Neuernennung unvorstellbarWas macht der Papst mit Mixa?

Der frühere Augsburger Bischof gibt nicht auf. Mixa möchte rehabilitiert werden und wieder Seelsorger sein. Der Papst spricht mit ihm. Aber von Rückkehr kann keine Rede sein.
Es ist nicht so, dass Rom jetzt gespannt auf Walter Mixa wartet. Papst Benedikt XVI. bereitet noch ein paar Messen vor, auch einen Pastoralbesuch in den Abruzzen. Dann ist die Zeit für die Sommerferien gekommen. Doch um jenen Mann, der sich als Opfer eines Komplotts aus seiner eigenen Kirche sieht, muss sich Joseph Ratzinger noch kümmern. Aber was macht Benedikt mit dem umstrittenen ehemaligen Bischof von Augsburg? Zumal dieser erwägt, seinen Rücktritt vor den päpstlichen Gerichtshof zu tragen, um ihn wieder aufheben zu lassen.
Benedikt ist, wenn man so will, der oberste Seelsorger, und jedes Schaf, ob nun schwarz oder nicht, kann seiner Fürsorge sicher sein. Die Unruhe in der katholischen Kirche seines Heimatlandes birgt aber auch eine politische Note. "Mixa ist der sichtbarste Exponent des konservativen Flügels des deutschen Katholizismus", bringt es die Turiner Zeitung "La Stampa" auf den Punkt - und sieht bereits den Schatten einer neuen innerkirchlichen Fehde zwischen Konservativen und Fortschrittlichen. Das mag übertrieben sein, doch auch der Papst ist konservativ. Und Mixas Vorwürfe an die Kollegen sind gewaltig.
Erstmal zuhören
Wenn der 69-jährige Ex-Bischof demnächst also zur Privataudienz im Apostolischen Palast erscheint, wird Benedikt zunächst einmal das tun, wofür er bestens bekannt ist: Er hört sich ruhig an, was denn jener Mann zu sagen hat, der unter "Druck wie ein Fegefeuer" seine Resignation unterschrieben haben will. Christliche Nächstenliebe, wer soll sie ihm denn zeigen, wenn nicht allen voran der Papst? Doch dass Benedikt seine so überraschend zügige Entscheidung vom 8. Mai, den Abgang Mixas zu akzeptieren, wieder rückgängig macht, das glaubte in Rom schon vor dem klaren Abwinken seines Sprechers Federico Lombardi niemand. "Schlechthin unvorstellbar" sei eine Neuernennung Mixas, so ein Vatikan-Insider. Vielleicht gibt es aber ja andere Möglichkeiten.
Der Fall Mixa ist auch in Rom ein sperriges, ungeliebtes Thema, bei dem manche gleich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Es ist aber auch schon spekuliert worden, Mixa könne einen Posten in der Ewigen Stadt bekommen. Und das erinnert wiederum an einen besonders delikaten Vorgang, der einmal mehr nur bewies, dass die große Mutter Kirche letztlich niemanden im Regen stehen lässt: Erzbischof Bernard Francis Law war als Vertuscher von Missbrauchsfällen in Boston nicht mehr haltbar, auch wenn er sich gegen seinen Rücktritt sträubte. Law wurde ganz offiziell ins angenehme römische Kurienumfeld verpflanzt - und leitet seit 2004 als Erzpriester eine der wichtigsten Basiliken.
Dann die Wogen glätten
Ein Priesteramt für Mixa? "Ich möchte auf jeden Fall in irgendeiner Weise wieder in der Seelsorge tätig sein. Auch mit den Gläubigen Gottesdienst feiern", erklärte er im Interview mit "Die Welt", was ihm so am Herzen liegt. Wirklichkeitsverlust, darunter leide Mixa, mutmaßt der ehemalige deutsche Chef von Radio Vatikan, Eberhard von Gemmingen: "Er ist auch ein kranker Mann." So sprach Gemmingen im ZDF-"Morgenmagazin" aus, was manch einer denkt. Und er wünschte dem einstigen Bischof von Augsburg Freunde, die ihn an die Hand nehmen und sagen: "So geht es nicht." So ein Freund könnte der Papst sein. Wenn er Mixa im Vatikan empfängt und versucht, die Wogen etwas zu glätten und den 14 Jahre Jüngeren väterlich zu besänftigen.