PISA: Geld für JüngereSpätere Trennung besser
Die von der PISA-Studie offen gelegten großen Bildungsunterschiede von Schülern in Deutschland haben nach Forscheransicht vor allem zwei Gründe: Die frühe Trennung der Schüler zumeist schon nach der vierten Klasse und die finanzielle Vernachlässigung der Jüngeren.
Die von der PISA-Studie offen gelegten großen Bildungsunterschiede von Schülern in Deutschland haben nach Forscheransicht vor allem zwei Gründe: Die frühe Trennung der Schüler zumeist schon nach der vierten Klasse und die finanzielle Vernachlässigung der Jüngeren. "Die gymnasiale Oberstufe in Deutschland bekommt überproportional viel Geld", sagte der Soziologe Michael Hartmann von der Technischen Universität Darmstadt. "In vielen anderen Ländern ist das entweder ausgeglichen oder man investiert sogar mehr in die jüngeren Schüler."
Zudem werden die Schüler nach Ansicht von Hartmann im deutschen Schulsystem zu früh getrennt. "Weit über 90 Prozent der anderen Staaten trennen die Schüler erst nach der neunten oder zehnten Klasse", sagte Hartmann. "Es ist ein Irrglaube, dass die guten Schüler darunter leiden." Wie Skandinavien zeige, könnten auch die besseren Schüler davon profitieren, wenn sie mit schlechteren in einer Klasse zusammenbleiben. "Man lernt bei kaum etwas anderem so viel, wie wenn man einem schlechteren Klassenkameraden etwas erklärt." In Skandinavien, wo die Schüler erst spät getrennt würden, seien Leistungen der guten Schüler besser als in Deutschland und zusätzlich die Unterschiede zwischen den sozialen Gruppen nicht so groß.
Erste Abhilfe gegen den Bildungsunterschied in Deutschland sieht Hartmann in einer Umverteilung des vorhandenen Geldes. "Wenn man nur die derzeit vorhanden Finanzen verteilen kann, sollte man darauf achten, dass die jüngeren Jahrgänge mehr erhalten", sagte er. Vor allem aber solle es sobald wie möglich einen längeren Gemeinschaftsunterricht geben. "Der direkteste Weg wäre, die Trennung nach der vierten Klasse aufzuheben." In Deutschland, der Schweiz und Österreich -wo die Schüler früh getrennt werden -sind die Chancen für sozial Benachteiligte besonders schlecht und die Bildungsunterschiede besonders groß, erläutert Hartmann. "Je früher die Schülerschaft unterteilt wird, umso weniger können familiär bedingte Defizite ausgeglichen werden."
Für die Zunahme der Leistungsunterschiede seit der ersten PISA-Erhebung von 2001 sieht Hartmann zwei Ursachen. Insbesondere Eltern aus dem bildungsbürgernahen Milieu hätten sich seitdem stärker für die Schulbildung engagiert. "Und die Anforderungen und damit auch die soziale Selektivität an den Gymnasien sind deutlich erhöht worden.