Politik

Es kommt auf das Modul an: Welches Strafrecht gilt im All?

Lisa Nowak ist spätestens seit Dienstag berühmt. Die Mutter von drei Kindern wird wohl als die "liebestolle Astronautin" in die Geschichte eingehen, die sich selbst in einer Mnage trois gefangen sah und ihrer Rivalin eine Lektion jenseits der Gesetzmäßigkeit erteilen wollte. Ob sie des versuchten Mordes schuldig ist, muss nun ein Gericht in Florida entscheiden.

Der bizarre Fall der 43-jährigen wirft eine Frage auf, um die sich Otto-Normal-Verbraucher bislang wenig gekümmert hat: Was wäre gewesen, wenn Frau Nowak auf der Internationalen Raumstation ISS im All ihrer Konkurrentin auf den Leib gerückt wäre?

"Es gilt erst einmal die Herkunft des Moduls. Im europäischen Modul gilt auch das europäische Recht", sagt Professor Stephan Hobe von der Universität in Köln. Hobe ist unter anderem auf Weltraumrecht spezialisiert. Komplizierter wird die Angelegenheit wenn beispielsweise ein Russe einem Amerikaner etwas in einem europäischen Modul antut. In so einem Fall müssen tatsächlich die Regierungen der einzelnen Länder eine Lösung finden, wo eine Gerichtsverhandlung stattzufinden hat und vor allem, welches Strafrecht gilt. Und das kann sehr entscheidend sein. Wer im Weltall einen Mord begeht, kann nach US-Bundesrecht zum Tode verurteilt werden - nach europäischem Recht nicht.

Eine Parallele dazu gibt es aber auch für Leute, die zumindest noch zeitweise festen Boden unter ihren Füßen haben. Wer als Ausländer an einem Flughafen die Passkontrolle passiert, befindet sich im Niemandsland. Begeht diese Person eine Straftat, müssen sich die Regierungen der beiden Länder darauf einigen, welches Recht zur Anwendung kommt.

Einige Staaten reißen den Fall jedoch automatisch an sich. Singapur gehört dazu. In den vergangenen 14 Monaten hat der strenge Stadtstaat bereits zwei Ausländer hingerichtet, die Drogen in größeren Mengen bei sich hatten, als sie sich im Transitbereich des Flughafens befanden. Besondere Tragik hat der Fall des Australiers Van Nguyen. Ihn trennten gerade mal 100 Meter von der Maschine der Qantas. Hätte er es bis an Bord geschafft, wäre er rechtlich auf australischem Territorium gewesen. Australien ächtet die Todesstrafe.

Hommy Dara

Quelle: n-tv.de