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KommentarWieder Krieg in Nahost

28.12.2008, 17:16 Uhr

Der Krieg lag in der Luft. Aber sowie er begann und Al Dschesira Bilder von zerfetzten Leichen in der Schleife sendet, wird einem nur noch übel, meint Ulrich W. Sahm.

Der Krieg lag in der Luft. Aber sowie er ausgebrochen ist und Al-Dschasira unzensierte Bilder von zerfetzten Leichen in der Schleife sendet, wird einem nur noch übel. Die Toten sind Kämpfer in Tarnuniform und gehören einer international geächteten Terrororganisation an - der radikal-islamischen Hamas.

Seit der Entführung des Soldaten Gilad Schalit vor über 900 Tagen droht Israel mit dem Einmarsch. Wegen der befürchteten hohen Verluste schreckte zudem Israel davor zurück, dem Raketenbeschuss aus Gaza gewaltsam ein Ende zu setzen. Zu viele palästinensische Tote hätte weltweite Empörung über israelisches Wüten provoziert. Zu viele tote Soldaten würden in Israel nicht akzeptiert. Alle vermeintlich "friedlichen" Methoden - Grenzsperrung, Blockade, Stromabschaltungen und ein inzwischen von der Hamas aufgekündigter Waffenstillstand - brachten nichts.

Die Hamas, seit 2007 durch Putsch an der Macht im Gazastreifen, "spiele zynisch mit dem Schicksal der 1,5 Millionen Palästinenser unter ihrer Gewaltherrschaft". Das sagten vorwurfsvoll der ägyptische Außenminister Ahmed Abul Gheit und der palästinensische Präsident Mahmud Abbas in Kairo.

Die Propagandamaschine läuft

Die Hamas setzt auf politisches Mitleid mit einer geschmierten Propagandamaschine, indem sie Stromausfälle inszenierte oder eine Hungersnot propagierte und gleichzeitig die Grenzübergänge zu Israel systematisch attackierte, als Hilfskonvois mit Mehl, Medikamenten und Tierfutter bereitstanden, um den im Gazastreifen eingesperrten Menschen zu helfen. Gaza wird oft als das "größte Gefängnis der Welt" bezeichnet. Doch als hundert Christen zu Weihnachten mit israelischer Genehmigung nach Bethlehem reisen wollten, jagte die Hamas eine Mörsergranate auf den Grenzterminal und bewirkte dessen sofortige Schließung. Das Vorgehen der Hamas entbehrt jeglicher Logik. Ihr ideologisch motivierter Versuch, den Staat Israel zu zerstören, kann nicht gelingen und verschlimmert das Leiden der Menschen im Gazastreifen.

Frieden durch Krieg

Nicht nur für Israel ist der Zustand unerträglich, seit Jahresbeginn mit über 3000 Raketen beschossen worden zu sein und weder militärisch noch politisch dagegen vorgehen zu können. Auch für Ägypten, Jordanien und die mit Israel über "Frieden" verhandelnde Autonomiebehörde im Westjordanland birgt dieser Zustand große Gefahren. Das systematisch erzeugte Mitleid mit den Menschen im Gazastreifen treibt Ägypter, Jordanier und Palästinenser in die Arme der Moslembrüder. Die "gemäßigten" Regime in diesen Gebieten geraten ins Wanken. Die "Operation Gegossenes Blei" könnte für diese Beteiligten ein Segen sein, also ein Krieg, der vielleicht Frieden bringt.

Der Nahe Osten ist sein Metier. Ulrich W. Sahm berichtet seit Mitte der 70er Jahre aus der Region – immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der Nachricht.