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Zwischenruf Wider den Mief von vier Jahren

15.09.2009, 12:39 Uhr
imageManfred Bleskin

Sachlich und kompetent diskutierten Lafontaine, Trittin und Westerwelle. Im Ton zurückhaltend, aber deutlich klarer als Merkel und Steinmeier präsentierten sie ihre Vorstellungen.

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Guido Westerwelle, Jürgen Trittin und Oskar Lafontaine (v.l.n.r.) (Foto: picture-alliance/ dpa)

Wären die drei Oppositionspolitiker am Sonntagabend beim Ehepaar Merkel/Steinmeier dabei gewesen, hätte es zumindest einen schönen Familienkrach gegeben. Will heißen: Bei der Runde mit Oskar Lafontaine, Jürgen Trittin, Guido Westerwelle tags darauf waren Standpunkte klar erkennbar, prallten kontroverse Meinungen aufeinander: So etwa in Sachen Mindestlohn, den die FDP als Arbeitsplatzvernichter, die Linke als Bremse für die Billiglohnschraube ansieht.

Gleichwohl wurden erstaunlicherweise auch Gemeinsamkeiten deutlich. Den Gesundheitsfonds will keiner, die Rente mit 67 lehnten der Sozialist, der Grüne und der Liberale mit unterschiedlichen Nuancen ab. Westerwelle verlangte zu Recht eine Entlastung des Mittelstandes, ebenso Lafontaine und Trittin.

Drei glänzten mit Sachkenntnis

Das Gespräch wurde beherrscht von den Themen Arbeitsmarkt, Managergehälter, Steuern, Rente und Bildung. Alle drei bewiesen eine hohe Sachkenntnis, Spickzettel hatte niemand dabei. Doch der Faktenreichtum der Kontrahenten erforderte allerhöchste Konzentration. Fraglich, ob alle Zuschauer als Nichtfachleute fähig waren, sich eine Gasse durch das Zahlendickicht zu schlagen.

Schade, dass bei den Themen nicht die Bandbreite der Show vom Sonntag erreicht wurde. Klimaschutz und Außenpolitik fehlten, letzteres von Lafontaine angemahnt, von den Moderatoren aber nicht beachtet. Gerade diese Fragen hätten im Lichte des Streits um die Zukunft der Atomkraft und des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan das Salz in der Suppe sein können. Vergleiche oder Bezüge über den deutschen Tellerrand hinaus gab es denn auch nur beim Chef der Linken, der damit indirekt auch dem Vorwurf begegnete, seine Partei sei "antieuropäisch".

Zuviel politische Korrektheit

Die Diskussion verlief sachlich, hart in den Fakten, zurückhaltend im Ton. Vielleicht etwas zuviel politische Korrektheit. Doch keiner strich dem anderen Honig ums Maul. Bemerkenswert, wie Trittin des Öfteren auf Lafontaines Reaktion gespannt war. Koalitionsaussagen waren allenfalls beim Frontmann der Freidemokraten unmissverständlich; der machte sich erwartungsgemäß für Schwarz-Gelb stark. Trittin erteilte Schwarz-Grün eine Abfuhr, wenngleich nur aus arithmetischen Gründen (!). Lafontaine machte deutlich, dass seine Partei sehr wohl bereit ist, auf Bundesebene Verantwortung zu übernehmen, wenn, ja wenn wesentliche Forderungen der Linken erfüllt würden.

Einen eindeutigen Sieger gibt es nicht. Klar ist aber, dass die Präsenz des einen wie des anderen oder des dritten in einer Bundesregierung frischen Wind ins miefige Wohnzimmer des Politehepaars vom Sonntagabend bringen würde.

Manfred Bleskin kommentiert seit 1993 für n-tv das politische Geschehen. Er war zudem Gastgeber und Moderator verschiedener Sendungen. Seit 2008 ist Bleskin Redaktionsmitglied in unserem Hauptstadtstudio in Berlin.