Politik

Hoffen auf Obama: Wale vor der Schicksalswoche

Die Internationale Walfangkommission ist vor ihrer neuen Tagung gespalten wie nie zuvor. Es geht vor allem um einen Kompromiss, nach dem Japan seinen sogenannten wissenschaftlichen Walfang reduzieren soll, aber Küstenwalfang betreiben darf.

walfang.jpgAuf Madeira ist es dieser Tage angenehme 25 Grad warm. Walschützer kommen dennoch ins Frösteln: Die Internationale Walfangkommission (IWC) geht auf der portugiesischen Insel in ihre 61. Jahrestagung gespalten wie nie zuvor. "Die Zukunft der IWC steht auf dem Spiel", räumen Walschützer vor dem fünftägigen Treffen ein. Auf dem Verhandlungstisch liegt vor allem ein "Kompromisspaket", das der Walfangnation Japan unter anderem Küstenwalfang genehmigen würde. "Dies käme einem Aufheben des seit 1986 geltenden kommerziellen Walfangverbotes gleich", klagt Sandra Altherr von der Organisation "Pro Wildlife". Der gesamte Deal sei eine "Farce", meint auch Nicolas Entrup, Vertreter der internationalen Wal- und Delfin-Schutzbewegung WDCS.

Das Kompromisspaket, über das seit einem Jahr hinter verschlossenen Türen diskutiert wird, sieht vor, dass Japan seinen sogenannten wissenschaftlichen Walfang reduziert. Nach Klage der Tierschützer dient er in Wirklichkeit vor allem kommerziellen Zwecken. Als Gegenleistung soll Japan der "Küstenwalfang" genehmigt werden. Zudem soll eventuell ein Walschutzgebiet im Südatlantik eingeführt werden. Für Tierschützer macht das keinen Sinn, denn das bestehende Jagd-Moratorium bedeute ein weltweites Walschutzgebiet. Entrup: "IWC-Schutzgebiete haben nur dann eine tragende Wirkung, wenn kommerzieller Walfang legalisiert wird und dies ist inakzeptabel".

Keine Resolutionen bei zu softem Vorgehen

Während die Schutzorganisationen an einem Strang ziehen, bereiten die "diplomatischen Verrenkungen der Walschutzländer", so Altherr, große Probleme. Diese diplomatische Freundlichkeit sei übrigens nur bei walschützenden Ländern anzutreffen. "Die Walfangländer dagegen weigern sich dreist, die von der IWC vorgeschriebenen Daten zu Tötungsmethoden und -zeiten, zum Inlandverbrauch und anderem anzugeben", sagt die Pro-Wildlife-Vertreterin. Das softe Vorgehen der Walschutz-Länder könne dazu führen, dass auch in diesem Jahr, wie bereits 2008 in Chile, überhaupt keine Resolutionen eingereicht werden. "Das wäre ein fatales Signal an die Weltöffentlichkeit."

Aber Japan ist nicht der einzige "Gegner". Europäische Harpunen zielen auf die noch geschützten, wegen ihrer Gesänge beliebten und sehr symbolträchtigen Buckelwale. Auf Madeira wird über einen Antrag Dänemarks diskutiert, eine Fangquote von 50 Buckelwalen zur Ernährung der Ureinwohner in Grönland zu genehmigen. Der wahre Grund hinter dem Antrag Dänemarks sei der Versuch, den kommerziellen Walfang wieder einzuführen, so die WDCS. In Wahrheit habe Grönland während der vergangenen zehn Jahre nie seine volle Quote ausgenutzt und Walfleisch verderben lassen und sogar an Touristen verkauft. Vor Grönlands Küsten dürfen Eingeborene für die Selbstversorgung eine begrenzte Zahl an Großwalen fangen. In Grönland würden außerdem jährlich mehr als 4000 Kleinwale getötet.

Planlos gegenüber europäischen Walfangländern

"Die gesamten Verhandlungen fokussieren sich auf Japan. Die am Walschutz interessierten Staaten stehen den Walfangaktivitäten in Europa (Island, Norwegen, Grönland) planlos gegenüber", sagt Entrup. Zu allem Übel ist die Jagd nicht die einzige Bedrohung der sich langsam reproduzierenden Meeressäuger. Meeresverschmutzung, Überfischung und Klimawandel sind weitere "Feinde".

Wann wäre die Tagung als Fortschritt zu bewerten? Der Antrag Dänemarks dürfe auf keinen Fall angenommen werden, außerdem benötige die IWC eine Neuorientierung mit Zugeständnissen der Walfangstaaten, fordert Entrup. Die Schutzgruppen sind aber pessimistisch. "Ob es gelingen wird, die IWC in eine moderne Organisation zu verwandeln, ist derzeit mehr als fraglich", meint Greenpeace. Beschlüsse, die die operativen Teile der Konvention zur Regulierung des Walfangs erneuern, benötigten eine 75-Prozent-Mehrheit innerhalb der IWC und seien somit aufgrund der "Pattstellung" kaum möglich, weiß Entrup. Er setzt aber auch US-Präsident Barack Obama: "Die NGOs erhoffen sich bei der ersten Konferenz unter der Leitung der neuen Obama-Administration einen Sinneswandel, denn es war das Drängen der USA unter Bush, die diesen aktuellen Prozess in Gang brachte."

Quelle: n-tv.de