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Dossier

Samstag, 16. Januar 2010

Janukowitsch gegen Timoschenko : Wettern auf der Zielgeraden

Bei ihren letzten Kundgebungen geben die ukrainischen Präsidentschaftskandidaten alles. Janukowitsch wirbt mit leichtbekleideten Tänzerinnen und Timoschenko warnt.
Janukowitsch wirkt auch ohne Charisma siegessicher.

Janukowitsch wirkt auch ohne Charisma siegessicher.
(Foto: picture alliance / dpa)

Wenige Stunden vor der Präsidentenwahl in der Ukraine wollte Favorit Viktor Janukowitsch mit leichtbekleideten Tänzerinnen und Konfetti sein Image eines spröden Apparatschiks aufmöbeln. Trotz tiefen Minustemperaturen und Schneeregen lockte der Oppositionsführer rund 10.000 Anhänger vor die prunkvolle Sophien-Kathedrale in Kiew. "Hello, Happy End", warb eine Popgruppe auf Janukowitschs letzter Großveranstaltung vor der Wahl am 17. Januar. Doch in seiner nur sechsminütigen Rede wirkte der Zwei-Meter-Mann aus dem russisch sprachigen Osten hölzern und ohne Charisma.

Die insgesamt 18 Kandidaten nutzten ihre letzten Auftritte vor dem Urnengang - der indirekt auch über das Verhältnis des Landes zu EU und NATO sowie zum mächtigen Nachbarn Russland entscheidet - vor allem zum Angriff auf politische Gegner.

Timoschenko warnt Bevölkerung

Timoschenko bezeichnet Janukowitsch als eine "Marionette der Oligarchen".

Timoschenko bezeichnet Janukowitsch als eine "Marionette der Oligarchen".
(Foto: picture-alliance/ dpa)

Janukowitschs laut Umfragen schärfste Rivalin, Regierungschefin Julia Timoschenko, warnte per Fernsehansprache vor einem Sieg des Konkurrenten. "Schützen Sie unseren jungen Staat vor ihm", appellierte die Heldin der prowestlichen Orangenen Revolution von 2004. Janukowitsch sei eine "Marionette der Oligarchen", sagte die charismatische 49-Jährige mit der markanten Krone aus Eigenhaar.

Vor fünf Jahren war Janukowitsch nach einem Skandal um gefälschte Stimmen in der Wiederholungswahl noch Viktor Juschtschenko unterlegen. Ob er nun Befriedigung empfinde, dass er vermutlich die damaligen Gegner schlage, wurde der Oppositionsführer nach der Show gefragt, die ein Berater des ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush konzipiert hatte. "Ich spüre nur Genugtuung, dass die Ukrainer mich als Präsidenten wollen", antwortete er siegessicher. Juschtschenko hat nach Einschätzung von Experten keine Chancen auf Wiederwahl.

Jungwähler kennen UdSSR nicht mehr

Der 18-jährige Arkadi will Janukowitsch wählen. "Er hat in den vergangenen Jahren immer die gleiche Meinung vertreten, während Timoschenko und Juschtschenko sprunghaft waren", meinte der Student nach der Show und rückte seine Pelzmütze zurecht. Er ist einer der "neuen Ukrainer", wie die Zeitung "Den" die drei Millionen Jungwähler nennt. Erstmals wird die Generation, die nach dem Ende der Sowjetunion 1991 im zweitgrößten Flächenland Europas geboren wurde, an Wahlen teilnehmen. "Sie kennt die UdSSR nur aus Erzählungen und denkt anders als wir", schrieb "Den".

Die wichtigsten ukrainischen Präsidentenbewerber (l-r): Viktor Janukowitsch, Sergej Tigipko und Julia Timoschenko.

Die wichtigsten ukrainischen Präsidentenbewerber (l-r): Viktor Janukowitsch, Sergej Tigipko und Julia Timoschenko.
(Foto: picture alliance / dpa)

Arkadis Bekannte Slawa will Timoschenko ihre Stimme geben. "Ich fürchte aber, dass die Wahl von Janukowitsch manipuliert werden könnte", meinte die 36-jährige Grafikerin. Dem widerspricht der Kiewer Soziologe Wladimir Paniotto. "Heute sind die Wahlausschüsse nicht mehr so leicht manipulierbar wie zu früheren Zeiten in der Ukraine", sagte Paniotto der Wochenzeitung "Serkalo Nedeli". Die Abstimmung wird unter anderem von Beobachtern der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) begleitet. Die Wahlen in der Ukraine galten zuletzt immer als demokratisch - im Gegensatz zu denen in den meisten anderen Ex-Sowjetrepubliken.

Ein Drittel noch unentschlossen

Rund ein Drittel der etwa 36 Millionen Wahlberechtigten war angeblich kurz vor der Abstimmung noch unentschlossen. In Umfragen verzeichnete zuletzt Ex-Wirtschaftsminister Sergej Tigipko einen Popularitätsschub. Es wäre aber eine faustdicke Überraschung, sollte der 49-Jährige ganz vorne landen, sagte der Politologe Wladimir Fessenko. Sollte kein Bewerber mindestens 50 Prozent der Stimmen erreichen, ist für den 7. Februar eine Stichwahl geplant.

Nina Jeglinski und Wolfgang Jung, dpa

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