Suche
hier klicken, um den Ort für die Startseite festzulegen
Berlin
17
MO 13° / 24°
DI 14° / 21°
Dossier

Montag, 30. November 2009

Der Tag der Sonne: Seit 321 Feiertag

Das Bundesverfassunsgericht verkündet in einem Grundsatzurteil, ob im Land Berlin Kaufhäuser an bis zu zehn Sonntagen geöffnet sein dürfen.
:

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Sonntag gehört laut einer gemeinsamen Erklärung der beiden Amtskirchen von 1999 zu den "wichtigsten Beiträgen des Christentums zur Kultur unserer Gesellschaft".

Doch einmal wöchentlich "geruht" wurde schon zuvor. Etwa am älteren jüdischen Sabbat von Freitag- bis Samstagabend. In Abgrenzung dazu bestimmten die Urchristen im ersten Jahrhundert den heidnischen Sonnen-Tag, den "dies solis" der Römer, zum Tag der Auferstehung Jesu.

Der christliche Kaiser Konstantin I. erhob ihn im Jahr 321 zum Feiertag: "Alle Richter und Einwohner der Städte sollen am ehrwürdigen Tag der Sonne ruhen", bestimmte er. Seitdem gilt der Sonntag dem Zweiten Vatikanischen Konzil zufolge als "Tag der Freude und der Muße".

Diesen Gedanken nahm die Weimarer Reichsverfassung 1919 auf und legte in Artikel 139 religiös neutral formuliert fest: "Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt." Dieser Passus wurde dann 1949 in Artikel 140 des Grundgesetzes übernommen.

Die Arbeitsruhe am Sonntag ist nach Ansicht der Kirchen ein wichtiger Bestandteil der "menschlichen Freiheit", den es zu verteidigen gilt: Menschen müssen in der Leistungsgesellschaft "Zeit haben für das, was sich ökonomisch nicht rechnet", heißt es in ihrer Erklärung. Deshalb seien "Zeitbrachen, also unbewirtschaftete Zeit, für die Wahrnehmung menschlicher Freiheit unentbehrlich". Die Kirchen kommen deshalb zu dem Fazit, dass derjenige, "der den Rhythmus der Zeit missachtet", damit "die natürlichen Lebensbedingungen" und "die Bedingungen der Freiheit untergräbt".

Vermutlich deshalb scheiterte in Frankreich der 1793 beschlossene Revolutionskalender, der den Sonntag abschaffte. Die statt dessen eingeführte Zehn-Tage-Woche führte beim Bürgertum zu so viel Ablehnung, dass die Revolutionäre 1802 zum alten Kalender zurückkehrten.

Russlands kommunistischer Diktator Stalin, der den Sonntag 1929 abgeschafft hatte, führte ihn 1941 wieder ein, um die Kirche für den Krieg zu gewinnen.

AFP

Artikel versenden

Der Tag der Sonne: Seit 321 Feiertag

Empfänger
Ihre Informationen
Persönliche Mitteilung

Die Daten werden nur zum Versenden der Nachricht benutzt und nicht gespeichert.