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Putins Verwicklung in Litwinenko-Mord: "Das Motto heißt: täuschen und tarnen"

Alle Beteiligten sind sich der diplomatischen Brisanz bewusst, die der Abschlussbericht von Richter Owen zum Litwinenko-Mord birgt. Der Giftmord soll vom russischen Geheimdienst FSB in Auftrag gegeben worden sein. An Putins Mitwisserschaft zweifelt die Presse nicht.

Vermutet haben es viele und auch Litwinenko selbst gab noch kurz vor seinem Tod dem russischen Präsidenten Wladimir Putin die Schuld an seiner Polonium-Vergiftung. Alle Beteiligten sind sich der diplomatischen Brisanz bewusst, die der Abschlussbericht von Richter Owen zum Litwinenko-Mord birgt. Der Giftmord soll demnach vom russischen Geheimdienst FSB in Auftrag gegeben worden sein. An Putins Mitwisserschaft zweifelt die Presse nicht wirklich.

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"Putin agiert als Politiker, wie er es beim Geheimdienst gelernt hat. Das Motto heißt: täuschen und tarnen", kommentiert die Stuttgarter Zeitung. Nach diesem Muster sei auch die Annexion der Krim verlaufen, betont die Zeitung weiter und zieht Parallelen: "Erst als ihm die Halbinsel keiner mehr nehmen konnte, räumte Putin die russische Beteiligung an den Militäraktionen ein. Dass feige Auftragsmorde Teil des Programms sind, scheint nun auch bewiesen. Die britische Innenministerin Theresa May hat recht, wenn sie sagt, die Ermordung Litwinenkos sei ein Bruch des Völkerrechts und ein Verstoß gegen das zivilisierte Verhalten. Doch wie kann der Westen auf diese Erkenntnis reagieren? Neue Sanktionen braucht es nicht. Russland steht wirtschaftlich bereits mit dem Rücken zur Wand. Aber wer die Aufhebung dieser Strafmaßnahmen fordert, sollte spätestens jetzt schweigen."

"Putins Liste ist lang. Sie umfasst die Namen Politkowskaja, Litwinenko, Chodorkowski, "Pussy Riot", Nawalny oder Nemzow.", bemerkt die Mitteldeutsche Zeitung und fährt fort: "Nun hat eine britische Untersuchung ergeben, dass Litwinenko 2006 einem Mordanschlag zum Opfer gefallen ist, den Putin gebilligt haben soll. Die Betonung liegt auf "haben soll", denn auch diesmal gibt es keinen letztgültigen Beweis für Putins Täterschaft. Das Schlimme an all dem aber ist, dass das Szenario, das die Briten beschreiben, höchst plausibel erscheint. In den Naturwissenschaften gilt: Je einfacher eine Theorie ist, desto wahrscheinlicher sie."

Die Eisenacher Presse prophezeit eine deutliche Verschlechterung der ohnehin schwierigen Beziehungen zwischen London und Moskau: "'Wahrscheinlich', 'möglicherweise' sei der Mord durch den Kreml-Chef persönlich genehmigt worden. Rechtlich ist das wenig von Belang. Eine Untersuchung ist eben nur eine Untersuchung und kein Prozess mit all seinen Konsequenzen. Und so muss bei all der Spekuliererei auch für Putin die Unschuldsvermutung gelten. Die Situation bleibt also festgefahren, vor allem weil Moskau die Auslieferung der beiden Tatverdächtigen nach wie vor ablehnt. Das britisch-russische Verhältnis kühlt sich damit zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt noch mehr ab.

Empfindliche Konsequenzen muss Russland dennoch nicht befürchten meint die Nordwest-Zeitung: "Was Richter Robert Owen im Fall Litwinenko der Öffentlichkeit präsentierte, ist diplomatischer Sprengstoff pur. Dennoch wird daraus keine neue Krise zwischen Großbritannien und Russland entstehen. Aus zweierlei Gründen: Die Briten und auch deren Verbündete brauchen Russland beim Ringen um eine friedliche Lösung im Syrien-Konflikt. Ohne Putin, der seine schützende Hand über Präsident Assad hält, wird der Krieg weitergehen. Handfeste Beweise lieferte Richter Owen auch jetzt nicht, stattdessen zieht er Schlussfolgerungen aus seinen monatelangen Recherchen. So sehr es auch zu wünschen wäre, dass die Schuldigen bestraft werden, so wenig hat man Hoffnung, dass das geschehen wird."

"Der Fall Litwinenko und das westliche Zögern, daraus Konsequenzen zu ziehen, zeigt die Ohnmacht der Mächtigen: Man darf jetzt Russland bloß nicht zu sehr vor den Kopf stoßen, denn man braucht es zur Beilegung des Syrienkonflikts.", betont auch die Nürnberger Zeitung. So gesehen lebe Putin weiter ruhig und ungeniert. Sei sein Ruf auch ruiniert.

Eine härtere Tonart im zukünftigen Umgang mit dem Kreml-Chef empfehlen die Badischen Neuesten Nachrichten: "Man muss mit Putin reden. Ohne Anbiederung und mit klarer Ansage. Diese Sprache wird verstanden. Wer mit Putin redet, muss wissen, wen er da vor sich hat. Und er sollte dies den Kremlchef auch wissen lassen. Das fördert gegenseitigen Respekt und verkürzt die Lösungswege. Einseitige Vorleistungen werden nur als Schwäche ausgelegt."

Zusammengestellt von Lara Dalbudak.

Quelle: n-tv.de

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