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(Foto: picture alliance / dpa)

VW-Abgas-Manipulation in den USA: "Betrug beschädigt die Marke Deutschland"

Als besonders sauber hatte Volkswagen seine Diesel-Modelle in den USA beworben. Jetzt kommt heraus: VW hat einige Autos so manipuliert, dass sie auf dem Prüfstand glänzten, auf der Straße aber wieder mehr Schadstoffe ausstießen. Die Kommentatoren der deutschen Zeitung sind sich einig: Die Affäre kommt dem Wolfsburger Konzern und auch Deutschland teuer zu stehen - nicht nur finanziell.

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Der Tagesspiegel scheint fassungslos: "Ausgerechnet VW! Keine Marke mit einer amerikanischen Konzernmutter, die manche Deutsche eher eines windigen Geschäftsgebarens verdächtigen würden. Sondern eine Firma, bei der das Land Niedersachsen zweitgrößter Miteigentümer ist - mit gesellschaftlicher Verantwortung. Deswegen beschädigt dieser Betrug die Marke Deutschland." Das Blatt aus Berlin erwartet weitreichende Folgen: "VW wird den Spitzenplatz als Konzern mit den meist verkauften Fahrzeugen wohl wieder an Toyota abgeben. Die deutsche Automobilbranche dürfte das Ringen mit der asiatischen Konkurrenz um die richtige Strategie - Hybrid oder saubere Diesel - schneller als befürchtet verlieren. Und da sie die Schlüsselbranche hierzulande ist, wird die ganze deutsche Volkswirtschaft unter den Folgen leiden."

Auch die Berliner Zeitung rückt den Umstand ins Blickfeld, dass VW ein Unternehmen ist, an dem der Staat in Form des Landes Niedersachsen beteiligt ist und bei dem der niedersächsische Ministerpräsidenten im Aufsichtsrat über die Geschicke des Konzerns direkt mitentscheidet. Dieser Umstand mache den Betrug in den USA noch schwerwiegender, heißt es aus der Hauptstadt: "Er macht ihn zu einem Politikum. VW ist heute mehr als ein deutscher Weltkonzern. Es ist der Inbegriff der Deutschland AG. Deshalb unterminiert der Fall die Glaubwürdigkeit, mit der Deutschland gerade seine neue Rolle in der Welt zu finden sucht."

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung spekuliert: "Entweder hat das die Konzernspitze gewusst und verdeckt, oder ihr ist verborgen geblieben, dass eine Truppe ranghoher Entwickler im Geheimen illegale Entscheidungen trifft." Am Ende, so der Kommentator, sei das "eine ist so schlecht wie das andere. Volkswagen hat sich und die den 'Clean Diesel' propagierende deutsche Automobilindustrie in eine Vertrauenskrise gestürzt."

"Was sich da abspielt, könnte im Fiasko für Volkswagen enden", schreibt die Stuttgarter Zeitung. "Es sieht so aus, als habe ein Weltkonzern, der mit seinen Marken für deutsche Ingenieurkunst im Automobilbau steht, mit Taschenspielertricks minderwertigen Fahrzeugen den Marktzugang verschafft. Sollten die beanstandeten Praktiken in den USA gang und gäbe gewesen sein, so müsste sich VW-Chef Winterkorn vorwerfen lassen, seinen Laden nicht im Griff zu haben."

Das Hamburger Abendblatt schreibt: "Wieder einmal zeigt sich, dass kurzfristiges Rendite-Streben langfristig fatal sein kann. VW hat wegen der Manipulation vielleicht einige tausend Fahrzeuge mehr verkauft - doch zu welchem Preis? Die Marke beschädigt, Vertrauen verspielt, den Kurs skalpiert, Milliarden riskiert und Diesel diskreditiert." Der Kommentator aus der Hansestadt ist überzeugt: "Deutschlands nach Mitarbeitern und Umsatz größtes Unternehmen geht schweren Zeiten entgegen."

"Jetzt muss Volkswagen die Trümmer aufkehren, und Winterkorn muss dafür sorgen, dass die anderen Marken des Konzerns keine Kollateralschäden abbekommen", ist in der Welt zu lesen. Doch wer Winterkorn kenne, wisse, "dass er keiner ist, der sich vor Verantwortung drückt. Nachdem sein Vertrag gerade erst verlängert und der Wechsel in den Aufsichtsrat vorbereitet wurde, wirkt die lähmende Debatte des ersten Halbjahrs wieder aktuell. Erste Rücktrittsforderungen gibt es, noch wichtiger wäre die rückhaltlose Aufklärung und danach eine Imagekampagne, welche das schlagartig verlorene Vertrauen wieder zurückgewinnt. Oder zumindest die Enttäuschung vieler VW-Fans ernst nimmt. Vertrauen aufzubauen dauert sehr lange, es zu verlieren geht dafür umso schneller."

Zusammengestellt von Susanne Niedorf

Quelle: n-tv.de

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