Darfur-Krise unüberschaubarÜberfall auf Helfer
Obwohl das Massenmorden und die Verwüstungen aufgehört haben, hat sich die Situation in Darfur nicht entspannt. Viele Flüchtlinge sitzen in Hilfslagern fest, weil eine Rückkehr zu gefährlich ist.
Mit ihrem kranken Baby auf dem Rücken wartet eine Flüchtlingsfrau auf Medikamente. Ihr Sohn, der in den Stoff ihres bunt leuchtenden Kleides eingewickelt ist, leidet an Malaria. Andere Vertriebene sitzen in der Gesundheitsstation des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in der kleinen Stadt Bindisi im Westen der sudanesischen Krisenregion Darfur auf der Erde. Sie werden wegen Infektionen und Durchfall behandelt oder bekommen Schutzimpfungen. Die Luft flirrt, es ist brütend heiß. In Bindisi leben rund 17.000 Flüchtlinge - das sind drei Viertel der gesamten Bevölkerung.
Was die Vertriebenen bei den Massakern vor vier Jahren durchgemacht haben, lässt sich nur erahnen. 2003 wurde in Darfur gemordet und vergewaltigt. Dörfer wurden abgebrannt - auch in Bindisi und umliegenden Siedlungen. Mittlerweile gibt es zwischen den einfachen, strohbedeckten Lehmhütten aber wieder einen bunten, fröhlich wirkenden Markt. Die Vertriebenen verkaufen an Ständen frisches Brot und andere Nahrungsmittel. Auf den umliegenden Feldern werden Melonen, Tomaten und eine Hirseart angebaut. Nomaden ziehen auf Kamelen und mit Kuhherden vorüber.
Doch die Sicherheitslage ist nicht stabil. Die Friedensverhandlungen zwischen Regierung und Rebellen sind festgefahren. Die meisten der mehr als zwei Millionen Darfur-Vertriebenen sitzen weiter in Flüchtlingslagern. "Die Leute wollen zurück, aber es ist zu unsicher", sagt ein Flüchtling. Vertriebene seien auf dem Weg zurück zu ihren Farmen mit Waffen bedroht und geschlagen worden, berichtet Scheich Abdallah. Er ist in der Krankenstation, die das DRK seit April 2006 betreibt, für die Hygiene verantwortlich. Frauen seien vergewaltigt worden. "Das ist tägliche Routine", sagt Scheich Abdallah.
Im Kreuzfeuer der Konfliktparteien
Zwar haben Verwüstungen, wildes Morden und Brandschatzen in Darfur aufgehört - 2003 und 2004 sind nach UN-Angaben 200.000 Menschen ums Leben gekommen. Doch die Situation sei unüberschaubar und verfahren, berichten das DRK und andere Hilfsorganisationen. Arabische Milizen, die von der Regierung in Khartum unterstützt und auch mit Waffen ausgerüstet wurden, kämpften ursprünglich gegen schwarzafrikanische Rebellengruppen. In den vergangenen Monaten haben sich mehrere Gruppen zersplittert, die politischen Gräben des Konflikts werden immer unübersichtlicher.
Die verworrenen Strukturen erschweren auch die Arbeit der Hilfsorganisationen, die Zielscheibe von Banditen werden. "Die Zwischenfälle haben zugenommen", sagt der DRK-Leiter für den Sudan, Andreas Lindner. Mitarbeiter des Roten Kreuzes in der Stadt Mukjar - etwa eine Autostunde von Bindisi entfernt - wurden Opfer von Übergriffen als sie mit einer mobilen Klinik zur Versorgung von Nomaden unterwegs waren.
Bewaffnete überfallen und bedrohen Helfer, stehlen ihre Landcruiser, und meist bleibt unklar, wer eigentlich dahinter steckt. Der Chef des Distrikts Mukjar spricht dagegen von einer sicheren Gegend. "Kriminelle gibt es überall, hier wie in Deutschland", sagt Hashim Abas. Bei den Hilfsorganisationen allerdings wächst die Sorge, dass sie verstärkt Opfer von Machtkämpfen rivalisierender Gruppen werden könnten.
Von Monika Wendel, dpa