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(Foto: picture alliance / dpa)

Flüchtlinge in Griechenland: Athen droht "Absturz ins politische Chaos"

Bundeskanzlerin Angela Merkel rät den gestrandeten Flüchtlingen an der mazedonisch-griechischen Grenze, Unterkünfte in Griechenland zu beziehen. Eine deutsche Rettungsaktion wie im Vorjahr werde es nicht geben. Derweil spitzt sich die Lage in Griechenland weiter zu. Die Presse sieht das Land auf eine humanitäre und politische Krise zusteuern.

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"Der EU-Sondergipfel am kommenden Montag könnte zu einem Griechenland-Gipfel werden", kommentiert Die Welt. Das Land sei der nächste Flüchtlingsnotfall der EU: "Das UN-Flüchtlingshilfswerk hat unmissverständlich dargelegt, dass die Zahl der Bootsflüchtlinge steigt. Alexis Tsipras' gebeuteltem Staat droht eine zusätzliche humanitäre und politische Krise." Deswegen müsse die EU handeln: "Die Vorstellung, ein griechisches Chaos könne womöglich nützlich sein, um weitere Flüchtlinge abzuschrecken, ist so moralisch verwerflich wie kurzsichtig. Wer den Bürgerkriegen im Nahen Osten entkommen ist, lässt sich durch solche Bilder nicht aufhalten, und wer Griechenland als EU-Internierungslager missbrauchen möchte, um selbst Ruhe zu haben, wird feststellen, dass er diese Ruhe nicht bekommt. Athen braucht Hilfe."

Ähnlich sieht das die Stuttgarter Zeitung und bezeichnet eine mögliche Blockade-Haltung der Griechen beim nächsten EU-Sondergipfel als legitime Selbstverteidigung: "Die Griechen dürfen nicht im Stich gelassen werden. Weder mit ihrem maroden Staatsdienst noch mit den fast einzigartigen Egoismen der Zentralregierung gegenüber den Kommunen können sie ein effizientes Hilfssystem errichten. Da rächt es sich, dass der Westen den EU-Partner jahrzehntelang wie eine überdimensionierte Olivenplantage behandelt und bestenfalls als Urlaubsparadies wertgeschätzt hat. Derzeit arbeitet Brüssel einen Notfallplan für die Griechen aus. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Europäer wenigstens dabei halbwegs einig zeigen. Wenn Ministerpräsident Alexis Tsipras droht, andernfalls die Beschlüsse des EU-Türkei-Gipfels zu blockieren, ist dies keine Erpressung, sondern ein nachvollziehbarer Akt der Notwehr."

Auch der Kölner Stadt-Anzeiger fordert schnelle Unterstützung für das krisengeschüttelte Land: "Athen braucht jetzt schnell tatkräftige Hilfe der EU und internationaler Hilfsorganisationen bei der Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge sowie bei der Rückführung jener Wirtschaftsmigranten, die keine Aussicht auf Asyl haben. Vor allem aber muss sich Europa auf eine gerechte Verteilung jener Ankömmlinge einigen, die Anspruch auf Schutz haben. Griechenland in ein riesiges Internierungslager zu verwandeln, kann keine Lösung sein. Wer das plant, riskiert den Absturz des Krisenlandes ins politische Chaos."

Die Nürnberger Nachrichten hingegen betonen, die griechische Regierung habe bereits angebotene Hilfe nicht in Anspruch genommen: "In das Mitleid mischt sich längst auch kühle Nüchternheit der griechischen Schengen-Nachbarn. Sie blicken zurück und fragen sich nicht zu Unrecht, warum Athen längst bereitgestellte Hilfe ausgeschlagen hat. So könnten die Hellenen aus dem Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) der EU für die Jahre 2014 bis 2020 immerhin über 509 Millionen Euro verfügen. Aber bis Mitte Januar hatte die Regierung nur überschaubare 33 Millionen abgerufen."

Zusammengestellt von Aljoscha Ilg

Quelle: n-tv.de

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