Politik
Video
Montag, 11. September 2017

Westen top, Osten flop?: So unterschiedlich ist der Lehrermangel

Die Lehrerverbände sind alarmiert: Immer mehr Kinder werden eingeschult, doch die Lehrerausbildung kommt nicht hinterher. Der Mangel ist vorprogrammiert - und regional extrem unterschiedlich.

Entgegen bisherigen Erwartungen dürfte die Schülerzahl in Deutschland in den kommenden Jahren stark steigen. Höhere Geburtenraten und große Flüchtlingszahlen sind einer Studie der Bertelsmann-Stiftung zufolge für den bisher nicht kalkulierten Anstieg verantwortlich. Angesichts dieser Entwicklung fordert der Deutsche Lehrerverband (DL) von den Bundesländern einen Kraftakt für die Sicherung eines flächendeckend guten Unterrichts. "Wir müssen jetzt ganz schnell umsteuern: Planstellen schaffen, die Lehrerwerbung verstärken, Pädagogen nachqualifizieren", sagt der Verbandsvorsitzende Heinz-Peter Meidinger. "Wenn das nicht passiert, gibt es für die Länder drei Stellschrauben: größere Klassen, höhere Lehrerarbeitszeiten, weniger Unterricht. Das ist ein Szenario, vor dem ich nur sehr warnen kann."

Doch mit welchen Zahlen kalkuliert die Kultusministerkonferenz (KMK)? Schaut man ins Detail zeigen sich ein stark unterschiedliches Bild - je nach Schulform und Region. Zum Teil kann von Mangel keine Rede sein. Es droht eher ein starkes Überangebot und damit eine Unterbeschäftigung von Lehrern. An anderen Stellen ist der Mangel gravierend.

Grundschulen bzw. Primarbereich

Bei den Lehrämtern im Grundschul- bzw. Primarbereich ist das Verhältnis deutschlandweit vergleichsweise ausgewogen. Für den kompletten Zeitraum zwischen 2014 und 2025 ergibt sich ein rechnerisches Überangebot von durchschnittlich 1100 Lehrkräften. Wesentliche Unterschiede gibt es jedoch zwischen den westlichen und den östlichen Bundesländern. Während es im Westen im jährlichen Durchschnitt 1300 Lehrer zu viel gibt, fehlen im Osten im Schnitt 200 Lehrer.

Primarbereich und einzelne Schularten im Sekundarbereich I

Schulbildung ist Ländersache und in einigen Bundesländern dürfen Grundschullehrer etwa auch an Haupt- oder Realschulen unterrichten. Für diesen Bereich spricht die KMK von einer "recht knappen Bewerberlage". Deutschlandweit fehlen laut KMK etwa im Jahr 2017 fast 1500 Lehrer, davon die meisten im Westen. Ab etwa 2019 dreht sich dieser Trend und im Westen stellt sich eine leichte Überversorgung ein, während die östlichen Bundesländern weiterhin mit einem Mangel von 200 bis 300 Lehrern zu kämpfen haben.

Haupt-, Real- und Gesamtschulen

Bis zum Jahr 2020 rechnet die KMK damit, dass die Lehrkräfte in diesem Bereich die Nachfrage deutschlandweit nicht decken können. Im Westen ist die Situation laut Prognose zwischen 2020 und 2025 entspannter. Doch auch in diesem Bereich bleibt die Lage in den östlichen Bundesländern angespannt: jedes Jahr fehlen weit mehr als 600 Lehrer.

Gesamtschulen und Gymnasien

Ein stark unterschiedliches Bild zeigt sich auch in diesem Bereich: Während in den westlichen Bundesländern das Angebot an Lehrkräften die Nachfrage um das doppelte, in einigen Jahren fast um das dreifache übersteigt, ist die voraussichtliche Bewerberlage im Osten für Gymnasien und Gesamtschulen knapp. Für das Jahr 2024 etwa rechnet die KMK damit, dass im Westen auf 3300 offene Stellen 9800 Lehrer kommen - ein Überhang von rund 6500 Lehrern. Im Osten hingegen werden in diesem Jahr laut KMK rund 40 Stellen unbesetzt bleiben.

Berufsschulen

An Berufsschulen geht die KMK bis zum Jahr 2017 deutschlandweit von einer knappen Bewerbersituation aus. Doch auch wie in anderen Schulbereichen rechnen die Statistiker der Behörde mit einer Besserung in Westdeutschland. Ab 2018 gehen sie davon aus, dass in den westlichen Bundesländern mehr Bewerber als Stellen geben wird. In den ostdeutschen Bundesländern hingegen wird demzufolge der Lehrermangel an Berufsschulen drastischer. In einigen Jahren sollen über 300 Stellen unbesetzt bleiben.

Sonderpädagogische Lehrämter

Der Lehrermangel an sonderpädagogischen Schulen ist deutschlandweit ausgeprägt. Bundesweit fehlen jedes Jahr im Schnitt 400 Lehrer. In einzelnen Jahren, etwa 2017, bleiben voraussichtlich sogar mehr als 600 Stellen unbesetzt.

 

Quelle: n-tv.de