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Zwischenruf Sarkozy: Schönfärberei à l'Oréal

13.07.2010, 14:56 Uhr
imageManfred Bleskin
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Sarkozy beim gut einstündigen Interview zur besten Sendezeit. (Foto: REUTERS)

Sarkozy ist ein Meister der Rhetorik. Doch es nützt nichts: Sein System gerät ins Wanken, ein System, das auf Vetternwirtschaft, Kungelei, Aktionismus und Demagogie setzt.

Das Gefälligkeitsinterview des Staatssenders France 2 mit Staatschef Nicholas Sarkozys im Garten des Elysée-Palastes war eine perfekte Inszenierung. Nett, fast so, wie man es von "Zur Sache, Kanzler" hierzulande kannte. Am Ende stand ein Saubermann, der nichts anderes im Kopf hat denn das Wohl seines Volkes, dem aber obskure Dunkelmänner am Zeug flicken wollten. Verwicklung in den Parteispenden-Skandal um Lilian Bettencourt, die Milliardenerbin des Kosmetikgiganten L’Oréal, dessen Gründer Eugène Schueller dereinst das erste synthetische Haarfärbemittel erfunden und es "Auréole", Glorienschein, genannt hatte? Verleumdung, so wie sich auch seine Eheprobleme als Verleumdung erwiesen hätten. Erwiesen hätten? Nichts ist erwiesen, außer, dass der Sonnenkönig die Vorwürfe zurückwies, er habe als vormaliger Bürgermeister des Pariser Millionärsvorortes Neuilly-sur-Seine einen Geldumschlag von der Schueller-Tochter Lilian erhalten. Sarkozy ist ein Meister der Rhetorik.

Wenn der gleichfalls der Annahme von illegalen Spenden beschuldigte Eric Woerth jetzt sein Amt als Schatzmeister der Regierungspartei UMP aufgibt, dann ist das nicht einmal ein Bauernopfer: Der Sarkozy-Spezi bleibt Arbeitsminister. Regierungsumbildung … erst im Herbst. Sarkozys Popularität ist im Keller. Noch vor dem Interview taten knapp zwei Drittel der Wähler kund, mit ihrem Präsidenten unzufrieden zu sein. Der heiße Herbst, von dem in Deutschland noch geredet wird, hat bei unseren Nachbarn schon begonnen. Freilich werden auch noch so große Massenaktionen Sarkozy nicht zu Fall bringen. Er ist aber diskreditiert wie kaum ein anderer Präsident der Fünften Republik. Dies macht ihn künftig noch unberechenbarer. Auch auf außen- und europapolitischer Ebene. Angela Merkel wird an ihrem Pariser Partner noch mehr Freude haben als bisher.

Sarkozys korruptem Vorgänger Jacques Chirac war es wenigstens gelungen, sich nach außen als Biedermann zu präsentieren. Erst nach seinem Abgang schlugen die Wellen über ihm zusammen. Nach Beendigung seiner Amtszeit wird Sarkozy den Ratschlag von Papa beherzigen und nicht ein weiteres Mal kandidieren. Umso mehr, als ihm mit seinem Erzfeind Dominique de Villepin und dessen neuer Partei République Solidaire ein ernstzunehmender Gegner im eigenen postgaullistischen Lager erwachsen ist.

Nach 2012 werden wir dann analog zu Chirac mit der Realität konfrontiert: Das System Sarkozy war ein Gebilde aus Vetternwirtschaft, Kungelei, Druckausübung auf Zeugen und Justiz, Aktionismus und Demagogie, das sich mit Milliardärsgeldern einen Glorienschein verschaffen wollte. Sarkozy wird dann getreu seiner Devise sagen, er habe versucht, ein ehrlicher Mann zu sein und die Wahrheit zu sagen. Jedenfalls die seinige.

Manfred Bleskin kommentiert seit 1993 für n-tv das politische Geschehen. Er war zudem Gastgeber und Moderator verschiedener Sendungen. Seit 2008 ist Bleskin Redaktionsmitglied in unserem Hauptstadtstudio in Berlin.