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ZwischenrufHochmut vor dem Fall?

15.03.2010, 13:46 Uhr
imageManfred Bleskin
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Am Wahlabend hatte die UMP nichts zu lachen. (Foto: dpa)

Seine Politik sei gut, die Franzosen verstünden sie aber nicht, tönte Sarkozy hochmütig kürzlich vor laufenden Fernsehkameras. Offensichtlich ist das Gegenteil der Fall.

Der Verlierer der französischen Regionalwahlen heißt Nicolas Sarkozy. Sicher: Ortsbezogene Urnengänge haben einen spezifischen Charakter. Doch auch der Präsident weiß, dass regionale Wahlen keineswegs nur, wie er sagt, regionale Folgen haben werden. Die Haltung an der regionalen Urne widerspiegelt zugleich, wenn auch nicht linear, eine politische Grundstimmung. Eine Mehrheit der Franzosen ist eine Politik leid, die die sozialen Belastungen vergrößert. Auch der bis an die Grenze der Lächerlichkeit reichenden Eskapaden ist sie überdrüssig. Günstlingswirtschaft tut ihr Übriges. Ebenso wie der juristische Kleinkrieg gegen seinen innerparteilichen Rivalen Dominique de Villepin. Die Beteiligung am Krieg in Afghanistan verliert weiter an Zustimmung.

Seine Politik sei gut, die Franzosen verstünden sie aber nicht, tönte Sarkozy hochmütig kürzlich vor laufenden Fernsehkameras. Offensichtlich ist das Gegenteil der Fall. Da half auch ein ausführliches Interview unmittelbar vor dem Urnengang nichts. Der "Figaro" hatte das Gespräch bezeichnenderweise "Was wollen die Franzosen?" getitelt. Was sie wollen, haben sie am Sonntag gezeigt. Die Sozialisten des PS sind nach schweren Flügelkämpfen wieder stärkste politische Formation. Die Linke aus PS, Grünen, Kommunisten, Linkspartei und Neo-Trotzkisten kommt in der ersten Runde auf 53 Prozent, der bürgerliche Block auf knapp 39 Prozent. Dies ist eine gute Voraussetzung für einen linken Sieg in allen 26 Départements in sieben Tagen.

Sarkozys UMP kann sich selbst dann kaum mehr berappeln, wenn sie um die Stimmen der rechtsradikalen Front Nationale wirbt. Deren Anteil von zwölf Prozent ist ein Warnsignal. Die von Sarkozy angestoßene Debatte über die nationale Identität der Franzosen mit ihren unterschwellig ausländerfeindlichen Zügen trieb Früchte, die nicht an seinem Baum wachsen.

Beängstigend ist die extrem niedrige Wahlbeteiligung. Fast 54 Prozent der Wähler blieb den Urnen fern. Ein historischer Tiefststand. Das Mutterland der modernen Demokratie hat Besseres verdient. Der kommende Sonntag bietet Gelegenheit dazu.

Manfred Bleskin kommentiert seit 1993 für n-tv das politische Geschehen. Er war zudem Gastgeber und Moderator verschiedener Sendungen. Seit 2008 ist Bleskin Redaktionsmitglied in unserem Hauptstadtstudio in Berlin.