Politischer Aschermittwoch"Attacke auf Zwergenniveau"
Es ist wieder soweit: Am Aschermittwoch dürfen die Politiker mal so richtig ausholen und die anderen Parteien lächerlich machen. Doch dieses Jahr glänzt dabei niemand so richtig. Nur ein drolliger FDP-Politiker bringt die Presse zum Schmunzeln.
Es ist wieder soweit: Am Aschermittwoch dürfen die Politiker mal so richtig ausholen und die anderen Parteien lächerlich machen. Doch dieses Jahr glänzt dabei niemand so richtig. Nur ein drolliger FDP-Politiker bringt die Presse zum Schmunzeln.
"Trüber geht's nimmer", kritisieren die Dresdner Neuesten Nachrichten. Die Attacken der CSU beim politischen Aschermittwoch in Passau seien auf "Zwergenniveau" verlaufen. Denn "die Christsozialen wären schon zufrieden, wenn sie, wie in Passau herausgeschrien, den Sozi-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl, Christian Ude, 'vom Thron' stürzen könnten. Der sitzt ja noch nicht mal oben, gewählt wird erst in einem Jahr. Dumm gelaufen", schlussfolgert das Blatt und wirft damit auch gleich einen Blick auf die angeschlagenen Töne bei den Sozialdemokraten in Vilshofen. Dort habe die bayerische Kleinpartei SPD "den dicken Max" gespielt. "Sie glaubt sich mit dem Münchner Ude im Zustand der Beinah-Regierungsmacht. Das kann sich als ein fataler Irrtum erweisen." Und so sei aus dem Tag der Abrechnung ein "Ball Paradox" geworden. "Das ändert aber nichts daran, dass es wie immer Stunden des politischen Stammtisch-Mitmachens waren. Lieber demokratisch holzen als hintenrum wulffen!"
"Wenn der Vater des modernen Bayern spricht, bleiben den Söhnen nur Statistenrollen", kommentiert der Münchner Merkur den politischen Aschermittwoch der CSU in Passau. Leidvoll erfahren, haben dies Horst Seehofer und Christian Ude müssen. Zuvor habe man noch von ihrem "Schicksals-Duell" gesprochen. Doch dann kam Edmund Stoiber. Neben ihm seien die zu "Scheinriesen" geschrumpft, als der ehemalige bayerische Landesvater "die Augen seines Publikums mit einer Geschichtsstunde zum Leuchten brachte, die den ganz großen Bogen schlug von Franz Josef Strauß zum Euro und dem Friedensprojekt Europa. Und die all das enthielt, was seine Erben heute so schmerzlich vermissen lassen: Leidenschaft. Feuer. Substanz. Passau 2012 - das war eine Zeitreise in die glänzendste Zeit der CSU. Eine, in der vor Ude noch kein Schwarzer Angst haben musste. Schon gar nicht vor einem Ude in der langatmigen Form von Vilshofen."
Das Main-Echo horchte auf als "Stoiber, der einst als 'blondes Fallbeil' galt, doch ein gerüttelt Maß an Altersweisheit zum Ausdruck bringt, was sich insbesondere beim Thema Europa bemerkbar gemacht hat." Ferner habe er in Passau "über weite Strecken eine Reise in die glorreiche Vergangenheit" geboten - und das habe seine Wirkung beim mehrheitlich eher betagten Publikum nicht verfehlt. Doch das Blatt ist sich sicher, dass dieser "CSU-Aschermittwoch des gebremsten Schaums" eine Einzelerscheinung bleiben werde. Schon im kommenden Jahr stehen die bayerischen Landtags- und die Bundeswahlen an. Es wäre ein Wunder, "wenn man in Passau weiterhin die Samthandschuhe anbehält".
"Stoiber betonte übrigens, Joachim Gauck habe 'unsere Positionen'", schreibt die Frankfurter Rundschau und betrachtet auch, was andere Politiker zu dem neuen alten Bundespräsidentenkandidaten sagten: "Renate Künast sagte, Gauck habe 'einen richtig grünen Freiheitsbegriff'. Philipp Rösler hat den armen Kandidaten, den alle für sich haben wollen, quasi erfunden." Doch solche Äußerungen reiße nun wirklich niemand vom Hocker, weswegen man die "Aschermittwochsshow endgültig für überflüssig erklären" sollte. Aber für eine Aussage habe sich die Show dann doch gelohnt: Der "drollige FDP-Chef (hat) etwas richtig Lustiges beigetragen: 'Wenn man uns droht, werden wir nur noch größer.' Er hat wirklich gesagt: 'noch'."
"Haben wir es in der politischen Führung am Ende nicht mit Charakteren, sondern nur mit Chargen zu tun?", fragt der Kölner-Stadtanzeiger. Denn der politische Aschermittwoch nähre solche Zweifel. "Er ist weder volksnah noch volkstümlich, sondern führt zu einer Entfremdung zwischen dem Volk und einer Politik, die nicht auf Effekt bedacht ist, sondern auf Effekte."