Vorschlag 3Schule des Lebens
Wer sein Geld zum höchsten Zinssatz anlegen will, muss in Bildung investieren. Auf lange Sicht lohnt sich nur eines mehr als Aktien, Immobilien oder Wertpapiere: die Investition in das Potenzial der jungen Generation. Das ist nicht metaphorisch gemeint, sondern buchstäblich der Fall. Die Zukunft eines hoch entwickelten Industrielandes liegt in Produkten und Dienstleistungen, die auf spezialisiertem Wissen beruhen. Trotzdem investiert Deutschland gemessen am Volkseinkommen weit weniger in Bildung als andere westliche Länder.
Schulbildung fängt schon im Kindergarten an. Kinder werden hier in das Leben der Gesellschaft eingeführt und lernen, die Welt zu verstehen. In Deutschland ist Schulbildung immer noch eine Frage der Herkunft, und das, obwohl schon lange bekannt ist, dass Intelligenz und Begabung in der Gesellschaft gleich verteilt sind – unabhängig vom Bildungsstand der Eltern. Kindergärtnerinnen und Kindergärtner, Lehrerinnen und Lehrer stellen wichtige Weichen für das spätere Leben. Je mehr die Kinder in ihrer Jugend verpassen, desto weniger werden sie später lernen, begreifen oder erfinden. Heute wird die angeborene Neugier vieler Kinder nicht richtig gefördert. Dadurch versiegen schöpferische Kräfte.
Es gibt verschiedene Auswege aus dieser Lage. Unser Vorschlag lautet: kostenlose ganztägige Kindergartenplätze und verbindliche Ganztagsschulen für alle. An den Nachmittagen können Kinder dort ihren Neigungen und Talenten nachgehen: in kreativen Arbeitsgemeinschaften, bei der Hausaufgabenbetreuung, im Musikunterricht oder beim Sport. Die Nachmittagskurse müssen auch eine Sprachförderung für diejenigen Kinder beinhalten, die nicht gut Deutsch sprechen. Außerdem muss es spätestens in der Grundschule Begabungstests geben, um die unterschiedlichen Talente früh zu fördern. Die Ganztagsbetreuung entlastet berufstätige Eltern. Außerdem muss ihnen die Gelegenheit gegeben werden, in einer modernen Rollenverteilung zu leben. Der Erziehungsurlaub muss fair aufteilbar sein, damit die Väter an der Erziehung teilnehmen und die Mütter ihre Berufe weiterhin ausüben können.
Das Leistungsprinzip der Schule muss fortan auch für Lehrerinnen und Lehrer gelten. Deshalb wird ihr Beamtenstatus abgeschafft, die Lehrkräfte werden flexibel nach Leistung bezahlt, von unabhängigen Prüfern evaluiert und zur Weiterbildung verpflichtet. Die Lehrpläne müssen gegenüber neuen Erkenntnissen der Lernpsychologie offen sein. Bisher standen im Unterricht Inhalte im Vordergrund, nun müssen verstärkt methodische Fähigkeiten gelehrt werden. Ganz gleich, in welchem Beruf man später arbeitet, logisch-mathematische und sprachliche Fähigkeiten benötigt man besonders. Das Handwerkszeug dazu muss wieder gezielt unterrichtet werden.