Regierung kompromisslosTeuer erkaufter Sieg
Sri Lankas Präsident Mahinda Rajapakse zeigt sich selbstbewusst. Der entscheidende Sieg über die "Terroristen" sei nur noch Tage entfernt, sagte er in seiner martialischen Rede zum Unabhängigkeitstag Sri Lankas.
Kampfflugzeuge donnerten im Tiefflug über die Küste Colombos, Panzer streckten ihre Kanonen in den blauen Himmel, eine ganze Armada Kriegsschiffe fuhr auf dem Indischen Ozean auf. Die Militärparade zum 61. Unabhängigkeitstag Sri Lankas erinnerte an die Machtdemonstrationen des Ostblocks im Kalten Krieg. Adressat waren die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE). Die einst mächtige Rebellenorganisation, die neben tausenden Kämpfern eine eigene marine-ähnliche Einheit und sogar Flugzeuge unterhielt, steht kurz vor der militärischen Niederlage, wenn kein Wunder mehr geschieht. Doch das wahrscheinliche Ende des seit mehr als 25 Jahren andauernden Bürgerkrieges wird von der Regierung teuer erkauft.
Sri Lankas Präsident Mahinda Rajapakse - von der Internationalen Gemeinschaft wegen seines kompromisslosen Kurses gegenüber der LTTE immer wieder kritisiert - zeigte sich selbstbewusst. Der entscheidende Sieg über die "Terroristen" sei nur noch Tage entfernt, sagte er in seiner martialischen Rede, deren Live-Übertragung vom Staatsfernsehen mit zwischengeschalteten Bildern heroischer Soldaten untermalt wurde. Mütter und Väter hätten ihre Kinder in nie dagewesener Zahl für die Sicherheitskräfte "geopfert". "Es sind diese Opfer, die es der Nationalflagge ermöglicht haben, heute mit Stolz über dem gesamten Land zu wehen." Damit allerdings griff der Präsident dem Lauf der Dinge voraus.
Von der Armee eingekesselt
Denn noch weht die Flagge nicht über dem ganzen Land, noch halten sich die LTTE-Rebellen auf einem kleinen Flecken Erde im Nordosten der Insel. Eingekesselt von der Armee leisten sie erbitterten Widerstand, der allerdings angesichts der Übermacht der Streitkräfte zum Scheitern verurteilt scheint. Diese Entwicklung hatte kaum ein Beobachter vorausgesehen. Lange Zeit galt die LTTE, die in ihrem Kampf für einen unabhängigen Tamilen-Staat mehr als zwei Jahrzehnte lang alle Armeeoffensiven überstand, als so gut wie unbesiegbar. Doch die Streitkräfte drängten sie in den vergangenen zweieinhalb Jahren in oftmals blutigen Schlachten Schritt für Schritt zurück.
Tatsächlich ist die LTTE inzwischen so geschwächt, dass ihr sogar die Kraft für Anschläge zu fehlen scheint. Die befürchtete Terrorserie blieb sogar aus, als Kilinochchi, die de-facto-Hauptstadt der Rebellen, im vergangenen Monat an die Armee fiel. Rajapakse ging trotzdem auf Nummer sicher. Die Innenstadt Colombos war schon lange vor seiner Rede bei der Militärparade von tausenden Polizisten weiträumig abgesperrt worden. Die Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag fanden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt - aus Angst vor Anschlägen der LTTE.
Verhandlungen abgelehnt
Seit Beginn der Armeeoffensive im August 2006 kosteten die Kämpfe nach Militärangaben mehr als 12.000 Rebellen und 3500 Soldaten das Leben. Dazu kommt eine unbekannte, aber sicherlich große Anzahl ziviler Opfer. Und das unsägliche Leid der Zivilisten ist nicht vorbei. Hilfsorganisationen warnen vor einer Katastrophe - nach ihren Angaben sollen 250.000 Unbeteiligte im Kampfgebiet festsitzen. Die Regierung wirft der LTTE vor, diesen Zivilisten die Flucht zu verwehren. Die Rebellen entgegnen, die betroffenen Tamilen weigerten sich, sich in die Obhut des "völkermordenden Militärs" zu begeben. Welche Darstellung stimmt, kann wie so vieles in Sri Lanka nicht überprüft werden. Journalisten und andere unabhängige Beobachter lässt die Regierung schon lange nicht mehr ins Kampfgebiet.
Unter der allem übergeordneten "nationalen Sicherheit" haben nicht nur die Pressefreiheit, sondern die Bürgerrechte insgesamt gelitten. Zwar präsentiert sich Rajapakses Regierung stets als demokratisch, doch ihre Kritiker riskieren trotzdem, als LTTE-Unterstützer abgestempelt zu werden. Ein in diesen Zeiten gefährlicher Ruf, der dazu führen kann, Todesdrohungen zu erhalten oder zur unerwünschten Person erklärt zu werden, wie der Analyst Jehan Perera schreibt. Perera tritt dafür ein, Verhandlungen mit der LTTE zur Lösung der humanitären Krise im Kampfgebiet zumindest zu erwägen. Rajapakse aber lehnt alle Verhandlungen ab.
Dass die Regierung des südasiatischen Inselstaats mit ihrem harten Kurs in der singhalesischen Bevölkerungsmehrheit große Unterstützung findet, hat sich die LTTE selber zuzuschreiben. Die Rebellen nutzten frühere Waffenruhen, um aufzurüsten und sich neu zu formieren. Rajapakse setzt nun ausschließlich auf die Karte der Gewalt - seine Regierung will dem Westen beweisen, dass Terroristen eben doch rein militärisch besiegt werden können.