Politik

Pressekonferenz mit Donald Trump: "Die Zukunftssorgen werden berechtigter"

Auf seiner ersten Pressekonferenz seit 168 Tagen bleibt Trump seinem Stil treu: Er lenkt von Themen ab und stellt Medienvertreter an den Pranger. Konsequent bleibe der gewählte US-Präsident nur in seiner Inkonsequenz, meinen auch die internationalen Medien.

Die erste Pressekonferenz von Donald Trump seit 168 Tagen schlägt hohe Wellen. Seit Juli hatte der damalige US-Präsidentschaftskandidat nicht mit der Presse gesprochen: Immer wieder prangert er auf Wahlkampfveranstaltungen die "Unehrlichkeit" der Medien an oder schimpft via Twitter über Pressevertreter. Mit seinem Auftritt im Trump-Tower macht Trump nun die Hoffnung vieler zunichte, er würde sich als gewählter Präsident im Ton mäßigen, meint auch die internationale Presse. Andere Medienvertreter fordern von Amerikas Verbündeten den Übergang zum realpolitischem Umgang mit der künftigen US-Regierung.

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"Die Sorge über die Zukunft wird immer berechtigter", konstatiert das linksliberale spanische Blatt El País nach dem Auftritt des gewählten US-Präsidenten. Drohungen gegen die Pharma-Industrie, Anspielungen auf eine "gefährliche Lobby" sowie die Drohungen an einen namentlich erwähnten Autobauer passten "eher zu einem Drehbuch eines Mafiafilms als einer Präsidentenrede". Als "absurd" bezeichnet die madrilenische Zeitung zudem die Inszenierung mit Dutzenden von Mappen zu Firmen, auf deren Verwaltung Trump nach eigenen Worten angeblich verzichten wolle.

Der New York Times wird ein angespanntes Verhältnis zu Donald Trump nachgesagt, doch heißt es nach der Pressekonferenz zunächst: "Es war eine super Strategie. Alle wollten seit Langem wissen, wie Trump in Zukunft mit seinen Geschäften verfahren will (...)". Das Thema sei jedoch in der Debatte über den geleakten Report untergegangen. Ob Trumps Schnellfeuerablenkung also das Werk eines politischen Genies sei, fragt das US-Blatt, und revidiert: "In Wahrheit ist es nur die Art, wie unser neuer Präsident tickt." Der einzige verbindende Nenner sei die Frage, was das alles für Trump bedeute." Sah er gut aus? Wie waren die Zuschauer? Hat ihn jemand hintergangen?".

Die Londoner Times bemerkt, es gebe gute Gründe dafür, dass Trumps gestrige Pressekonferenz die erste seit sechs Monaten war. Denn: "Trumps Kritiker in den Medien haben viele Themen, zu denen sich potenziell peinliche Fragen stellen lassen." Amerikas Verbündeten empfiehlt die britische Tageszeitung indes, sich auf zwei äußerst reale Aspekte der Präsidentschaft Trumps zu konzentrieren. "Trump beabsichtigt eine Annäherung an Russland und eine Kampfansage an die militärischen und wirtschaftlichen Ambitionen Chinas." Beides bedeute eine radikale Abkehr von der bisherigen Außenpolitik der USA – doch der Westen müsse sich damit abfinden, dass dies eine wohlüberlegte Strategie sei. Amerika könne sich so gegenüber "der letzten kommunistischen Supermacht sowie den rapide wachsenden Interessen der aufstrebenden anderen Supermacht neu positionieren."

Der britische The Guardian stellt dagegen süffisant fest: "Der mutmaßliche Meister der Medienmanipulation stolperte so oft (…),  dass es schwer ist, sich in Erinnerung zu rufen, dass irgendjemand einmal dachte der TV-Star sei überhaupt gut in diesen Dingen." Donald Trump sei nicht, was er zu sein scheine, resümieren die britischen Kommentatoren. Trumps Präsidentschaft liege bereits in Scherben, bevor sie richtig begonnen habe.

Die polnische Zeitung Gazeta Wyborcza legt in ihrem Kommentar den Fokus auf die umstrittene Veröffentlichung des Nachrichtenportals BuzzFeed zu einem angeblichen geheimen Trump-Dossier, das der russische Geheimdienst in Auftrag gegeben haben soll. "Trump wird nun Opfer der gleichen Waffe, zu der er selbst so gerne griff", diagnostizieren die Kommentatoren. Das Material gehöre einer Kategorie von "Postfaktismus" an, in der seriöse Medien es nicht unbestätigt veröffentlichen könnten. "Leider deutet nichts darauf hin, dass Trump daraus eine Lehre ziehen würde." Die wäre nämlich, dass Trump erkenne, welch fragwürdige Waffe "Postfaktismus" sei und dass er selbst "aufhört, sie gegen seine Gegner einzusetzen."

"Die Ära Trump beginnt im Gewitter". Auch die konservative französische Zeitung Le Figaro widmet sich den jüngsten Vorwürfen gegen den künftigen US-Präsidenten im Zusammenhang mit Russland. Die Kommentatoren warnen Trump davor, seine "Oberbefehlshaber-Mütze" mit einem angespannten Verhältnis zu seinen Geheimdienstlern aufzusetzen. Schlimmer sei jedoch etwas anderes, so Le Figaro: "Er läuft Gefahr, ständig als Lakai (des russischen Präsidenten Wladimir) Putins behandelt zu werden." Man müsse sich langsam die Frage stellen, bis zu welchem Punkt das solide amerikanische System die Serie an Donnerschlägen einstecken könne.

Zusammengestellt von Judith Günther.

Quelle: n-tv.de

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