Politik
(Foto: imago/UPI Photo)
Mittwoch, 11. Oktober 2017

Trumps IQ-Streit mit Tillerson: Der Witz im Weißen Haus

Ein Kommentar von Hubertus Volmer

Dass US-Präsident Donald Trump sich für brillant und hochintelligent hält, ist bekannt. Selbst Parteifreunde dagegen halten ihn offenbar für hochgefährlich. Sie haben recht.

Knapp ein Jahr nach der Präsidentschaftswahl in den USA ist das Weiße Haus auf dem Niveau der republikanischen Vorwahlen angekommen. Damals nannte Donald Trump seine Mitbewerber für die Präsidentschaftskandidatur "Klein-Marco", "Lügen-Ted" oder "Niedrig-Energie-Jeb". Es funktionierte, nach und nach schieden sie aus.

Jetzt hat es den republikanischen Senator Bob Corker erwischt. Er hatte auf Twitter geschrieben, das Weiße Haus sei zu einer Kindertagesstätte für Erwachsene geworden. Ihn nannte Trump daraufhin "Liddle Bob Corker". Zudem warf er dem Senator vor, er habe sich reinlegen lassen, weil er nicht gemerkt habe, dass ein Journalist der "New York Times" ein Gespräch mit ihm aufgezeichnet hatte. Völliger Unsinn: Es war ein Telefoninterview, das, wie es üblich ist, aufgenommen wurde. Corker hatte den Reporter sogar ausdrücklich darum gebeten.

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Ausgerechnet dieser Mann, der vermutlich häufiger die Unwahrheit sagt, als er die Socken wechselt, hat seinen Außenminister Rex Tillerson zu einem IQ-Wettstreit herausgefordert. Über Berichte, Tillerson habe ihn einen "Trottel" genannt, sagte Trump der Zeitschrift "Forbes", er glaube, das sei "Fake News", aber wenn Tillerson dies wirklich gesagt habe, "dann werden wir, glaube ich, IQ-Tests vergleichen müssen. Und ich kann Ihnen sagen, wer da gewinnen wird".

Nachdem die "Forbes"-Geschichte erschienen war, erklärte Trumps Sprecherin Sarah Sanders in einem Briefing im Weißen Haus, die Journalisten hätten den Präsidenten nicht richtig verstanden. "Er hat einen Witz gemacht. Vielleicht solltet ihr euch mal einen Sinn für Humor zulegen. Er hat einfach nur einen Witz gemacht."

Ein IQ-Tester würde verzweifeln

Das kann man glauben oder auch nicht. CNN-Reporter Jim Acosta sagte, er habe erfahren, dass Trump ernsthaft wütend auf Tillerson gewesen sei (das Wort, das Acosta benutzte, lautet "pissed"). Auch intern habe Trump über einen IQ-Vergleich mit dem Außenminister gesprochen. Tatsächlich ist Trump so besessen von seiner angeblichen Intelligenz, dass "Trottel" für ihn eine der schlimmsten Beleidigungen sein muss. "Vertraut mir, ich bin schlau", sagte er im Januar bei seinem Antrittsbesuch bei der CIA. Im vergangenen Jahr forderte er den Bürgermeister von London zu einem IQ-Test heraus. 2015 sagte er den legendären Satz: "Ich kenne Wörter, ich habe die besten Wörter."

Sollte Trump sich tatsächlich einem Intelligenztest unterziehen, liefe es vermutlich ab, wie es der Kolumnist Dana Milbank in der "Washington Post" beschrieben hat: Ein CIA-Agent würde zunehmend verzweifelt versuchen, Trump Aufgaben zu stellen, die dieser nicht lösen, sondern mit Angebereien oder Attacken beantworten würde. "Wenn eine Rakete mit fünf Meilen pro Sekunde Richtung Osten fliegt und eine zweite Rakete …", fängt der CIA-Vertreter in dem wohl nur teilweise satirisch gemeinten Text an. Trump unterbricht ihn: "Das wird nicht passieren. Ich werde Feuer und Verdammnis auf Rocket-Man regnen lassen, wie die Welt es noch nie gesehen hat."

Trump hat sich wirklich so über Nordkorea geäußert. Bei einem Auftritt von der UN-Vollversammlung in New York im September drohte er zudem damit, Nordkorea "total zu zerstören". Den nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un nannte er "Rocket Man". Sein Stabschef John Kelly wurde während dieser Rede fotografiert, wie er sich an den Kopf fasste. Aus Müdigkeit oder weil er sich für den Präsidenten schämte? Man weiß es nicht.

Würden die "Erwachsenen" Trump den "nuclear football" entreißen?

Leute wie Kelly, Tillerson und Verteidigungsminister James Mattis werden von den liberalen Medien in den USA als "Erwachsene" bezeichnet, deren Aufgabe es sei, auf Trump aufzupassen. Deshalb verglich Senator Corker das Weiße Haus mit einer Betreuungseinrichtung. Das mit dem Aufpassen klappt leider nicht so gut. Bei einem Besuch in China Ende September erklärte Tillerson, die USA hätten eine direkte Kommunikation mit Nordkorea aufgebaut. "Wir können mit ihnen reden", sagte Tillerson. "Wir reden mit ihnen." Das klingt sinnvoll, es klingt nach einem intelligenten Plan. Was Kim Jong Un mutmaßlich will, ist eine Garantie der USA, dass sie ihn und sein Regime nicht beseitigen werden. Solange er die nicht hat, ist sein Atomprogramm für ihn die beste Lebensversicherung.

Und was machte Trump? Am folgenden Tag verkündete er auf Twitter, Tillerson verschwende seine Zeit mit "Little Rocket Man". Die USA würden "machen, was gemacht werden muss". Vermutlich ist Trumps Aufmerksamkeitsspanne zu kurz für langwierige und komplexe Verhandlungen.

Der Journalist Gabriel Sherman berichtete gerade im Sender MSNBC von einer Unterhaltung, die er "mit einem sehr bekannten Republikaner" gehabt habe. Der habe gesagt, er spreche mit Parteifreunden darüber, was wohl passieren würde, wenn Trump sich den "nuclear football" greifen würde. Mit diesem Begriff wird der Aktenkoffer bezeichnet, mit dem der US-Präsident den Einsatz von Atomwaffen autorisieren kann. Besagter Republikaner habe gesagt, so Sherman, er stelle sich vor, wie Mattis und Kelly dann Trump physisch attackieren würden, um ihn zu stoppen.

Bislang haben sich die weitaus meisten Republikaner Trump vollkommen ergeben. Sie haben Angst davor, dass er seine und ihre Wähler gegen sie aufhetzt. Shermans Geschichte zeigt, dass die Regierungspartei in den USA hofft, dass ihr eigener Präsident von seinen Leuten daran gehindert wird, die allerdümmsten Entscheidungen zu treffen. So war es schon im Wahlkampf: Nachdem Trump die Vorwahlen gewonnen hatte, redeten die Republikaner sich ein, dass Trump sich nun mäßigen würde. Das tat er nicht, stattdessen erfand er für seine Gegenkandidatin das Schimpfwort "Crooked Hillary", betrügerische Hillary. Auch das funktionierte. Trump lebt nicht nur in seiner eigenen Realität, er erschafft sie immer wieder selbst. Wer mag, kann das intelligent nennen. Es ist jedoch vor allem gefährlich.

Quelle: n-tv.de

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