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Dossier

Freitag, 16. Oktober 2009

Von "türkischem Kultursaison" keine Spur: Sarkozy brüskiert die Türkei

Die "Saison turque" leidet unter den Spannungen zwischen Frankreich und der Türkei. Sarkozy blieb nur 15 Minuten bei der Eröffnung - ein peinliches Schauspiel.
Haben nicht das beste Verhältnis: Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und das türkische Staatsoberhaupt Abdullah Gül.

Haben nicht das beste Verhältnis: Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und das türkische Staatsoberhaupt Abdullah Gül.
(Foto: picture-alliance/ dpa)

Frankreich zeigt der Türkei mal wieder die kalte Schulter: Nachdem Paris schon vor Jahren die Gräueltaten der Türken an den Armeniern im Ersten Weltkrieg offiziell als Völkermord einstufte und einen EU-Beitritt des Landes am Bosporus unverändert ablehnt, steht jetzt die sogenannte "türkische Kultursaison" in Frankreich unter keinem guten politischen Stern.

Schon die offizielle Eröffnung wirkte improvisiert und wäre beinahe abgesagt worden, denn das ganze Kulturprogramm drohte zu scheitern. Die Eröffnung der Hauptveranstaltung "Von Byzanz bis Istanbul" im Pariser Grand Palais durch Präsident Nicolas Sarkozy vor wenigen Tagen geriet zu einem peinlichen Schauspiel. Nur knapp 15 Minuten verweilte Sarkozys bei der Mega-Schau mit rund 500 Exponaten. Ein weiterer Tiefpunkt folgte: Die Ausstellung "Von Izmir bis Smyrne. Entdeckung einer antiken Stadt" im Louvre wurde verschoben.

Nach Werbung sucht man vergebens

Das Kulturprogramm mit mehr als 400 Veranstaltungen ist ein Erbe des ehemaligen konservativen Präsidenten Jacques Chirac, der trotz des Widerstands seiner Regierungspartei den EU-Beitritt der Türkei stets befürwortet hat. Doch mit Sarkozy hat sich die Situation geändert. Das Verhältnis zwischen den beiden Ländern ist gespannt, denn das französische Staatsoberhaupt lässt keine Gelegenheit aus, um seine Ablehnung eines EU-Beitritts des islamisch geprägten Landes zu wiederholen.

Frankreichs türkische Kultursaison leidet unter den politischen Spannungen der beiden Länder - und das von Anfang an. Das Kulturprogramm hätte ursprünglich ein ganzes Jahr dauern sollen, stattdessen wurde das Programm aus Ausstellungen, Konzerten, Filmfestivals und Kolloquien um knapp vier Monate verkürzt. Nach Ankündigungs- und Werbeplakaten sucht man vergeblich: Weder in der Metro noch auf Bussen ist etwas von der "Saison turque" zu sehen.

Schwierigkeiten beim Zoll

Als Gründe für die mehr als zehntägige Verschiebung der Louvre-Ausstellung gab das Pariser Museum verwaltungstechnische Schwierigkeiten an. Schwierigkeiten, die zunächst auch die termingerechte Eröffnung der Ausstellung im Grand Palais in Frage stellten. Die Werke aus der Türkei seien teilweise vom Zoll blockiert worden und mit zweiwöchiger Verspätung angekommen, hieß es aus französischen Museumskreisen. Wie die Zeitung "Libération" berichtete, soll der rechtzeitige Transport der türkischen Werke durch Probleme mit den Verträgen verzögert worden sein.

Sarkozy scheint sich dieser Hinterlassenschaft seines Vorgängers so schnell wie möglich entledigen zu wollen, "Türkei im Schnellverfahren" titelte "Libération" nach dem Blitzbesuch des Präsidenten im Grand Palais, der exakt zwölf Minuten gedauert haben soll. Wenig Taktgefühl zeigte Sarkozy auch der türkischen Kuratorin Nazan Ölçer gegenüber. Unter dem Vorwand, er wolle eine Führung auf Französisch, musste Pierre Chuvin, Orientspezialist und Direktor des französischen Instituts für anatolische Studien, kurzerhand einspringen.

Ausladung vom Buchsalon

Als schlechtes Vorzeichen für die türkische Kultursaison galt schon die im Februar getroffene Entscheidung, die Türkei als Gastland für den Pariser Buchsalon 2010 wieder auszuladen. Als Begründung gaben die Organisatoren an, sie wollten mit ihren Einladungen von Gastländern erstmals eine Pause einlegen. Der Buchsalon 2010 hätte den Abschluss der türkischen Kultursaison in Frankreich bilden sollen.

Als im Juli die türkische Kultursaison in Paris eröffnet worden war, hatte der türkische Kulturminister Ertugrul Günay noch Optimismus ausgestrahlt: "Spannungen aus der Politik können dank solcher kulturellen Veranstaltungen überwunden werden."

Sabine Glaubitz, dpa

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