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Freitag, 21. April 2017

Bericht einer ALS-Betroffenen: Wenn die Pflege zum Papierkrieg wird

Mit der Ice Bucket Challenge wurde die seltene Krankheit plötzlich bekannt: Judith Braun hat ALS, ihr Partner pflegt sie zuhause. Doch die Versorgung ist eine bürokratische Mammutaufgabe. Die Krankenkasse will für Kosten nicht aufkommen.

Judith Braun hat die seltene Nervenkrankheit ALS, die die Muskeln in ihrem Körper zunehmend lähmt. Gehen kann sie nicht mehr, Handbewegungen fallen ihr schwer, selbst das Sprechen bereitet ihr schon Probleme. Eines Tages, fürchtet sie, wird sie im eigenen Körper gefangen sein - bei vollem Bewusstsein. Denn der Intellekt bleibt von der Krankheit in der Regel nicht getrübt.

Reportagereihe NAH DRAN!!

Die zweite Staffel von NAH DRAN!! läuft im n-tv-Fernsehen ab Montag, dem 4. September, jeweils um 12, um 15 und um 18 Uhr und ist daneben auch auf dieser Seite und bei Facebook abrufbar.

Die unheilbare Krankheit ist sehr selten. In Deutschland leben etwa 8000 Patienten mit der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS), etwa die Hälfte der Patienten stirbt innerhalb der ersten drei Jahre. Meistens greift die Lähmung auf die Atemmuskulatur über und die Patienten ersticken bei vollem Bewusstsein. Nur in Ausnahmefällen leben sie länger als ein Jahrzehnt mit der unheilbaren Krankheit.

Eine belastende Prognose für Judith Braun und ihren Partner Dirk Lehmann, der sie zuhause pflegt. Unsere Reporter treffen das Paar in ihrer Wohnung in Erwitte und hören, wie beschwerlich die Pflege verläuft. Jemand mit einer solchen Diagnose sollte sich darauf konzentrieren dürfen, den Rest seines Lebens noch so gut es geht zu leben, findet Lehmann.

2,8 Millionen Deutsche sind pflegebedürftig

Das Schicksal, einen Angehörigen zu Hause zu pflegen, teilt Dirk Lehmann mit Hunderttausenden Deutschen. Denn in einer alternden Gesellschaft nimmt auch die Zahl der Pflegebedürftigen deutlich zu. Von knapp über zwei Millionen Menschen im Jahr 2001, die auf Hilfe angewiesen sind, ist diese Zahl auf über 2,8 Millionen im Jahr 2015 angewachsen. Fast 1,4 Millionen davon werden allein von ihren Angehörigen zuhause versorgt.

Den Rest des Lebens noch mit Sinn füllen? Die Lebensrealität des Paares sieht anders aus. Einen speziellen Rollstuhl, der beiden das Leben enorm erleichtern würde, will die Krankenkasse nicht übernehmen. Eingestuft ist Judith Braun in die geringste Pflegestufe. Der Papierkrieg mit den Behörden macht den beiden zu schaffen und Lehmann wünscht sich, dass pflegende Angehörige in Deutschland deutlich entlastet werden würden und Privat- und gesetzlich Versicherte gleich behandelt werden. Lehmann hat unsere Redaktion kontaktiert, weil er sich wünscht, dass sich die Bedingungen für pflegende Angehörige verbessern.

Am Ende unserer Dreharbeiten passiert dann etwas Unvorhersehbares. Reporterin Fabricia Josten versucht, eine Stellungnahme von der Krankenkasse einzuholen. Die Reaktion der Kasse überrascht alle Beteiligten.

Quelle: n-tv.de