Kandidat SodannSympathisch aber sehr skurril
Sympathisch ist er ja, aber doch sehr skurril, der Präsidentschaftskandidat der Linken. Wer will, mag sich über Peter Sodann empören. Man muss es nicht.
Sympathisch ist er ja, aber doch sehr skurril, der Präsidentschaftskandidat der Linken. Wer will, mag sich über Peter Sodann empören. Man muss es nicht. Gewiss leistet er keinen Beitrag zur Identifizierung der Bürger mit dem Staatswesen Bundesrepublik, wenn er diesem den Charakter der Demokratie abspricht. Aber auch in der Linken wird ihm schon widersprochen. Welcher Art ist die Republik wohl, für deren höchstes Amt er sich, wenn auch chancenlos, bewirbt?
Bedauerlicherweise hat der Tatort-Kommissar Ehrlicher auf der Polizeischule nicht aufgepasst. Er hätte nie mehr werden dürfen als Obermeister, wenn er Deutschbankier Ackermann verhaften will. Allenfalls eine vorübergehende Festnahme wäre dem Kommissar möglich, und die auch Amtsmissbrauch, wie er selbst erkennt. Zur Verhaftung brauchte er den Haftbefehl des Richters, und der müsste außer einem Tatverdacht auch Verdunkelungs- oder Fluchtgefahr feststellen. Dunkel ist ja manches an den Finanzprodukten, welche die Banken unter die Leute gebracht haben.
Es ist nicht bekannt, ob sich der Kandidat an den Bundespräsidenten Heinrich Lübke erinnert. Dieser ließ sich 1967 vor einem Besuch in Togo den Arm verbinden, weil er dem Präsidenten Eyadema nicht die Hand geben wollte, denn dieser hatte seinen Vorgänger Olympio aus dem Amt geputscht. Als Präsident würde Sodann mit George W. Bush noch nicht einmal reden. Der ist immerhin gewählt. Peter Sodann kann, aber der Bundespräsident kann sich seine Gesprächspartner kaum aussuchen.
Bisweilen sind Kandidaten aufgestellt worden, die nicht in der Politik groß geworden waren. 1984 benannten die Grünen die Schriftstellerin Luise Rinser, 1999 die PDS die Theologin Uta Ranke-Heinemann. In der SPD ist einmal erwogen worden, den Physiker und Philosophen Carl Friedrich von Weizsäcker zu nominieren. Er verzichtete. Auch Horst Köhler hatte nicht Politik als Beruf. Aber er war ihr nahe genug, um die Mechanismen, Zwänge, Abhängigkeiten zu verstehen, denen politisches Handeln unterworfen ist. Außenseiter bergen ein unkalkulierbares Risiko. Die Wahlmänner in der Bundesversammlung haben die Republik nie diesem Risiko ausgesetzt. Sie werden es ja auch diesmal nicht.