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1980 reichte Annette Schavan ihre Dissertation an der Philosophischen Fakultät der Uni Düsseldorf ein.
1980 reichte Annette Schavan ihre Dissertation an der Philosophischen Fakultät der Uni Düsseldorf ein.(Foto: dapd)

Plagiatsvorwürfe gegen Schavan: Die Entscheidung fällt in Düsseldorf

Ein Kommentar von Hubertus Volmer

Bildungsministerin Schavan weist alle Plagiatsvorwürfe kategorisch zurück. Der Gutachter ihrer früheren Universität scheint allerdings zu einem ganz anderen Schluss zu kommen. Dennoch sind Rücktrittsforderungen verfrüht - und am Ende wohl auch unnötig.

Die eine Frage, die jetzt alle stellen, lautet: Muss Annette Schavan zurücktreten? Dabei sollte die Frage eigentlich lauten: Hat sie bei ihrer Dissertation getäuscht?

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Die Antwort darauf liegt auf der Hand: Wir wissen es nicht, noch nicht. Im "Spiegel" und in der "Süddeutschen Zeitung" fanden sich zwar Zitate aus einem Gutachten des Düsseldorfer Gutachters Stefan Rohrbacher, die Schavan gar nicht gut aussehen lassen. Demnach heißt es darin: "Eine leitende Täuschungsabsicht ist nicht nur angesichts der allgemeinen Muster des Gesamtbildes, sondern auch aufgrund der spezifischen Merkmale einer signifikanten Mehrzahl von Befundstellen zu konstatieren."

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Doch noch ist nicht klar, wie die Entscheidung der Düsseldorfer Hochschule am Ende aussehen wird. Rohrbacher ist Prodekan des Instituts für Jüdische Studien der Heinrich-Heine-Universität, man darf annehmen, dass er qualifiziert ist, nicht nur Schavans Arbeit zu prüfen, sondern sie auch richtig einzuordnen. Denn die Dissertation ist 32 Jahre alt. Dies gilt es zu berücksichtigen, wenn untersucht wird, ob Schavan schlampig gearbeitet oder aber bewusst getäuscht hat.

Geprüft wird die Dissertation bereits seit mehreren Monaten, an diesem Mittwoch tagt der Promotionsausschuss. Von ihm hängt das Urteil ab. "Die Ministerin hat mein vollstes Vertrauen", sagt Bundeskanzlerin Angela Merkel einstweilen. Und: "Wir warten einfach die Reaktion der Universität ab."

So ist es. Allerdings spricht nichts dagegen, mögliche Szenarien durchzuspielen. Zwei sind denkbar: Die Kommission entzieht Schavan den Doktortitel nicht. Schavan dürfte dann, auch wenn ihre Dissertation offenbar erhebliche Mängel aufweist, den Doktortitel weiter führen und Ministerin bleiben.

Die wahrscheinlichere Variante

Denkbar ist auch, dass die Düsseldorfer Universität Schavan den Doktortitel aberkennt. Angesichts des Rohrbacher-Zitats erscheint dies derzeit nicht ganz unwahrscheinlich. Kann Schavan dann Ministerin bleiben?

Wohl nicht. Dies liegt nicht nur daran, dass sie dann der bewussten Täuschung überführt wäre. Zwei Gründe sind wichtiger. Nummer eins: Schavan hatte im Fall des früheren Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg zunächst Partei für ihren Ministerkollegen ergriffen. Als dies bei Wissenschaftlern für Unmut sorgte, sagte sie, sie schäme sich "nicht nur heimlich" für das Debakel um Guttenbergs Doktorarbeit. Dies wäre im Fall der Fälle auch ihre Messlatte.

Grund Nummer zwei: Schavan ist nicht irgendeine Ministerin, sie ist zuständig für Bildung und Forschung. Zwar ist richtig, dass jede Straftat außer Mord längst verjährt wäre. Doch ist ein Rücktritt nie Strafe, sondern immer nur Folge von Umständen. Eine Bildungsministerin, die bei ihrer Promotion gemogelt hat, wäre einfach nicht vermittelbar.

Es gibt noch einen dritten Grund. Bislang räumt Schavan nur kleinere Fehler ein. "Ich habe sorgfältig gearbeitet. Hier und da hätte man auch noch sorgfältiger formulieren können." Und sie sagt, sie glaube, dass von den Vorwürfen nichts übrig bleibe. Sollte der Promotionsausschuss den Daumen senken, stünde sie mit diesen Aussagen zumindest als Verdrängerin da.

Dennoch sind Rücktrittsforderungen nicht nur verfrüht, sondern vermutlich auch unnötig. Sollte Schavan ihren Doktortitel verlieren, träte sie wohl von sich aus zurück.

Quelle: n-tv.de

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