Politik
(Foto: picture alliance / dpa)

DFB-Bericht zur WM-Vergabe: "Das alles stinkt zum Himmel"

Sind vor dem Zuschlag für die WM 2006 Bestechungsgelder geflossen? Über vier Monate suchen die vom DFB beauftragten Ermittler nach Beweisen. Sie finden keine, können einen Stimmenkauf aber trotzdem nicht ausschließen. Viele Fragen bleiben offen - und die WM-Vergabe bleibt eine schmierige Angelegenheit, findet n-tv.de Sportredakteur Stefan Giannakoulis. Auch die Meinung der Zeitungskommentatoren ist eindeutig.

Video

"Und das war nun die große Aufklärung?" Viel aufgedeckt worden sei nicht, so Die Welt. Allerdings gebe der Bericht "erschreckende Einblicke in eine Parallelwelt, die sich da unbemerkt breitgemacht hat. Eine Welt, in der gemauschelt, gedealt und geklüngelt wurde. Und der deutsche Verband, der immer schnell zugegen war, wenn es darum ging, die Welt über Rechtschaffenheit aufzuklären und mit Wonne auf die korrupte Fifa zu schimpfen, war selbst Teil des Systems." Nun müssten die nötigen Schlüsse gezogen und der DFB neu aufgestellt werden. "Auch, weil der Verband sich bald um die Europameisterschaft 2024 bewerben will."

"Das alles stinkt zum Himmel", findet die Stuttgarter Zeitung. "Der DFB war damals eben nicht nur dabei, sondern mitten drin in den schmierigen Geschäften im Weltfußball, die mittlerweile ein Fall für das FBI geworden sind." Nichts sei wirklich geklärt, nur eins zeige der DFB-Abschlussbericht deutlich: "Den Augiasstall in Verbänden können, wenn überhaupt, nur staatliche Ermittlungsbehörden mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln aufräumen."

"Im Deutschen Fußball-Bund haben höchste Verantwortungs- und Würdenträger jahrelang Millionensummen hin- und hergeschoben, deren Verbleib, Herkunft oder Verwendungszweck nicht nachvollziehbar ist. Exakt über solches Verhalten definiert sich eigentlich eine kriminelle Organisation", erinnert der Kölner Stadt-Anzeiger und ruft ebenfalls nach "staatlichen Autoritäten", denn "die internen Ermittlungen der durch den DFB beauftragten Anwälte können (...) nur ein erster Schritt gewesen sein auf dem langen Weg zum Neuanfang."

Der DFB allerdings würde das Problem mit der Fußball-WM jetzt "am liebsten abpfeifen" und das Zwischenergebnis "zum Endergebnis erklären", schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung. "So macht man das: Ein Problem bekommt man am besten in den Griff, indem man eine umfangreiche Untersuchung anstellen lässt, diese wortreich präsentiert und das Verfahren für abgeschlossen erklärt, ehe die zentralen Fragen beantwortet sind."

Eines allerdings steht schon fest: Der Report fügt der 'Lichtgestalt' Franz Beckenbauer weitere Kratzer zu. Die Thüringische Landeszeitung fasst zusammen: "Fakt ist, dass Millionen nachweislich auf ein Konto eines Unternehmens in Katar geflossen sind, das zum Imperium von Mohamed bin Hammam gehört. Der saß mit Beckenbauer einst in der Fifa-Exekutive. Fakt ist auch, dass die Zahlungsströme allesamt verschleiert wurden. Spätestens bei dieser Erkenntnis muss nicht nur dem Otto-Normalbürger klar sein, dass diese dubiosen DFB-Zahlungen wohl nachträgliche Belohnungen für die Unterstützung bei der WM-Vergabe für 2006 waren." Doch solange Beckenbauer und seine Mitstreiter schweigen, "ist ein Schlusspfiff für den Skandal um das Sommermärchen noch lange nicht in Sicht."

Der General-Anzeiger aus Bonn versucht dem Ganzen etwas Positives abzuringen: "Immerhin hat der Deutsche Fußball-Bund seinen Reformwillen bekundet, indem er gegen sich selbst ermitteln ließ. Dass Interimspräsident Rainer Koch von 'völligem Versagen' der internen Kontrollmechanismen sprach, ist an Deutlichkeit nicht zu überbieten. Ansonsten kommt die Deutlichkeit deutlich zu kurz in dieser nebulösen Geschichte. Wer versteht das alles noch, sofern er sich nicht hauptberuflich damit befasst? Kurz: Es nervt. Aber: Es ist wichtig, will der Fußball auch nur einen Hauch von Glaubwürdigkeit zurückgewinnen."

Zusammengestellt von Katja Sembritzki

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen