Freitag, 29. Mai 2009
Nahe deutscher Grenze
Tschechien plant Atom-Endlager
Tschechien erwägt offenbar den Bau eines Atom-Endlagers in Südböhmen unweit der deutschen Grenze.
Der Direktor des tschechischen Amts für Nuklearabfallentsorgung, Vitezslav Duda, bestätigte der der "Passauer Neuen Presse" entsprechende Überlegungen. Seine Behörde wolle der Regierung in Prag in den nächsten Tagen eine geologische Analyse vorlegen, nach der zwei bisherige Militärsperrgebiete als mögliche Standorte in Frage kämen: Hradiste bei Karlsbad sowie Boletice nahe Krumau, das nur rund 40 Kilometer von der Grenze entfernt liegt. Die Regierung müsse dann entscheiden, ob sie die Tauglichkeit der Standorte weiter prüfen werde.
In Deutschland sorgen die Planungen der tschechischen Behörden dem Bericht zufolge für Empörung. Der CSU-Europaabgeordnete Manfred Weber äußerte sich "verärgert" über den tschechischen Alleingang: "Hier müssen die Nachbarn bei den Überlegungen beteiligt werden", sagte er der Zeitung. Gegen den Böhmerwald als Standort werde er in jedem Fall "erbitterten Widerstand leisten", kündigte Weber an. In Tschechien gebe es durchaus andere Endlagermöglichkeiten.
Slowakei plant neues Atomkraftwerk
Im slowakischen Atomkomplex Jaslovske Bohunice soll indes ein neues Atomkraftwerk entstehen. Einen entsprechenden Kooperationsvertrag unterzeichneten am Freitag in Prag Vertreter der slowakischen Staatsfirma JAVYS und des tschechischen Energiekonzerns CEZ. Demnach soll ein Gemeinschaftsunternehmen, an dem JAVYS 51 Prozent und CEZ 49 Prozent der Anteile hält, für Bau und Betrieb des Reaktors verantwortlich sein. Eine Machbarkeitsstudie werde für 2010 erwartet, hieß es in einer Pressemitteilung von CEZ.
Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico hatte die Kosten für das Projekt zuletzt auf rund 3,5 Milliarden Euro beziffert. In Jaslovske Bohunice waren in den vergangenen Jahren aufgrund einer Vereinbarung mit der EU zwei Atommeiler sowjetischer Bauart stillgelegt worden. Das neue Atomkraftwerk soll nach Firmenangaben dazu beitragen, die Elektrizitätsversorgung auf dem Gebiet der ehemaligen Tschechoslowakei zu gewährleisten.
AFP/dpa
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