Mittwoch, 19. August 2009
Scholl-Latour: "Karten sind verteilt": Wahl ist eine Farce
Fabian Maysenhölder
Für den Publizisten Peter-Scholl-Latour sind die Wahlen in Afghanistan mindestens genauso dubios wie die Wahlen im Iran Mitte Juni. Das sagt der 85-Jährige gegenüber n-tv.de. Mehr als ein "Zirkus, der aufgeführt wird", sei die Wahl nicht - vielmehr handle es sich um eine "Täuschung der Öffentlichkeit".Peter Scholl-Latour hält die Wahl in Afghanistan für mindestens genauso dubios wie die Wahl Ahmadinedschads im Iran Mitte Juni. "Das ist ein Zirkus, der aufgeführt wird, mehr ist das nicht. Und es ist eine Täuschung der Öffentlichkeit", sagte der 85-Jährige Publizist im Interview mit n-tv.de. Es werde dort vorgeführt, dass irgendeine Form von Demokratie herrsche; dem sei aber nicht so. "Die Karten sind doch alle vorher verteilt."
Hamid Karsai ist für Scholl-Latour zudem für den falschen Mann an der Spitze Afghanistans. Die Bilanz nach acht Jahren sei katastrophal, die Lage im Land habe sich seit 2001 dramatisch verschlechtert. Es ginge den Leuten heute keineswegs besser. Der Opiumanbau habe ungeheuerliche Ausmaße angenommen, die Taliban hingegen hätten "nur so viel Opium angebaut, wie sie zum Ankauf von ein paar Waffen gebraucht haben."
Dei Demokratie als Staatsform sei für Länder wie Afghanistan nicht tauglich, so der langjährige Nahost-Experte. Es sei nicht die Angelegenheit des Westens, den Afghanen eine Regierungsform vorzugeben - vielmehr hätten sie selbst dafür zu sorgen.
Angst vor Afghanistan als Wahlkampfthema
Einziger Ausweg aus dem Afghanistan-Dilemma sei, die Truppen abzuziehen: "Uns wird am Ende gar nichts anderes übrigbleiben, egal was Herr Jung oder andere Politiker auch proklamieren mögen. Es besteht doch bei den deutschen Parteien nur die große Angst, dass das ein Wahlkampfthema werden könnte - deswegen wird doch jede Meldung aus Afghanistan kleingeredet."
Scholl-Latour wies auch darauf hin, dass Afghanistan eine immer geringere Rolle spielen werde: "Das Schicksal der Region spielt sich jetzt in Pakistan ab, nicht mehr in Afghanistan. Darum können wir uns Sorgen machen." Von Afghanistan gehe im Falle einer radikalislamischen Regierung zwar eine Gefahr aus, aber nicht für die westlichen Länder: "Nicht Deutschland wird am Hindukusch verteidigt, Russland wird am Hindukusch verteidigt."
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