Linken-Basis zeigt ZähneGysis Desaster
Die Linken werden ihr Führungsproblem nicht los. Nun sollen die Mitglieder über eine Doppelspitze entscheiden. Es ist eine empfindliche Schlappe für die Parteispitze.
Wer geglaubt hat, die Linke hätte ihr Führungsproblem gelöst, wird eines Besseren belehrt. Die Parteibasis wehrt sich gegen die ihr von der Funktionärsschicht vor die Nase gesetzte Personalentscheidung für die neue Spitze.
Acht Landesverbände wollen die Mitglieder entscheiden lassen, ob es für die Nachfolge von Oskar Lafontaine und Lothar Bisky überhaupt eine Doppelspitze geben soll. Sie sollen noch vor dem im Mai stattfindenden Rostocker Parteitag darüber entscheiden. Der Konvent scheint ein heißer zu werden.
Damit ist äußerst fraglich, ob die Berlinerin Gesine Lötzsch und der Bayer Klaus Ernst die Linke in die neue Zeit führen werden. Von beiden hat Lötzsch die besseren Karten, denn hinter ihr stehen die starken Ostverbände. Bei Ernst sieht die Sache anders aus: Die ostdeutschen Mitglieder, die sich zum größten Teil noch aus der SED rekrutieren, fremdeln mit dem ehemaligen Gewerkschaftsfunktionär und SPD-Mitglied. Sein rigoroses innerparteiliches Auftreten und seine - ganz wie Lafontaine - kompromisslose Haltung gegenüber der Sozialdemokratie stößt die Ostler ab.
In den Landesverbänden der neuen Bundesländer und Berlins hat nämlich Pragmatismus Einzug gehalten. Sie haben begriffen, dass die Linke ihre politischen Ziele nur im Zusammengehen mit der SPD umsetzen kann. Ausdruck dessen sind die rot-roten Koalitionen in der Bundeshauptstadt und in Brandenburg - Zweckbündnisse, die Lafontaine und Ernst ein Dorn im Auge sind.
Der große Verlierer des Beschlusses der Landesverbände ist aber Gregor Gysi. Unter seiner Führung ist dieses komplizierte Führungskonstrukt, das zudem eine stellvertretende Parteichefin Sahra Wagenknecht und ein Geschäftsführer-Duo mit einschließt, in einer Nacht-und-Nebel-Aktion entstanden. Es ist ein Zeichen des Machtverfalls des Fraktionschefs, dass die mittleren und unteren Ebenen der Partei sich dieses nicht aufzwingen lassen wollen. Gysis politischer Stern beginnt zu sinken.