Politik
Humor ist immer erlaubt.
Humor ist immer erlaubt.(Foto: Twitter / @bento_de)

Naive Reker?: Viel Hysterie um eine Armlänge

Ein Kommentar von Axel Witte

Was auch immer genau in Köln in der Silvesternacht passiert ist, ist schlimm. Und darf nicht sein. Punkt. Was allerdings daraus auf sozialen Netzwerken und Medien gemacht wird, sollte auch nicht immer sein.

Nichts Genaues weiß man nicht. So weit, so schlecht. Noch schlechter, dass es überhaupt zu Vorfällen wie auf der Kölner Domplatte kommen kann. Doch der Reflex, erst mal in die Tasten zu hauen, ist nicht zielführend. Das zeigt sich auch an der Empörung über die Verhaltenstipps für Frauen von Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker.

Unter dem Hashtag #einearmlaenge machen im Netz Tausende nicht nur humorvoll ihrem Ärger Luft. Über die Vorfälle an sich, die Ermittlungsbehörden, die noch weitestgehend im Dunkeln tappen und eben über Rekers Aussagen, wie man sexuellen Übergriffen aus dem Weg gehen sollte. Schnell wird nun der Vergleich gezogen, dass derartige Hinweise dazu geeignet seien, Frauen per se eine Mitschuld an Übergriffen zu geben. Doch dem ist nicht so.

Zum einen wurde Reker konkret in der Pressekonferenz nach pauschalen Verhaltensweisen gefragt, wie Frauen brenzligen Situationen aus dem Weg gehen können. Zum anderen hat sie sich die daraufhin gegebenen Ratschläge nicht selbst ausgedacht. Und schon gar nicht hat sie damit ihre Geschlechtsgenossinnen zu Mitverantwortlichen an den Schandtaten gemacht. Nein, die Ratschläge sind Allgemeingut und werden auch von Opferverbänden und der Polizei propagiert – und sollten im Übrigen auch von gewaltbedrohten Männern berücksichtigt werden. Das hat nichts mit Beschneidung von Grundrechten zu tun, sondern das gebietet der gesunde Menschenverstand.

Ob die Berücksichtigung der Verhaltenstipps bei den sexuellen und räuberischen Übergriffen hilfreich gewesen wäre, sei dahingestellt. Eine Mitverantwortung der Opfer aus den Aussagen Rekers abzuleiten, ist schlichtweg falsch.

Schon möglich, dass die Kölner Rathauschefin, wenn sie denn ein besserer PR-Profi wäre, auf die Frage differenzierter und einschränkender hätte antworten können. Doch genau darum sollte es hier gar nicht gehen. Sondern um Fakten. Und genau diese sind Mangelware.

Wie man gleichermaßen elegant und geschickt mit der aktuellen Sachlage umgeht, macht ausgerechnet der Boulevard vor. So titelt die B.Z. aus Berlin: So würde die BZ. aussehen, wenn wir dem Internet vertrauen würden – Angriff der Sex-Horden. Daneben ist der Aufmacher folgender: Das sind die Fakten. Hut ab. Clever gelöst.

 

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen