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Donnerstag, 14. September 2017

Pflegenotstand in Zahlen: Fehlen bald 200.000 Fachkräfte?

Deutschland altert schnell und immer mehr Menschen sind auf Pflege angewiesen. Doch es fehlt massiv an qualifiziertem Personal. Eine gigantische Lücke droht.

Die Zahl der alten Menschen in Deutschland nimmt schnell zu. Und damit wächst die Zahl der pflegebedürftigen Menschen. Zwischen 1999 und 2015 ist sie von knapp zwei Millionen Personen auf fast 2,9 Millionen gestiegen. Und laut Prognose des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) wird diese Zahl weiter rasant wachsen. Das Ministerium geht davon aus, dass bis zum Jahr 2060 4,7 Millionen Menschen Pflege benötigen.

Demgegenüber steht ein gravierender Mangel an qualifizierten Pflegelkräften. Zwar wird die Gesamtzahl der nicht besetzten Stellen in Pflegeberufen statistisch nicht ausgewiesen. Doch die Statistik der Bundesagentur für Arbeit liefert Anhaltspunkte: So sind Stellenangebote für Altenpfleger im Bundesdurchschnitt 138 Tage pro Jahr zu besetzen. Das ist im Schnitt 62 Prozent mehr als in allen anderen Berufen. In der ambulanten Pflege etwa hat jeder Pflegedienst im Jahr 1999 im Schnitt 38 Patienten betreut, 2015 waren es bereits 52.

Regional gibt es im Bereich der ambulanten Pflege starke Unterschiede. Während in Bayern jeder ambulante Pflegedienst rund 43 Patienten betreuen muss, sind es im Saarland mehr als 66.

Und auch in den Pflegeheimen in Deutschland gibt es starke Unterschiede. Während statistisch in Schleswig-Holstein jede Pflegefachkraft weniger als drei Patienten versorgen muss, sind es in Brandenburg sechs.

 

Zwar hat sich die Betreuungssituation in Pflegeheimen statistisch leicht gebessert. Während Ende der 90er-Jahre jede Pflegekraft rein rechnerisch 1,3 Patienten versorgen musste, hat sich das Verhältnis im Jahr 2015 auf knapp 1,2 verbessert. In den ambulanten Pflegediensten standen 1999 pro Mitarbeiter 2,2 Pflegebedürftige, 2015 waren es zwei. Das BMG geht jedoch davon aus, dass der Bedarf bis 2025 um bis zu fast 30 Prozent ansteigen könne. Dann würde im Gesundheitssystem eine Lücke von rund 200.000 Pflegekräften klaffen.

Und auch in den deutschen Krankenhäusern bleibt die Lage angespannt. Knapp 20 Millionen Patienten in Deutschland mussten im vergangenen Jahr stationär behandelt werden. Das waren 277.000 oder 1,4 Prozent Behandlungsfälle mehr als 2015.

Zwar gab es beim Personal einen Anstieg. Allerdings fiel er bei den einzelnen Berufsgruppen sehr unterschiedlich aus. So stieg die Zahl der Ärzte, die Vollzeit arbeiteten, um 3600 oder 2,3 Prozent auf knapp 158.000. Bei den Vollzeitkräften im nichtärztlichen Dienst gab es eine Zunahme um 22.800 auf 736.500 Personen, das waren 3,2 Prozent mehr. 325.200 arbeiteten davon im Pflegedienst. Die "Pflege am Krankenbett" konnte damit gegenüber 2015 aber nur um 4300 Beschäftigte oder 1,3 Prozent zulegen.

Quelle: n-tv.de