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ZwischenrufSchön und überflüssig

04.01.2010, 17:36 Uhr
imageManfred Bleskin
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Ausdruck des Erfolgsstrebens der Wirtschaftszone: Der Burj Dubai. (Foto: dpa)

Ingenieurtechnisch ist er eine Meisterleistung. Dennoch steht der Burj Dubai für eine Niederlage: Dubais Entwicklungsstrategie ist nicht aufgegangen.

Prachtbauten werden seit altersher errichtet um Macht zu demonstrieren. Die Pyramiden von Gizeh, das Forum Romanum oder der Arc de Triomphe waren jedesmalig Stein gewordener Beweis für einen Überlegenheitsanspruch der Herrscher, welche die Bauten in Auftrag gegeben hatten. Der Burj Dubai steht für eine Niederlage. Dubais Entwicklungsstrategie, die Verknüpfung von Erdöl, Zwischenhandel, Immobilien- und Finanzspekulation plus Tourismus, ist nicht aufgegangen. Auch wenn Herrscher Muhammad bin Rashid Al Maktoum die Kosten das nunmehr höchste Bauwerk der Welt auf geschätzte knapp zwei Milliarden Dollar aus seinem Privatvermögen finanziert haben soll: Ohne die Finanzspritzen in Höhe von zehn Milliarden Dollar aus dem benachbarten Abu Dhabi wäre die Konstruktion nicht beendet worden. So ist das noch aus hundert Kilometern Entfernung sichtbare Gebäude auch Ausdruck Dubais und der anderen Teilstaaten der Vereinigten Arabischen Emirate, keine Zweifel an der Erfolgsträchtigkeit der Wirtschaftszone aufkommen zu lassen.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Der Turm ist eine ingenieurtechnische Meisterleistung. Der Bau ist wie der Triumphbogen an der Pariser Étoile schön anzusehen und doch völlig überflüssig. Der Code Napoléon war bedeutender für die Demokratie in Europa bis hin nach Nord- und Südamerika. Die Erfindung des Rades oder des Buchdrucks hat die Menschheit mehr vorangebracht als alle Weltwunder der Antike zusammengenommen. Dubai hat genug Protzbauten. Und gescheiterte Projekte. Der Bau einer Riesenoper wurde abgesagt, die Bauarbeiten am Al Burj, das seinen kleineren Bruder noch um 83 Meter überragen sollte, unterbrochen. Der Ruler des Emirats wird sich im Glanz des Riesenbauwerks sonnen und als Vater des Vorhabens gelten. Für viele der Bauarbeiter geht die Sonne unter. Sie stammen mehrheitlich aus dem indischen Bundesstaat Kerala, der einen beträchtlichen Teil seiner Einkünfte aus den Geldüberweisungen seiner Arbeitsemigranten bezieht. Immer mehr Arbeitern wird der Vertrag gekündigt. Kerala rutscht in eine sichtbare Krise. Dubais Krise scheint unsichtbar. Brecht lies seinen lesenden Arbeiter fragen, ob Cäsar bei der Eroberung Galliens nicht wenigstens einen Koch dabei hatte und, wer denn die Spesen bezahlte. Heute so viele Fragen wie damals.

Manfred Bleskin kommentiert seit 1993 für n-tv das politische Geschehen. Er war zudem Gastgeber und Moderator verschiedener Sendungen. Seit 2008 ist Bleskin Redaktionsmitglied in unserem Hauptstadtstudio in Berlin.