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ZwischenrufDie Opfer harren einer Antwort

02.04.2010, 10:41 Uhr
imageManfred Bleskin

Das Fest der Auferstehung bietet dem Papst Gelegenheiten für eine klare Absage an die dunklen Seiten priesterlichen Wirkens. Die ersten hat Joseph Ratzinger vertan.

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Bisher äußerte sich Benedikt XVI. nur zu den Missbrauchsfällen in Irland. (Foto: dpa)

Die Wurzeln der Beständigkeit des Christentums liegen in seiner Fähigkeit, sich immer wieder zu erneuern. Der Glaube gibt Millionen von Menschen halt. Für diese stellt ihre Religion einen unschätzbaren Wert dar. Für den römischen Katholizismus gilt im Sinne von Johannes 14, 6, dass schlussendlich niemand zum Vater findet denn durch den Papa, den Papst.

In diesen Tagen ist die Weltkirche schweren Prüfungen ausgesetzt. Immer mehr Fälle von Missbrauch und Misshandlung Schutzbefohlener durch Priester in immer mehr Ländern kommen ans Tageslicht. Allein die Verbrechen in Irland waren Benedikt XVI. eine öffentliche Stellungnahme wert. Doch die Opfer in Deutschland, Österreich und der Schweiz harren ebenso einer Antwort. Die Vaticanisti, die Vatikanbeobachter von Berufs wegen, befürchten, dass künftig auch in Polen, Spanien und weiteren Ländern Missbrauchsfälle öffentlich thematisiert werden.

Das Fest der Auferstehung bietet dem Stellvertreter Jesu Christi zahlreiche Gelegenheiten für eine klare Absage an diese dunklen Seiten priesterlichen Wirkens. Die ersten hat Joseph Ratzinger bei der Chrisam- wie bei der Abendmahlmesse am Gründonnerstag vertan. Statt die Zerstörung zahlreicher Biographien Lebender anzuprangern, wandte sich das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche mit seiner abermaligen scharfen Kritik an der "Vernichtung ungeborenen Lebens" einem seiner Lieblingsthemen zu. Doch nicht die Abtreibung hat seine Kirche in eine "tiefe Krise" gestürzt, wie Kardinal Lehmann den Zustand beschreibt, sondern der widerwärtige, kriminelle Umgang mit Hilflosen. Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen Geist (Psalm 51,12), heißt es. Die letzte Gelegenheit im Triduum Sacrum bietet sich am Ostersonntag, wenn der Papst dem Erdkreis und der Stadt Rom seinen Segen erteilt. Andernfalls setzt der "Diener im Weinberg des Herrn" die Axt an die Wurzeln der Beständigkeit des Papsttums und riskiert, dass sich die Gläubigen andere Wege zum Vater suchen denn durch ihn. Hebt den Stein auf, und ihr werdet mich dort finden (EvThom 77, 3), steht im Thomasevangelium.

Manfred Bleskin kommentiert seit 1993 für n-tv das politische Geschehen. Er war zudem Gastgeber und Moderator verschiedener Sendungen. Seit 2008 ist Bleskin Redaktionsmitglied in unserem Hauptstadtstudio in Berlin.