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Ahmadinedschads DrohungenScharon sieht wachsende Gefahr

28.10.2005, 13:09 Uhr

Israel sieht mit wachsender Besorgnis, wie der erklärte Todfeind Iran seine militärische und technologische Position immer weiter ausbaut.

Israel sieht mit wachsender Besorgnis, wie der erklärte Todfeind Iran seine militärische und technologische Position immer weiter ausbaut. Es ist der Albtraum des jüdischen Staates, dass das Mullah-Regime im Schatten eines jahrelangen diplomatischen Ringens Atombomben bauen könnte. Die jüngsten Drohungen des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad nehmen die Israelis - die nach Einschätzung internationaler Experten selber über bis zu 200 Atomsprengköpfe verfügen - bitterernst.

"Die Iraner versuchen, die Atombombe zu entwickeln, um den Staat Israel zu zerstören", warnt der israelische Außenminister Silwan Schalom nach der Brandrede Ahmadinedschads. Um diesen Plan zu vereiteln, müsse sich die ganze Welt zusammenschließen. "Solch ein Land mit Atomwaffen wäre nicht nur für Israel und den Nahen Osten, sondern auch für Europa eine Gefahr", sagt der israelische Regierungschef Ariel Scharon. Es wird davon ausgegangen, dass Iran über Raketen verfügt, die bis Israel reichen. An Trägersystemen mit einer Reichweite von 3000 Kilometern, also bis Europa, werde dort gearbeitet.

Israel hat in der Atomfrage mehrfach Alarm geschlagen, spannt aber einen weiteren Bogen. Iran versorge Syrien mit Waffen und unterstütze militante Palästinenser bei Anschlägen. Der Arm Teherans reiche somit bis hin zur Vorbereitung von Selbstmordattentaten. Nach dieser Lesart befindet sich Israel im Gazastreifen und dem Westjordanland bereits im Kampf mit den radikalen Gefolgsleuten Irans. Mit seinem Aufruf zur Vernichtung Israels habe der iranische Präsidenten nur "die Maske abgenommen", sagt Außenminister Schalom. Die Empörung in der westlichen Welt will Israel für eine politische Offensive nutzen.

Dabei gehen auch israelische Kommentatoren davon aus, dass die Forderung nach einem Ausschluss Irans aus den Vereinten Nationen unerfüllt bleiben wird. Ziel sei es zunächst, klare Alternativen zu stellen: Fortsetzung der bisherigen Politik oder eine weitgehende internationale Isolierung mit Verlust der Beziehungen zur westlichen Welt.

Die israelische Tageszeitung "Haaretz" erklärt Ahmadinedschad zur "Bedrohung Nr. 1", gegen die sich die Welt mobilisieren müsse. Der stellvertretende Regierungschef Schimon Peres hat sein Land zu Jahresbeginn aber vor militärischen Alleingängen gewarnt. Der Chef des israelischen Auslandsgeheimdientes Mossad, Meir Dagan, erklärte aber, Iran stehe bereits vor einem entscheidenden Durchbruch. Wenn es erst selbst waffentaugliches Uran anreichern könne, "gebe es keinen Weg zurück".

Israel hat im Februar 2004 die Aufrüstung seiner Luftwaffe mit US-Kampfflugzeugen vom Typ F-16i begonnen. Deren Aktionsradius reiche bis Iran, wie Offiziere damals vor Journalisten auf dem Luftwaffenstützpunkt Ramon in der Negev-Wüste deutlich machten. Israel wäre damit wohl in der Lage - wie schon 1981 im Irak - Angriffe auf iranische Atomanlagen fliegen.

"Beispiele erfolgreicher Verhandlungen mit den Iranern zeigen, dass mehr erreicht wurde, wenn tiefsitzende Ängste genutzt und ein dicker Knüppel geschwungen wurde", riet Schmuel Bar, ein Mitarbeiter der strategischen "Denkfabrik" IDC im israelischen Herzlia, seiner Regierung in einer Studie.

Von Carsten Hoffmann, dpa