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Berggruen rettet Karstadt"Ein Spaziergang wird das nicht"

03.09.2010, 20:42 Uhr

Nach monatelangem Ringen ist Karstadt gerettet. Die Freude bei den 25.000 Mitarbeitern ist groß. Und die Sympathie der Belegschaft kann Berggruen gut brauchen.

Monatelang wurde um Karstadt gerungen. Jetzt ist das Warenhaus gerettet und die Freude bei den 25.000 Mitarbeitern groß. Die Sympathie der Belegschaft kann Investor Nicolas Berggruen gut brauchen. Denn die Arbeit fängt erst jetzt richtig an.

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Berggruen verspricht "als Arbeiter" Karstadt zukunftsfähig zu machen. Das passende Mitarbeiter-Schild hat er schon mal. (Foto: dpa)

"Karstadt lebt" und der Belegschaft dürfte "geradezu ein Felsbrocken vom Herzen gefallen sein. Die vergangenen Monate haben Nerven gekostet und gingen an die Substanz. Immer wieder war die Entscheidung über die Zukunft der Kaufhäuser oftmals in buchstäblich letzter Minute verschoben worden. Dieses erdrückende Korsett ist endlich aufgeschnürt." Jetzt, so die Volksstimme (Magdeburg), sei es an Berggruen, Karstadt fit für die Zukunft zu machen und die Kunden dauerhaft an das Warenhaus zu binden. "Das erfordert flexibel wechselnde Sortimente und nach außen wie innen frisch daherkommende Filialen. Dazu braucht es Zeit, viel Geld und engagierte Mitarbeiter. Bei Karstadt beginnt die eigentliche Arbeit jetzt erst."

"Es gibt viel zu tun bei Karstadt, und das nicht nur beim Sortiment. Der Investitionsstau ist immens. In etlichen Häusern ist der Lack ab, sie müssen dringend renoviert werden", finden auch die Nürnberger Nachrichten, sind aber optimistisch: "Berggruen glaubt an eine Zukunft der Vertriebsform Warenhaus, er glaubt an Karstadt und er ist bereit, für seine Überzeugung eigenes Geld zu investieren. Allein dafür lieben ihn die Beschäftigten. Diese Sympathien kann er brauchen. Denn ein Spaziergang wird die Sanierung von Karstadt nicht."

"Über den Berg ist Karstadt damit nicht", dämpft auch der Südkurier Konstanz die Erwartungen. "Denn die Experten sind sich einig, dass das Konzept Vollsortiment-Warenhaus überholt ist. Dafür ist die Konkurrenz der Shopping-Center und Fachhändler zu groß geworden. Berggruen hat auch schon angekündigt, sich verstärkt auf Mode, Wohnen, Schmuck und Accessoires konzentrieren zu wollen. Das allein wird aber nicht reichen. Um Karstadt profitabel zu machen, wird er auf Dauer um weitere Einschnitte nicht herumkommen über die 150 Millionen Euro hinaus, die die Mitarbeiter ohnehin zur Sanierung beitragen." Aber auch wenn der Weg noch lang sein wird, glaubt die Zeitung an den Investor: "Die Zähigkeit, mit der Berggruen dem Konsortium Highstreet die Mietnachlässe abgetrotzt hat, lässt hoffen, dass er es schafft."

Die Leipziger Volkszeitung blickt noch einmal zurück: "Versagt haben bei Karstadt in den vergangenen Jahren mehr oder weniger alle. Nie hatte ein Vorstandschef ein erfolgreiches Konzept parat, und nie sind die überforderten Firmenlenker offenbar von hilfreichen Firmendenkern im Kontrollgremium inspiriert worden. Bis heute ist deshalb unklar, wo die Kernkompetenzen des Unternehmens liegen." Jetzt sei es an Berggruen, die Probleme in Angriff zu nehmen. "Den Grundstein dafür hat er gelegt, indem er die überzogenen Kosten reduziert, die Middelhoff dem Konzern aufbürdete. Das angekündigte Millionen schwere Investitionsprogramm ist schon der zweite Schritt und zeigt zudem den entschlossenen Willen des Deutsch-Amerikaners, das Unternehmen besser zu positionieren."

Quelle: Zusammengestellt von Katja Sembritzki