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Zwischenruf: Kritik an ManagernVon guten Worten wird keiner satt

16.07.2012, 13:49 Uhr
imageVon Manfred Bleskin
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Mit seiner Kritik an zu hohen Manager-Gehältern hat Norbert Lammert recht. Er muss aber auch konkrete Schritte vorschlagen. (Foto: dapd)

Die Kritik von Bundestagspräsident Lammert an maßlosen Managergehältern ist nur allzu berechtigt. Allein: Durch gute Worte hat sich noch nie etwas geändert. Von Seiten der Koalition sind keine konkreten Schritte zu erwarten.

Die Kritik des Bundestagspräsidenten Norbert Lammert an den exorbitanten Bezügen von Managern ist gerechtfertigt. Ähnliches hat man aus der Union auch schon früher gehört. Allein: Geändert hat sich nicht nur nichts, sondern: gar nichts. Die Chefs der teilverstaatlichten (!) Commerzbank, die ihrem Untergang nur durch Bundeshilfen in Milliardenhöhe entging, wollen im nächsten Jahr wieder Stellen streichen. Der neunköpfige Vorstand allerdings bleibt unverändert - mitsamt seinen Einkünften. Da werden die Bosse aber zittern, wenn sie die Lammertschen Worte vernehmen. Schon in den zurückliegenden Jahren hatten sich die Bewohner der höheren Etagen trotz ausbleibender Gewinne Zusatzzahlungen genehmigt. Nur allzu oft stimmen Gewerkschaftsvertreter in Aufsichtsräten den Erhöhungen für die Manager zu. Da kann man Unionsfraktionschef Volker Kauder nicht widersprechen.

"In ein Kasperletheater geraten"

Recht hat Lammert auch, wenn er die Erfolge der deutschen Wirtschaft auf die Lohnzurückhaltung der Arbeitnehmer zurückführt. Die Reallöhne in den meisten Berufsgruppen sind seit 1990 zurückgegangen; Gehaltserhöhungen werden vielfach durch Preissteigerungen egalisiert. Regierungsseitige Versprechen, steigende Preise etwa im Energiebereich zu verhindern oder zumindest nachhaltig zu kontrollieren, sind ebenso oft zu hören wie sie nicht eingehalten werden. Verbraucher, denen Lammerts Parteikollege Peter Altmaier rät, sie sollten ihren Energieverbrauch analog zur prozentualen Steigerung der Kosten drosseln, müssen meinen, sie wären in ein Kasperletheater geraten.

Regierung muss Regeln aufstellen

Wenn Lammert moniert, dass es im Management der Eurokrise zu wenig Regeln gibt, bleibt kaum etwas hinzuzufügen. Doch auch hier fragt man sich, warum seine Partei und mit ihr die anderen Koalitionäre keine Regeln aufstellen. Alles auf die vorgeblich mangelnde Bereitschaft anderer EU-Staaten zu schieben, ist gar zu billig.

Eine volle Breitseite schließlich gibt Lammert der Kanzlerin, die sich für eine "marktkonforme Demokratie" ausspricht: Die Erwartungen der Märkte müssten durch unsere Rechtsordnung enttäuscht werden, nicht unsere Rechtsordnung durch die Verselbstständigung der Märkte. Ja, und nu, Herr Lammert? "An bösen Worten, die man ungesagt hinunterschluckt, hat sich noch niemand den Magen verdorben", wusste Winston Churchill. Von guten Worten, die man ausspricht, ist aber auch niemandes Magen gefüllt worden.

Manfred Bleskin kommentiert seit 1993 das politische Geschehen für n-tv. Er war zudem Gastgeber und Moderator verschiedener Sendungen. Seit 2008 ist er Redaktionsmitglied in unserem Hauptstadtstudio in Berlin.

Quelle: ntv.de