Politik

Der Pferdefleischskandal ist zurück: "Ein Luxusgut, das seinen Preis hat"

Wieder einmal erschüttert ein Lebensmittelskandal die Republik und wie bereits vor einigen Monaten geht es um falsch deklariertes Pferdefleisch. Bei der neuen Enthüllung handelt es sich jedoch um ein Betrugssystem bisher unerreichten Ausmaßes. Wie die ermittelnden Behörden mitteilen, hat ein niederländischer Großhändler über Jahre hinweg 124 deutsche Betriebe mit falsch etikettiertem Pferdefleisch beliefert. Ist der Verbraucher Opfer raffgieriger Händler und allzu lascher Kontrollen? Oder ist er – immer auf der Suche nach dem nächsten Schnäppchen – am Ende selbst schuld an der Misere? Die Presse diskutiert:

50.000 Tonnen falsch deklariertes Pferdefleisch soll in den Handel geraten sein.
50.000 Tonnen falsch deklariertes Pferdefleisch soll in den Handel geraten sein.(Foto: dpa)

Auf das europäische Problem der Fleischskandale müsse europäisch reagiert werden, schreibt die Nürnberger Zeitung und fügt hinzu: "Da kommt das zufällig gestern in Luxemburg gesprochene Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) gerade zur rechten Zeit. Zwar betrifft dieser Fall einen Wildhändler aus Bayern. Die Richter entschieden aber grundsätzlich, dass Behörden öffentlich vor Ekelfleisch warnen dürfen, auch wenn die Lebensmittel nicht gesundheitsgefährdend sind, sondern eben nur unappetitlich."

Zum Umdenken im Umgang mit dem Lebensmittel Fleisch mahnt das Delmenhorster Kreisblatt: "Vorerst bleibt dem Verbraucher nur eins: Er muss Fleisch wieder als das verstehen, dass es einst mal war: ein Luxusgut, das seinen Preis hat. Wer sicher gehen möchte, dass er keine falsch deklarierte Ware zu sich nimmt, sollte nicht auf Bratwürste zurückgreifen, die nur wenige Cents kosten."

Auch die Nürnberger Nachrichten richten sich an die Verbraucher: "Nicht nur profitgierige Händler sind das Problem, sondern auch gierige Verbraucher, denen mit Begriffen wie »Betrug« und »Verbrechen« eine Opferrolle zugestanden wird, die sie nicht verdient haben. Wie viel Geld es kostet, ein Tier unter halbwegs würdigen Bedingungen zu mästen, zu schlachten und zu verarbeiten, muss kein Laie wissen. Dass mit den Dumpingpreisen für Fleisch und Fleischprodukte in Discountern und Supermärkten etwas nicht stimmen kann, schon."

"An der Ladentheke stehen sich handfeste Interessen gegenüber", beschreibt die Westdeutsche Zeitung das Verhältnis zwischen Händler und Kunde und fügt hinzu: "Die einen wollen möglichst viel einnehmen, die anderen wollen möglichst wenig ausgeben." Sei der Verbraucher nicht bereit einen angemessenen Betrag für seine Lebensmittel zu bezahlen, steige die Gefahr, "dass manche Händler sich mit unlauteren Mitteln Profit verschaffen".

Diese betrügerischen Händler, so der Mannheimer Morgen, hecken bereits "ihre nächste, noch besser verschleierte Masche aus". Niemand solle sich etwas vormachen, so die Zeitung weiter: "Während jetzt über Pferdefleisch diskutiert wird, ist ein weiterer Lebensmittelskandal bereits in vollem Gange. Nur hat noch keiner von ihm Wind bekommen. Eine Stichprobe, ein Zufallsfund wird ihn irgendwann aufdecken." Am Ende wisse der Verbraucher nicht mehr "was er essen und trinken soll".

Quelle: n-tv.de

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