Politik
Dienstag, 15. Dezember 2015

Personen der Woche: Barley und Tauber: Die SPD kopiert den CDU-General

Von Wolfram Weimer

Die SPD beruft eine neue Generalsekretärin. Dem geschmeidigen Gegenspieler von der CDU soll endlich jemand ebenso freundliches entgegenstehen. Generalsekretäre sind keine Wadenbeißer mehr, sondern smarte Sympathen.

Katarina Barley wirkt nach Yasmin Fahimi wie ein Smartphone neben einer Alarmsirene. Die neue SPD-Generalsekretärin soll der angeschlagenen SPD und ihrem noch angeschlageneren Vorsitzenden ein sympathisch-schlaues Gesicht verleihen - und beide fit für die nächste Bundestagswahl machen. Wo Fahimi als eine Art quengelnde Supernanny (die "Zeit" nennt sie zum Abschied "verbissen", "misstrauisch und "hölzern") wahrgenommen worden ist, gilt Barley als geschmeidige, intelligente Umarmerin. Sie ist die unmittelbare Antwort der SPD auf das Phänomen Peter Tauber.

Peter Tauber hat einen neuen Stil geprägt. Katarina Barley soll ihn imitieren.
Peter Tauber hat einen neuen Stil geprägt. Katarina Barley soll ihn imitieren.

Der CDU-Generalsekretär - anfangs als braver Zögling der Unerfahrenheit belächelt - hat seine Partei zur Verblüffung des politischen Berlins nicht nur zielstrebig modernisiert, sondern sie mit einer leisen Konzilianz und smarten Professionalität auf Umfragehöhen gehalten, die permanent volle 15 Prozentpunkte vor der SPD gelegen haben. Und selbst jetzt, da die Migrationskrise die Union schwer erschüttert und die Kanzlerin in der eigenen Partei Rückendeckung verliert, hält Tauber den Laden bemerkenswert geschickt zusammen. Wo Gabriel auf Parteitagen gerne mal abgestraft wird, organisiert Tauber seiner Vorsitzenden traumhafte Wahlergebnisse und emotionale Gefolgschaft. Genau diesen Tauberismus will die SPD nun auch einmal, und Katarina Barley scheint keine schlechte Wahl.

Barley und Tauber sind beide in den Vierzigern, sie kommen beide aus lebensfrohen (pfälzischen und hessischen) Landen, beide sind keine Hochburg-Politiker aus Milieus, wo die eigene Partei sowieso immer gewinnt, sie mussten und müssen sich den Argumenten und Milieus ihrer Gegner immer stellen. Beide haben eine schlagartige  Karriere aus krassen Außenseiterpositionen direkt hinein in die Schaltzentrale der Macht gemacht.

Sie haben zudem in ihrem Studium tiefer gebohrt als andere, der eine als Historiker, die andere als Juristin, beide sind promoviert. Tauber wie Barley traten Anfang der neunziger Jahre ihren Parteien bei, beide gelten eher als Versöhner denn als Spalter. Sie eint ein helles Gemüt und Sinn für Humor, Ideologisches ist ihnen fremd. Tauber wie Barley pflegen eher leisere Töne - höflich, kontrolliert, unaufdringlich.

Zeit der Partei-Ultras ist vorüber

Die SPD zahlt mit dieser Personalie Tribut an den Tauberismus und ein gewandeltes Bild eines Generalsekretärs. Die Zeit der Polarisierer ist offenbar vorbei, smarte Verbindlichkeit ist angesagt. Das Modell Kurt Biedenkopf kommt damit ein Stück weit zurück in die Volksparteien. Der CDU-Professor suchte einst - in einer Zeit tiefer Spaltungen in der Gesellschaft - gezielt den sachlichen Dialog mit allen gesellschaftlich relevanten Gruppen. Biedenkopf war es, der die als politisch hausbacken verschriene CDU sogar interessant für den intellektuellen Disput machte.

Gleichwohl bleibt der Job eines Generalsekretärs (damals wie heute) undankbar wie der eines Fußballtrainers - nur ohne Mannschaft. Sie haben die Macht eines Zeugwarts, den Schatten eines Präsidenten, die Reflexe eines Torwarts und sie ertragen die Eigentore eines Teams, das sie nicht selber aufstellen aber für das sie immer den Kopf hinhalten müssen. Sie sollen möglichst über links- oder rechtsaußen angreifen, und der eigenen Fankurve ist es doch nie außen genug. Sie müssen verlorene Wahlen schönreden und bei gewonnenen den Kapitänen der eigenen Mannschaft die Scheinwerfer halten. Diese Trainer des Politischen sind in Wahrheit eher Greenkeeper des Parteilichen.

Früher waren Generalsekretäre vor allem Ultras ihrer Parteivorsitzenden. Sie skandierten und brüllten, sie peitschten die Fankurve der Partei ein und schwangen Fahnen. Hin und wieder fackelten sie eine politische Pyro ab und gaben dem Gegner gehörig Schmähgesänge. Echte Generale also. Später dann wandelte sich die Rolle radikal zum Sekretär. Blasse Technokraten übernahmen das Ruder, aus den Ultras wurden Kassenwarte.

Beide Zeiten sind vorbei. Heute sind sie weder grimmige Generale noch seichte Sekretäre. Heute sind sie smarte Manager der Akzeptanz - so wie Barley und Tauber.

Quelle: n-tv.de

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