ZwischenrufSarkozy: Die Fanfaren von Davos
Bei Sarkozy wird die Bouillabaisse bei weitem nicht so heiß gegessen wie sie gekocht wird. Mit seinem Fanfarenstoß sorgt der Quirl aus dem Elysée aber für Aufregung in der Finanzwelt.
In den vergangenen Jahren war das Weltwirtschaftsforum in Davos zu einem Treffen der hochkarätigen Schwafler verkommen. Wer Konsequenzen aus den wohl tönenden Reden erwartete, sah sich enttäuscht. Das könnte sich nach dem Auftritt des französischen Staatspräsidenten ändern.
Mit seiner Ankündigung, die Macht der Banken brechen zu wollen, sorgt der Quirl aus dem Elysée für Aufregung in der Welt von Hedge Fonds und Private Equity. Gewicht erhält die Ankündigung auch durch Sarkozys ausdrückliches Bekenntnis zum Trompetenstoß seines US-amerikanischen Amtskollegen. Barack Obama hatte angekündigt, den Zockern jene Geschäfte verbieten zu wollen, die 2008 zur schlimmsten Finanzkrise seit Jahrzehnten geführt hatte. Das klassische Bankgeschäft soll vom risikoträchtigen Investmentbanking abgetrennt werden. Damit will Obama - wie Sarkozy - verhindern, dass Finanzinstitute so "systemrelevant" werden, dass der Staat ihnen auf Kosten der Steuerzahler Milliardenbeträge zuschustert.
Nun wird bei Sarkozy die Bouillabaisse bei weitem nicht so heiß gegessen wie sie gekocht wird. Aber er wird wie der Mann im Weißen Haus von innenpolitischen Zwängen getrieben. Sarkozy hat schon in der Vergangenheit bei der Linken Themen abgekupfert, bei deren Umsetzung es dann haperte. Der ultimative Warnschuss für Obama kam mit der Niederlage seiner Kandidatin für den Gouverneursposten der demokratischen Bastion Massachusetts; Sarkozy hat schon eine ganze Salve von Warnschüssen über sich ergehen lassen müssen: Der große Knall kam mit dem Richterspruch, der seinen konservativen Erzrivalen Dominique de Villepin vom Vorwurf des Rufmords an Sarkozy in der sogenannten Clearstreamaffäre entlastete. Dies … bei allem Respekt vor der Gewaltenteilung im Land des Sturms auf die Bastille, denn Sarkozy Vorstoß erfolgte, bevor das Urteil offiziell verkündet wurde.
Sollte es gelingen, die Fanfaren aus dem schweizerischen Kurort und der US-amerikanischen Hauptstadt zu Posaunen der G20 zu machen, würden die Burgmauern der Heuschrecken zwar nicht einstürzen, aber ihnen würden endlich Flötentöne beigebracht.
Manfred Bleskin kommentiert seit 1993 für n-tv das politische Geschehen. Er war zudem Gastgeber und Moderator verschiedener Sendungen. Seit 2008 ist Bleskin Redaktionsmitglied in unserem Hauptstadtstudio in Berlin.