Ma Canrong spricht in BerlinVorgehen verteidigt
Der chinesische Botschafter Ma Canrong hat vor geladenen Wirtschaftsvertretern in Deutschland gesprochen. Allerdings wollte er mit seiner Rede nicht beginnen, bevor alle Kameras abgebaut waren.
Erst mussten die Kameras abgebaut und alle Mikrofone ausgeschaltet werden. Nein, bewegte Bilder soll es nicht geben von diesem ersten öffentlichen Auftritt des chinesischen Botschafters in Deutschland, Ma Canrong, nach den Unruhen in Tibet. Vor etwa 100 Wirtschaftsvertretern kommt er dann schließlich doch ans Pult in der Bar eines Berliner Nobelhotels, nachdem sich die Fernsehteams zurückgezogen haben.
Ma Canrong lobt die Vorbereitungen für die Olympischen Spiele in den höchsten Tönen, verteidigt das Vorgehen gegen die Unruhen in Tibet und lässt aber auch einige kritische Töne zum "Entwicklungsland" China anklingen. "In China ist nicht alles perfekt", man sei aber auf dem richtigen Weg.
Der als Gastredner geladene Botschafter spricht von der "großen Chance und gewaltigen Herausforderung" für China, die Olympischen Sommerspiele im August in Peking ausrichten zu dürfen. "China ist entschlossen, die Versprechen gegenüber dem IOC zu halten" - also vor allem grüne und humanitäre Spiele, betont Ma Canrong. Die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren - fast alle Wettkampfstätten stünden, der Plan für die Eröffnungszeremonie sei ausgearbeitet und in Sachen Sicherheit - auch der Verpflegung für die Sportler - sei er zuversichtlich. Und, so versichert Ma Canrong weiter, auch zur Verbesserung der Luftqualität, die den Spitzensportlern massive Sorgen bereitet, würden die größten Anstrengungen unternommen.
Nach den vielen euphorischen Äußerungen kommt der Botschafter dann doch noch auf die Politik zu sprechen. Leider würden einige Menschen die Olympischen Spiele nutzen, um Druck auf China auszuüben etwa durch Boykottforderungen. "Das alles ist nicht korrekt", sagt Ma Canrong und wirft zugleich den Medien vor, nicht das wahre Geschehen in Tibet darzustellen. "Es waren keine friedlichen Demonstrationen." Die Reaktion der chinesischen Polizei auf den nach seinen Worten gewalttätigen Akt von Brandstiftungen durch wenige Leute in Lhasa sei "keine Unterdrückung, sondern Wiederherstellung der Ordnung" gewesen.
Längst nicht alle in der gut gefüllten Bar finden diese Worte glaubhaft. "Er darf wahrscheinlich nicht anders", vermutet etwa Petter Danielsen vom Vorstand einer Berliner IT-Firma.
Und dann ist da noch die Sache mit den Fernsehteams, die keinem verborgen bleiben konnte. "Es ist eine Frechheit, die Presse zu vertreiben, da zeigt der Botschafter Schwäche", sagt Rolf Rissel, Geschäftsführer des gleichnamigen Einrichtungsherstellers aus Berlin. Auch die Worte "Pressezensur mitten in Deutschland" fallen. Nach Auskunft des Initiators der Wirtschaftskontaktbörse "berlinlounge", die Ma Canrong eingeladen hatte, wollte der Botschafter "nicht aus dem Auto kommen", solange Kameras im Raum stünden. Begründung - keine.
"Bei chinesischen Offiziellen muss man damit rechnen", sagt die langjährige ARD-Korrespondentin in China, Eva Corell. Ob man da noch Ma Canrong glauben kann, wenn er sagt, dass die Journalisten während der Olympischen Spiele "frei berichten" werden können? Zumindest schränkt er schon ein: Die Presse müsse sich an die chinesischen Gesetze halten. Und: "China hat nichts zu vertuschen."
Von Imke Hendrich