Wirbelsturm "Sandy" und die US-Wahl"Als Menetekel verstehen"

Mit voller Wucht ist "Sandy" auf die US-Ostküste getroffen und hat eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Es wird dauern, bis wieder Normalität einkehrt. Ein Termin aber steht: Die Wahl des US-Präsidenten in einer Woche. Für Obama wäre es jetzt an der Zeit, die "Warnschüsse der Natur" richtig zu interpretieren.
Mit voller Wucht ist Wirbelsturm "Sandy" auf die US-Ostküste getroffen, hat das Leben von Millionen US-Bürgern durcheinandergewirbelt und eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Es wird dauern, bis wieder Normalität einkehrt. Ein Termin aber steht, und zwar "auf Messers Schneide": Die Wahl des US-Präsidenten in einer Woche. Für Obama wäre es jetzt an der Zeit, die "Warnschüsse der Natur" richtig zu interpretieren.
"Naturkatastrophen haben schon immer Geschichte geschrieben", meint die Lüneburger Landeszeitung und glaubt, dass auch "Sandy" das Potential hat, die US-Politik aufzuwirbeln. Allerdings seien "weder Weg noch Wirkung des Wirbelsturms (…) leicht vorherzusagen. Nachvollziehbar wäre, wenn 'Sandy' der Kampagne von Barack Obama Wind unter die Flügel pustet. 'Sandys' Sintflut an der US-Ostküste ist geeignet, unhaltbare Positionen der Tea-Party-Konservativen zu unterspülen, die den Klimawandel schlichtweg leugnen. Selbst wenn 'Sandy' nicht einfach als Folge des Treibhauseffektes etikettiert werden kann, sollte die Aussicht auf die mit steigenden Meerestemperaturen wachsende zerstörerische Kraft von Wirbelstürmen noch in der rostfreiesten Ideologie tiefe Kratzer hinterlassen können."
Das sieht die Mittelbayerische Zeitung ähnlich: "Amerika hätte gute Gründe, den unheilvollen 'Frankenstorm' als Menetekel zu verstehen und ihn in Verbindung zu bringen mit der Jahrhundertdürre, von der die USA in diesem Sommer heimgesucht wurde. Leugner des Klimawandels wie die ultrakonservative 'Tea Party' mögen das Zusammentreffen dieser Katastrophen als Zufall bezeichnen. Doch Fakt ist, dass sich die Wetterextreme als Folge der Erderwärmung häufen. Das Land des unbegrenzten Energieverbrauchs steuert mit seinem enormen Ausstoß von Treibhausgasen einen beträchtlichen Anteil dazu bei. Es heißt immer, die Umwelt stelle keine Rechnung. Doch das stimmt nicht. Nach ersten Schätzungen hat der Super-Sturm 'Sandy' Schäden in Höhe von mindestens 20 Milliarden Dollar angerichtet." Für das Blatt aus Regensburg stellt sich da die Frage: "Warum besitzt Obama nicht den Mut, nach den Warnschüssen der Natur diese Gegenrechnung aufzumachen?"
Obwohl die Rettungskräfte auf den Tropensturm gut vorbereitet gewesen seien, wird es "Tage dauern, bis das Schlimmste überstanden ist; es wird Wochen dauern, bis die Schäden behoben sein werden - und in weniger als einer Woche sollen die Amerikaner einen Präsidenten wählen", erinnert die Frankfurter Allgemeine. Die Kandidaten rückten angesichts der Katastrophe in ein neues Licht: "der Präsident als Krisenmanager, der Herausforderer als Antikrisengewinnler. (…) In einer Wahl, deren Ausgang auf Messers Schneide steht, werden jetzt beide Seiten vermutlich jedes Wort und jede Geste wägen (und bestreiten, dass sie das tun). Vor allem darf der Präsident, eben weil er der Präsident ist, nicht in den Augen der Bürger versagen, ob sie direkt betroffen sind oder nicht. Der Apparat muss funktionieren."
Die Nürnberger Nachrichten versuchen, "so paradox es zunächst klingen mag", 'Sandy' eine gute Seite abzugewinnen, "die man erst beim zweiten Blick erkennt. Zum Beispiel diese: Ganz Amerika - zunächst und vor allem also die nicht vom Hurrikan betroffenen, leidensfreien Regionen - bleibt für kurze Zeit von einem Wahlkampf verschont, der zuletzt für viele Bürger kaum noch erträglich war. Das liegt nicht nur an den exorbitanten Kosten und der ermüdenden Länge, sondern auch an dem in den Keller gesunkenen Niveau der politischen Debatte - vor allem geprägt durch das gebetsmühlenhafte Vortragen von Unwahrheiten auf beiden Seiten."