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(Foto: picture alliance / dpa)

Börsenabsturz zum Jahresauftakt: "Da sind gute Nerven gefragt"

Am ersten Handelstag im neuen Jahr erlebt der Dax einen überraschenden Absturz. Auslöser sind besorgniserregende Zahlen aus dem Reich der Mitte. Aufgrund schwacher Konjunkturdaten brechen die Kurse in China um sieben Prozent ein. Omen für ein turbulentes Börsen-Jahr 2016? Ja, meint die deutsche Presse und sieht dennoch keinen Grund zur Sorge.

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"Eine alte Börsenweisheit besagt: Der erste Handelstag gibt die Tendenz für das ganze Jahr vor", kommentiert die Frankfurter Allgemeine Zeitung und fügt hinzu: "Hoffentlich erweist sich diese Börsenweisheit in diesem Jahr als falsch". Der aktuelle Kurseinsturz zeige, dass der deutsche Aktienmarkt nicht immun gegen "die wirtschaftlichen und politischen Risiken einer globalisierten Welt" sei. (...) So rechneten viele Fachleute für das Jahr 2016 mit erheblichen Kursschwankungen. Anlegern empfiehlt die Zeitung eine ruhige Hand: "Ein langfristig denkender Anleger, dem es um allmähliche Kapitalbildung geht und nicht um kurzfristige Spekulation, kann auch darüber die Nerven bewahren. Eine Streuung des Vermögens auf mehrere Anlageformen macht einen Rückschlag am Aktienmarkt erträglich."

Der Münchner Merkur wertet den Börsensturz zum ersten Handelstag als schlechtes Vorzeichen für 2016. Für Anleger gebe es dennoch Möglichkeiten, dieses ohne allzu große Einbußen zu überstehen: "Wegen der wachsenden Sorge um China ist der Dax gleich am ersten Handelstag des jungen Jahres in die Tiefe gerauscht. Weil die erste Handelswoche nicht selten die Richtung fürs ganze Jahr vorgibt, ist das kein allzu gutes Omen. Doch für Panik besteht kein Anlass, da die Grundkoordinaten an den Märkten dieselben bleiben wie in den Jahren zuvor: Festgeld und Staatsanleihen werfen wegen der EZB-Nullzinspolitik kaum Rendite ab, während die Geldschwemme Aktienpreise stützt. Rückschläge an der Börse zu nutzen, um sich durch den Kauf von Aktien am Erfolg gut geführter Unternehmen zu beteiligen, ist deshalb nicht die schlechteste Idee. Vorausgesetzt, man verfügt über den nötigen langen Atem und die Nerven, Kursschwankungen auszuhalten."

Im Hinblick auf Chinas schwache Konjunkturdaten - dem Ursprung der aktuellen Kurseinbrüche -  schreibt die Mitteldeutsche Zeitung: "China muss weg vom alten Modell, das auf massive Infrastrukturinvestitionen und Exporte setzte. Doch das Hauptproblem sind die instabilen Finanzmärkte. Erst liefen die Immobilienmärkte heiß, dann bildeten sich Blasen an den Börsen. Staat, Banken, Unternehmen und Privatleute haben zudem enorme Schulden angehäuft. So steht zu befürchten, dass hiesige Aktienbesitzer noch häufiger in diesem Jahr mit schlechten Nachrichten aus Asien aufwachen werden."

Die Eßlinger Zeitung kritisiert die massiven staatlichen Interventionen der chinesischen Regierung in Wirtschaft und Aktienhandel und warnt vor Folgen für deutsche Autohersteller: "Blasen platzen - und die Machthaber in Peking brauchen sich nicht der Illusion hingeben, sie könnten durch staatliche Interventionen Marktmechanismen außer Kraft setzen. An der Börse gilt kein Primat der Politik, hier wird ökonomische Zukunft gehandelt. Deshalb ist der Kursrutsch ernst zu nehmen. Der chinesische Markt ist für deutsche Autobauer und damit für die gesamte Volkswirtschaft von überaus großer Bedeutung. 2016 könnte nach der Rallye vergangener Jahre ein ziemlich holpriges Börsenjahr werden. Da sind gute Nerven gefragt - und eine langfristige Anlagestrategie."

Zusammengestellt von Aljoscha Ilg.

Quelle: n-tv.de

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