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Russische Raketen für Athen: Der alte griechische Wahnsinn

Ein Kommentar von Hubertus Volmer

Griechenland ist so gut wie pleite, will aber Luftabwehr-Raketen kaufen - in Russland. Eine dümmere Politik ist kaum vorstellbar.

Griechenlands Verteidigungsminister Panos Kammenos in Moskau.
Griechenlands Verteidigungsminister Panos Kammenos in Moskau.(Foto: dpa)

Mitten in der schwersten Krise zwischen der Europäischen Union und Russland kündigt der griechische Verteidigungsminister in Moskau an, russische Raketen kaufen zu wollen. Seit den neunziger Jahren hat Griechenland russische Luftabwehrsysteme vom Typ S-300. Die sollen modernisiert werden. Ausgerechnet jetzt.

Doch der Deal ist nicht nur ein Affront gegen die griechischen Verbündeten in Nato und EU. Verteidigungsminister Kammenos scheint vergessen zu haben, dass seinem Land die Zahlungsunfähigkeit und damit der Austritt aus dem Euro droht. In dieser Situation auch nur darüber nachzudenken, Geld für Raketen auszugeben, ist politischer Irrsinn.

Mit dem angestrebten Rüstungsdeal signalisiert die griechische Links-Rechts-Koalition, dass sie vom selben Schlag ist wie frühere griechische Regierungen, die Milliarden für Rüstungsgeschäfte aus dem Fenster geworfen haben. Zwischen 2003 und 2007 stand das kleine Griechenland auf Platz vier der weltweit größten Waffenimporteure. Erst die Finanzkrise bremste den Kaufrausch: Zwischen 2008 und 2012 fiel das Land auf Platz 15 zurück.

Deutschland verdiente natürlich prächtig an den griechischen Militärgeschäften: Bis 2010 war Griechenland das wichtigste Empfängerland für deutsche Rüstungsexporte. Noch nach Beginn der griechischen Finanzkrise, als Renten und Löhne bereits gekürzt wurden, drängte die Bundesregierung Athen zum Kauf von weiteren U-Booten. Bei solchen Geschäften wurden griechische Regierungsbeamte und Militärs kräftig geschmiert. Eigentlich hatte die neue griechische Regierung hier einen Kurswechsel vollziehen wollen: Die Schuldigen, die zum Teil in Deutschland sitzen, sollen etwa juristisch belangt werden.

Durch den von Kammenos angekündigten Deal wird dieser Kurswechsel völlig unglaubwürdig. Über exakte Summen wurde in Moskau nichts bekannt. Aber das Signal, das Griechenland aussendet, ist deutlich genug. Kammenos machte gar keinen Hehl daraus: Griechenland wolle in der EU "alle Anstrengungen" unternehmen, um zu erreichen, dass die Sanktionen gegen Russland aufgehoben werden, erklärte der Rechtsnationalist. Das klingt, als stehe Athen mit einem Bein bereits nicht mehr in Europa.

Der Fairness halber sei betont: Es war verständlich, dass die griechische Regierung nach der Wahl im Januar einen selbstbewussteren Ton anschlug - die Griechen hatten einfach die Nase voll von der Bevormundung durch EU und IWF. Aber langsam wäre es an der Zeit, sich wieder zu beruhigen. Stattdessen will Kammenos Raketen kaufen. Armes Griechenland.

Quelle: n-tv.de

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