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(Foto: picture alliance / dpa)

Auswirkungen der China-Krise: Deutsche sollten "Vorsorge treiben"

Die Aktienkurse fahren zu Wochenbeginn Achterbahn: Am Montag runter, am Dienstag rauf. Zumindest die Talfahrt scheint nach den jüngsten Konjunkturspritzen der chinesischen Zentralbank vorerst gebremst. Wohin die Reise geht und welche Auswirkungen die Turbulenzen an den chinesischen Börsen auf Deutschland haben, ist unter Experten strittig. Und auch die Kommentatoren der deutschen Tageszeitungen diskutieren.

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Die Zeitungsgruppe Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung sieht ein Problem: "Sollte sich Chinas Krise ausweiten und die Weltwirtschaft mit nach unten ziehen, fehlt es dem Westen schon jetzt an Instrumenten, sich dagegen zu wehren. Denn mit seiner Krisenmedizin aus Geldflut und Nullzinsen hat er seine Abwehrmittel so gut wie ausgereizt. Das Nachbeben des Zusammenbruchs der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008 ist heute noch zu spüren."

Gelassen bleibt das Handelsblatt aus Düsseldorf: "Falls die schlechten Nachrichten aus Asien anhalten, wird das die deutsche Wirtschaft zwar nicht komplett kaltlassen. Grund zur Panik ist das für die Gesamtwirtschaft allerdings keineswegs." Der Kommentator ist überzeugt, dass  Deutschland "angesichts der glänzenden Ausgangslage" für eine Abkühlung der Konjunktur gut gerüstet sei: "Schon die leichte Rezession im Winter 2012/13, als die Wirtschaftsleistung zwei Quartale in Folge sank, war weitgehend unbemerkt an weiten Teilen von Wirtschaft und Bevölkerung vorbeigezogen. Tatsächlich sind die direkten Folgen selbst eines dauerhaften Börsencrashs vernachlässigbar. Das billige Öl hingegen dürfte den Konsum sogar weiter in die Höhe treiben."

Zuversichtlich ist auch die Stuttgarter Zeitung: "Natürlich werden sich die Exportaussichten für deutsche Unternehmen, vor allem die Autohersteller, in den kommenden Monaten eintrüben." Doch: "Die Bedeutung des chinesischen Marktes für die deutsche Industrie ist begrenzt. Und daher ist die Stimmung unter den deutschen Spitzenmanagern auch nach wie vor gut. Denn in Europa zeichnet sich eine Erholung der Wirtschaftslage ab, und Europa ist nach wie vor der wichtigste Absatzmarkt für deutsche Unternehmen."

Bedachter gibt sich die Welt: "Die deutsche Wirtschaft gleicht einem Tanker, der allen Stürmen trotzt. Die Stimmung in den Chefetagen der hiesigen Unternehmen ist allen internationalen Krisen zum Trotz überraschend positiv. Weder die Flaute im China-Geschäft noch der Konflikt mit Russland oder die anhaltende Unsicherheit über Griechenlands Zukunft scheinen der Deutschland AG zu schaden. Doch sollte sich keiner täuschen: Deutschland steht zwar solide da - ein Wirtschaftswunderland ist es aber nicht. Vielmehr wird das Wachstum von Sondereinflüssen getrieben, die nicht von Dauer sein werden." Die Deutschen wären nach Ansicht des in Berlin herausgegebenen Blattes deshalb gut beraten, "das wirtschaftliche Sommermärchen zwar zu genießen, doch für den kommenden Winter schon mal Vorsorge zu treiben."

Zusammengestellt von Susanne Niedorf

Quelle: n-tv.de

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