Der Absturz kommt für die meisten völlig überraschend.Bild 1 von 80 Am 24. Oktober 1929, dem "Black Thursday", rauschen die amerikanischen Aktienkurse in die Tiefe.Bild 2 von 80 Die Werte fallen rasant, binnen kürzester Zeit sind Millionen Aktien nichts mehr wert.Bild 3 von 80 Es ist das Ende der so genannten Goldenen Zwanziger, ...Bild 4 von 80 ... der Beginn der ersten Weltwirtschaftskrise.Bild 5 von 80 Die Große Depression verändert das Weltgeschehen wie keine andere Wirtschaftskrise zuvor. Selbst in Australien und Japan spürt man noch ihre Auswirkungen.Bild 6 von 80 Millionen Unternehmen und Menschen sind betroffen, unzählige Existenzen vernichtet.Bild 7 von 80 Schon am 25. Oktober kann der spätere britische Premierminister Winston Churchill bei einer Reise nach New York erste Auswirkungen beobachten. "Direkt unter meinem Fenster hatte sich ein Gentleman 15 Stockwerke in die Tiefe gestürzt", so Churchill.Bild 8 von 80 Der Gentleman hatte sein Vermögen verloren und keinen Ausweg mehr gewusst. Er ist einer von vielen.Bild 9 von 80 Noch ein Jahr zuvor, 1928, hatte sich US-Präsidentschaftskandidat Herbert Hoover optimistisch gezeigt: "In Amerika sind wir heute dem Triumph über die Armut näher als jemals zuvor in der Geschichte irgendeines Landes."Bild 10 von 80 Die Welt sieht noch rosig aus: Die Nachfrage nach neuen Konsumgütern wie Kühlschränken, Fotoapparaten und Autos scheint in den 1920ern in den USA unersättlich, die Wirtschaft brummt, es beginnt ein beispielloser Run auf die Aktienmärkte.Bild 11 von 80 Immer mehr Menschen wollen am Aktienboom teilhaben - und verschulden sich für Papiere. Mit den Kursgewinnen, so die weitverbreitete Ansicht, können sie ja später die Schulden tilgen.Bild 12 von 80 Auch drei Viertel aller Möbel, die Hälfte aller Autos sind auf Pump finanziert. Eine "Massenflucht aus der Wirklichkeit", diagnostiziert der Ökonom John Kenneth Galbraith.Bild 13 von 80 Nach Hoovers Amtsantritt Anfang 1929 mehren sich die Anzeichen für einen drohenden Crash: Die Bauaufträge gehen zurück, der Inlandsmarkt ist weitgehend gesättigt, die US-Automobilproduktion sackt bis zum Herbst 1929 um ein Drittel ab, ...Bild 14 von 80 ... viele Farmer können nach einem Anstieg der Zinsen ihre Hypothekenzinsen nicht mehr bezahlen.Bild 15 von 80 "Früher oder später wird der Crash kommen, und er kann schrecklich werden", warnt im September 1929 der Ökonom Roger Babson.Bild 16 von 80 Doch dass es so schlimm kommen würde, hat wohl auch er kaum erwartet.Bild 17 von 80 Denn der Zusammenbruch in den USA hat weltweite Auswirkungen. (Bild: Trafalgar Square in London.)Bild 18 von 80 Die USA, die 1929 mehr als 40 Prozent der weltweiten Industriegüter erzeugen und die größte Exportnation sind, ziehen innerhalb kürzester Zeit ihre Kredite aus dem Ausland ab.Bild 19 von 80 In Zeiten der Krise brauchen sie jeden Cent für sich.Bild 20 von 80 Dies führt weltweit zu weiteren Zusammenbrüchen und einer allgemeinen Verschlechterung der Wirtschaftslage, was wiederum auf die USA zurückschlägt.Bild 21 von 80 Das Bruttosozialprodukt, das private Einkommen und der Außenhandel schrumpfen in den USA in den nächsten vier Jahren auf die Hälfte. Werden 1929 10 Milliarden Dollar investiert, ist es 1932 nur noch eine Milliarde.Bild 22 von 80 Der Dow-Jones-Index sackt von einem Vorkrisenstand von 381 Punkten im Juli 1932 auf einen Tiefstand von 41 Punkten - und es dauert 22 Jahre, bis er im November 1954 das alte Niveau erreicht.Bild 23 von 80 Die Bautätigkeit erlahmt fast vollständig, ...Bild 24 von 80 ... auch die Folgen für die Bauern sind katastrophal. Die Agrarpreise sinken im Schnitt um 60 Prozent, zehntausende Bauern sind zahlungsunfähig.Bild 25 von 80 Allein 1933 werden 5 Prozent der amerikanischen Farmen konfisziert oder zwangsversteigert.Bild 26 von 80 Die Zahl der Konkurse übersteigt bis Ende 1932 die Zahl 100.000, bis Ende 1933 sind 9000 Banken zusammengebrochen.Bild 27 von 80 Die Arbeitslosenrate schnellt in die Höhe.Bild 28 von 80 Sind 1929 noch