Politik
In der Schusslinie: Karl-Theodor zu Guttenberg.
In der Schusslinie: Karl-Theodor zu Guttenberg.(Foto: dpa)
Mittwoch, 16. Februar 2011

"Summa cum fraude"?: Ein Kanzler betrügt nicht

ein Kommentar von Roland Peters

Karl-Theodor zu Guttenberg hat betrogen und Teile seiner Doktorarbeit abgeschrieben. Das ist offensichtlich. Für die CSU, die von einem kommenden Bundeskanzler träumt, ist das ein Desaster. Und für die Glaubwürdigkeit der Politik ein herber Schlag.

Abschreiben ist nicht schlimm, solange man angibt, woher der Text kommt. Besonders im Wissenschaftsbetrieb, denn hier geht es um Erkenntnisgewinn, um Fortschritt. Als Mann des Fortschritts gilt auch Karl-Theodor zu Guttenberg; als Minister der Tat, als Bundeskanzler der Zukunft. Schier astronomisch hohe Beliebtheitswerte in der Bevölkerung sorgen dafür, dass für die amtierende Regierungschefin Angela Merkel der schnittige CSU-Mann politisch gefährlicher erscheint als jeglicher SPD-Kandidat.

Politik ist ein Geschäft der Glaubwürdigkeit. Ist einer Person nicht zu trauen, hat sie keine Lobby. Weder bei Parteikollegen noch bei möglichen Koalitionspartnern, vor allem nicht in der Bevölkerung. Und die ist entscheidend. Denn Politiker füllen in der Gesellschaft eine Vorbildfunktion aus: Sie sollen zeigen, dass klare Argumentation, Position und Diskussion zu Kompromissen führen, die neben dem Allgemeinwohl auch dem Streitenden Erfolg bringen können. Guttenberg hat eben dies so beliebt gemacht. Dass er seinen Doktortitel offenbar mit nicht lauteren Mitteln erlangt hat, wiegt schwer.

"Mit größtem Betrug"

Die umstrittene Dissertationsschrift: Vieles hat der Minister offenbar abgeschrieben.
Die umstrittene Dissertationsschrift: Vieles hat der Minister offenbar abgeschrieben.(Foto: dpa)

Der Enddreißiger hat für seine Dissertation an der Universität Bayreuth im Jahr 2007 ein "summa cum laude" erhalten, die höchstmögliche Wertung. Die Einleitung hat er jedoch bei der FAZ abgeschrieben. Dort hat der Leser Hermann F. Sack die Nachricht mit "summa cum fraude" kommentiert, veröffentlicht am 16. Februar um 15.27 Uhr. Frei übersetzt heißt das: "mit größtem Betrug". Diese Angabe hätten wir auch unterschlagen können. Aber wir arbeiten nicht mit Fußnoten.

Abseits der Seitenhiebe, in der Hauptsache, muss dies wiederholt werden: Was Guttenberg getan hat, ist Betrug. Und vorsätzliche Täuschung. Seine Behauptung, er könne gerne die Fußnoten nachreichen, sind eine unverschämte Reaktion, die alle Wissenschaftler und auch Wähler von oben herab verhöhnt. Das ist so, also wenn ein Dieb sagt, er könne gestohlenes Hab und Gut wieder zurückgeben, um so den Konsequenzen seines Handelns zu entgehen. Dass Guttenberg angibt, dass er alleine für die "475 Seiten" verantwortlich sei, macht seine flapsige Reaktion nicht besser.

Die Plagiatsvorwürfe erinnern die Wähler daran, warum sie sich von der Politik so häufig verschaukelt fühlen. Menschen wollen mit ehrlicher Arbeit beruflichen Erfolg erreichen. Wenn aber die, die über die Rahmenbedingungen entscheiden, nicht mehr glaubwürdig sind? Dann sollten sie nicht gewählt werden. Denn wer betrügt, darf kein Kanzler werden.

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Quelle: n-tv.de

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