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Volker Jacobs kommentiertAtomarer Vertrauensschaden

10.07.2007, 13:03 Uhr

Die Energiekonzerne setzen sich seit Jahren für längere Laufzeiten ihrer Kernkraftwerke ein. Doch der Schaden durch die Störfälle in Krümmel und Brunsbüttel ist gewaltig.

Von Volker Jacobs

Der Schaden ist gewaltig. Es ist ein atomarer Vertrauensschaden. Dass nun geprüft wird, ob Vattenfall als Betreiber der Kernkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel die vom Gesetz geforderte Zuverlässigkeit besitzt, ist unerlässlich. Dass der Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer nach dem Staatsanwalt ruft, ist jedenfalls nicht abwegig. Im schlimmsten Fall kann einem der großen deutschen Stromerzeuger die Erlaubnis zum Betreiben von Kernkraftwerken entzogen werden. Für das Unternehmen wäre dies der ökonomische Gau. Für die ganze Atomwirtschaft eine mittlere Katastrophe.

Offenkundig hat das Unternehmen die Behörden nicht sogleich über das ganze Ausmaß der Schäden unterrichtet. Dies ist der erste Störfall, und er ist gravierend genug. Nunmehr äußern Fachleute den Verdacht, dass die Bedienungsmannschaften nicht angemessen reagiert haben. Dies ist der zweite Störfall, und er ist noch gravierender. Störungen sind in technischen Anlagen von der Komplexität eines Atomkraftwerks nie auszuschließen. Deshalb ist es so wichtig, dass die Techniker wissen, was sie zu tun haben. Dafür ist in Krümmel und Brunsbüttel dasselbe Unternehmen verantwortlich, welches im vergangenen Jahr in Schweden einen Störfall zunächst herunterspielte, dann aber fehlerhaftes Verhalten des Bedienungspersonals eingestehen musste.

Seit Jahren preisen die Energiekonzerne die Zuverlässigkeit der deutschen Anlagen, um mit diesem Argument für eine Verlängerung der Laufzeiten zu werben. Vattenfall hat gezeigt, wie ein Unternehmen seine Argumente durch eigenes Verhalten entwertet. Es ist schon erstaunlich. Die Kraftwerksbetreiber unterhalten große Stäbe für Öffentlichkeitsarbeit. Dass sie auf ein Mindestvertrauen in der Öffentlichkeit angewiesen sind, und dass Vertrauen eine Mindestmass ab Offenheit voraussetzt, hat sich zumindest bei Vattenfall der Firmenleitung offensichtlich noch nicht erschlossen.