weniger als 5 Prozent ohne Arbeit, sind es 1932/33 bereits ein Viertel der arbeitsfähigen Bevölkerung in den USA: rund 15 Millionen.Bild 29 von 80 Neun Millionen Amerikaner, meist Angehörige der Mittelschicht, verlieren ihre Ersparnisse in einer Höhe von insgesamt rund 2,5 Milliarden Dollar. Aber es trifft auch Millionäre, wie "Champagner-Fred" Bell (im Bild), der bei der Krise alles verliert.Bild 30 von 80 Da es in den USA so gut wie keine staatliche Fürsorge gibt, sind die sozialen Folgen fatal.Bild 31 von 80 Die amerikanischen Arbeitslosen haben keinen Rechtsanspruch auf Unterstützung.Bild 32 von 80 Sie hängen von Armenhilfe der Gemeinden und der Wohltätigkeit privater Spender ab.Bild 33 von 80 Vor den Suppenküchen bilden sich lange Schlangen, ...Bild 34 von 80 ... Obdachlosenheime sind voll.Bild 35 von 80 Besonders schlimm ist die Lage für Bauern im Mittleren Westen und im Südwesten.Bild 36 von 80 Sie sind in den Jahren 1930 bis 1941 noch zusätzlich gebeutelt durch anhaltende Dürren, Sandstürme und Bodenerosion.Bild 37 von 80 Mehr als 350.000 Menschen verlassen ihre Farmen und ziehen nach Kalifornien.Bild 38 von 80 Doch auch der Goldene Staat kann nicht alle Neuankömmlinge beschäftigen.Bild 39 von 80 US-Präsident Hoover erweist sich als schlechter Krisenmanager; er vertraut auf die "Selbstheilungskräfte des Marktes".Bild 40 von 80 Wie viele Wissenschaftler seiner Zeit glaubt der Republikaner, Wirtschaftskrisen durch "Gesundschrumpfen" überwinden zu können.Bild 41 von 80 Direkte Hilfen oder massive Eingriffe der Regierung in die Wirtschaft lehnt er ab, stattdessen verfolgt er die klassischen Mittel einer Stabilisierungspolitik wie Zollerhöhungen zum Schutz der heimischen Industrie.Bild 42 von 80 Dies allerdings beschleunigt die Talfahrt weiter, der Welthandel wird stranguliert, die Deflationsspirale vorangetrieben.Bild 43 von 80 Hoover vermittelt den Endruck staatlicher Passivität und Konzeptionslosigkeit. Sein Ausspruch "Properity is just around the corner" ist mehr Wunschdenken, als dass er zur Beruhigung der Märkte beiträgt.Bild 44 von 80 Erst mit dem erdrutschartigen Wahlsieg des Demokraten Franklin D. Roosevelt ändert sich die US-Politik.Bild 45 von 80 Roosevelt zeigt Sympathie und Mitgefühl für den "vergessenen kleinen Mann", bei seiner Antrittstrede 1933 sagt er: "Das Einzige, was wir fürchten müsse, ist die Furcht selber".Bild 46 von 80 Im Gegensatz zu seinem Vorgänger geht er, beeinflusst vom Ökonomen John Maynard Keynes (im Bild), die Krise entschlossen an.Bild 47 von 80 Mit dem "New Deal" führt er einschneidende Wirtschaftsreformen ein.Bild 48 von 80 Sie erstrecken sich auf jeden Wirtschaftsbereich: Das Geld- und Kreditsystem, den industriellen Sektor, den Arbeitsmarkt, das Sozialwesen und die Landwirtschaft.Bild 49 von 80 Um zunächst der Bankenkrise Herr zu werden - am Vortag seines Amtsantritts hatten 38 Staaten ihre Banken geschlossen - erklärt er mehrere Bankfeiertage und greift massiv in die Markwirtschaft ein.Bild 50 von 80 Die Börsen werden fortan staatlich überwacht, Mindestpreise für Agrarprodukte eingeführt.Bild 51 von 80 Die Regierung ergreift zahlreiche soziale Maßnahmen, verbietet Kinderarbeit und führt eine staatliche Rente und Arbeitslosenversicherung ein.Bild 52 von 80 Zugleich fördert Washington gezielt Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und führt viele Infrastrukturmaßnahmen durch.Bild 53 von 80 So werden unter Roosevelt 122.000 öffentliche Gebäude, eine Million Kilometer Straßen und 77.000 Brücken gebaut.Bild 54 von 80 Insgesamt gibt die Bundesregierung für die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen 11 Milliarden Dollar aus und unterstützt durchschnittlich 2 Millionen Menschen im Jahr.Bild 55 von 80 Dennoch geht die Zahl der Arbeitslosen vergleichsweise langsam zurück; erst mit dem Kriegseintritt der USA 1941 und der Ausweitung der Rüstungsproduktion erholt sich die Wirtschaft von der Großen Depression.Bild 56 von 80 Neben den USA bekommt besonders ein Land die