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(Foto: picture alliance / dpa)

Seehofer: Keine Ewigkeitsgarantie: "Die personifizierte Alternative zur AfD"

Vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise und nach den CDU-Wahlschlappen in drei Bundesländern stichelt Horst Seehofer erneut gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel. In einem Zeitungsinterview erteilt der CSU-Chef einem bundesweiten Auftreten seiner Partei zwar eine Absage, fügt jedoch hinzu, niemand könne "Ewigkeitsgarantien" abgeben. Die Presse nutzt den Anlass, um die Folgen einer möglichen Aufspaltung der Unionsparteien durchzuspielen.

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Die Abendzeitung aus München glaubt nicht, dass der indirekten Drohung Seehofers in absehbarer Zeit Taten folgen werden: "Was Helmut Kohl einst Franz Josef Strauß androhte, würde Angela Merkel wahr machen: Die CDU überquert den Main und tritt in Bayern an. Angesichts der heiklen Nachfolgesituation könnten die Christdemokraten den Christsozialen zumindest in Teilen des Freistaats entscheidende Prozente abjagen, die die absolute Mehrheit kosten. Am Ende gäbe es - welch Schmach - womöglich eine CSU/CDU-Staatsregierung. Der seit dem Wahldebakel 2008 angekratzte Nimbus wäre damit endgültig hinüber, eine bundesweite CSU das Ende der Partei. Das weiß Merkel, das weiß Seehofer. Deshalb sind seine Drohungen wie so oft: leer."

Laut Heilbronner Stimme könnte die CSU, anders als 1976 unter Franz Josef Strauß, in der aktuellen Situation von einer Abspaltung profitieren: "So absurd die Idee fürs Erste klingen mag: Die Ausgangslage heute wäre für die CSU um einiges erfolgversprechender als noch in den 70ern. Das Parteienspektrum erlebt gerade eine starke Ausdifferenzierung, rechts der CDU tummeln sich genügend politisch Heimatlose. Horst Seehofer wäre die personifizierte Alternative zur Alternative für Deutschland.

Sollten sich die Unionsparteien tatsächlich aufspalten, wären die Folgen für CDU und CSU fatal, meint der Kölner Stadt-Anzeiger: "Die Aufkündigung der Schwesternschaft zwischen CDU und CSU hätte eine gewisse Logik: Die Mehrheit der AfD-Wähler würde es begrüßen, wenn sich in ihrem Bundesland auch die CSU zur Wahl stellen würde. Doch die CSU würde auch die CDU Wähler kosten. Aber auch der bayerische CDU-Landesverband wäre schnell gegründet. Und es würde sich herausstellen: Es gibt nicht nur das CSU-Fanlager in der CDU, sondern auch Freunde der gemäßigteren Töne in der bayerischen Schwesterpartei. Es wäre die Garantie für das Ende der absoluten Mehrheit der CSU im Landtag. Sollte Horst Seehofer sich eine Abspaltung tatsächlich überlegen, würden damit die Probleme der Unionsparteien erst richtig anfangen.

"Womöglich beeindruckt Seehofers Drohkulisse einige EU-Verhandlungspartner mehr als die Kanzlerin", kommentiert die Märkische Allgemeine und fügt mit Blick auf den EU-Türkei-Gipfel hinzu: "Kommt es in Brüssel zu einer Lösung, könnte Seehofer am Ende sogar sagen, die CSU habe das Ergebnis erst ermöglicht."

Der Münchner Merkur bezeichnet Seehofers ständige Drohungen in Richtung Berlin als "destruktiv" und fordert den CSU-Chef auf, neue Akzente zu setzen: "Man stellt sich die Frage, wo die CSU mit dieser Strategie hin will. Die Klage in Karlsruhe? Kleinlaut zurückgestellt. Ein Austritt aus der Regierung? Würde der Partei jede Mitsprachemöglichkeit rauben. Auch eine bundesweite CSU liegt fernab der Realität, ist sie im Freistaat doch nur deshalb so erfolgreich, weil sie als die Stimme Bayerns gilt. Statt rein destruktiv zu argumentieren, wäre die CSU auch bei ihrem Merkel-kritischen Kurs glaubhafter, wenn sie die bayerische Integrationspolitik, die besser als in den meisten anderen Ländern ist, stärker betonen würde. Gleiches gilt für die organisatorische Bewältigung des Flüchtlingsstroms. Immer nur neue haltlose Drohungen auszustoßen, nutzt sich irgendwann ab - und macht angreifbar."

Zusammengestellt von Aljoscha Ilg.

Quelle: n-tv.de

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