen Einrichtung gesprochen werden.

Auch von diesem Begriff wollen die "Ausblick"-Verantwortlichen nichts wissen. "Es ist keine geschlossene Einrichtung", betont Schäfer. Das Konzept "Menschen statt Mauern" helfe besser als eine gefängnisartige Unterbringung. In Brandenburg, Thüringen und Bayern, wo EJF bereits seit längerem solche Jugendhilfeeinrichtungen betreibe, habe man damit gute Erfahrungen gemacht. Ein mit der Polizei abgestimmtes Sicherheitskonzept gibt es allerdings. Die Jugendlichen dürfen sich nur in Begleitung von einem oder mehreren Betreuern außerhalb der Einrichtung aufhalten.

Von Claus Haffert, dpa