katastrophalen Folgen der Weltwirtschaftskrise zu spüren: Das Deutsche Reich.Bild 57 von 80 Das Land leidet Ende der 1920er Jahre noch immer unter den Reparationszahlungen infolge des Ersten Weltkrieges.Bild 58 von 80 Erst 1923 hatte es die Hyperinflation verschmerzen müssen, die schlimmste Geldentwertung, die je eine fortgeschrittene Industriegesellschaft heimgesucht hatte.Bild 59 von 80 Die Weimarer Republik hängt am Tropf der Auslandskredite, die meisten aus den USA und mit nur kurzfristigen Kündigungsfristen.Bild 60 von 80 Mit dem Börsencrash an der Wall Street bricht auch der deutsche Aufschwung auf Pump in sich zusammen, die "Dollarscheinblüte" ist beendet. Geben 1928 die USA dem Deutschen Reich noch Kredite im Wert von fast 180 Millionen Dollar, ...Bild 61 von 80 ... sind es 1929 keine 30 Millionen mehr. Besonders schnell erreicht die Wirtschaftskrise in Deutschland die Bauwirtschaft. Die Zahl der Beschäftigten sinkt von 1928 bis 1932 um mehr als 60 Prozent - von zwei Millionen auf 775.000.Bild 62 von 80 In anderen Branchen ist der Trend ähnlich. Zwischen 1930 und 1932 sinkt die deutsche Industrieproduktion um 40 bis 50 Prozent.Bild 63 von 80 Die Zahl der Arbeitslosen steigt von 1,3 Millionen im September 1929 auf faktisch über 7 Millionen Anfang 1932. (Im Bild: Arbeitslose, die in Berlin in ausrangierten Waggons wohnen.)Bild 64 von 80 Dies verstärkt den Teufelskreis: Mehr Arbeitslose führen zu einer sinkenden Nachfrage, diese wiederum zu weiteren Entlassungen und Zusammenbrüchen.Bild 65 von 80 Verschärft wird die Krise 1931, als die größte Geschäftsbank Österreichs, die Österreichische Creditanstalt, ein Defizit von 140 Millionen Schilling angibt. (Bild: Schloss Schönbrunn in Wien)Bild 66 von 80 Aus Angst vor Auswirkungen in Deutschland ziehen daraufhin Anleger in aller Welt bei deutschen Banken Geld ab. Am 13. Juli 1931 stehen deutsche Sparer bei der Danatbank vor verschlossenen Türen.Bild 67 von 80 Panik greift um sich, vor anderen Bankhäusern und Sparkassen bilden sich daraufhin riesige Schlangen. Die Regierung reagiert - mit der Schließung aller Kreditinstitute für zwei Tage. Die Börsen werden für sieben Wochen geschlossen.Bild 68 von 80 Ansonsten versucht die Regierung unter Reichskanzler Heinrich Brüning (4.v.l.) die Krise vor allem mit einem unerbittlichen Sparkurs zu bekämpfen.Bild 69 von 80 Der "Hungerkanzler" kürzt radikal öffentliche Ausgaben für Wohnungsbau, für Subventionen, für Staatsangestellte. Zugleich steigen die Steuern in die Höhe, die Wirtschaft kommt nahezu zum Erliegen.Bild 70 von 80 Brüning glaubt an ein Gesundschrumpfen der Wirtschaft, oberste Priorität hat für ihn der Abbau der Reparationszahlungen.Bild 71 von 80 In einer amtlichen Mitteilung heißt es: "Bei der großen wirtschaftlichen Not, mit der weiteste Kreise des deutschen Volkes zu kämpfen haben, muss jedes Übermaß an Feiern und Vergnügen vermieden werden."Bild 72 von 80 Nur den wenigsten ist wohl überhaupt danach zumute. Die Zahl der Suizide steigt rasant. Auf eine Million Einwohner kommen 260 Selbstmorde - in den USA sind es lediglich 133, in Großbritannien 85.Bild 73 von 80 "Die Leute fühlten, wie der Boden unter ihren Füßen nachgab", so der zeitgenössische Ökonom Joseph Schumpeter.Bild 74 von 80 Dennoch will Brüning nicht von seiner Deflationspolitik abweichen, er glaubt sich "die letzten hundert Meter" vor dem Ziel.Bild 75 von 80 Trotz der wirtschaftlichen Not, der Massenarbeitslosigkeit und einem wachsenden Misstrauen gegenüber den großen Konzernen.Bild 76 von 80 Dabei übersieht der Kanzler, dass die Krise inzwischen eine soziale Dynamik erreicht hat, die sich nicht mehr eindämmen lässt.Bild 77 von 80 Immer mehr erstarken in Deutschland die radikalen Kräfte.Bild 78 von 80 Während die Weltwirtschaftskrise in den USA 1932 zum Wahlsieg des Demokraten Roosevelt führt, gewinnen in Deutschland neben den Kommunisten vor allem die Nationalsozialisten massiv an Zulauf.Bild 79 von 80 Das Ende ist bekannt. (Text: Gudula Hörr)Bild 80 von 80